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Aktuelle Themen 2016

Flüchtlinge nehmen ihre Zukunft selbst in die Hand

Es wird viel über sie gesprochen, aber auf der internationalen Konferenz von Geflüchteten und Migranten in Hamburg Ende Februar ergriffen sie selbst das Wort: Über 2.000 Flüchtlinge und Migranten sprachen auf dem selbst organisierten Treffen über ihre Sicht zu Themen, die sie direkt betreffen. Themen  wie Asylgesetze, die Lage an den Grenzen, Selbstorganisation und Sexismus. Das Motto der Konferenz: "Der Kampf der Geflüchteten – wie weiter machen? Beendet den Krieg gegen die Migrant*innen."
 

Raum für Vernetzung und Austausch

Es war keine Konferenz der großen Reden, sondern der vielen kleinen Geschichten – Geschichten von Geflüchteten. Geschichten von Gewalt und Krieg, Flucht, Sprachproblemen und Frustration über deutsche Bürokratie und Politik. Aber es waren auch Geschichten über ein Leben in Freiheit, gegenseitige Hilfe und den Glauben an eine bessere Zukunft. Die vorherrschende Stimmung: Wir wollen von unserem Schicksal berichten, uns ihm aber nicht ergeben.

"Es geht darum, Leute miteinander zu vernetzen und zu zeigen, dass Migranten etwas zu der Gesellschaft beitragen können", sagt Ali Ahmet. Er gehört zu der Gruppe "Lampedusa in Hamburg", die die Konferenz organisiert hat.  Unterstützt wurden sie dabei von Freiwilligen und der Kulturfabrik "Kampnagel", zugleich Ort der dreitägigen Konferenz.

"Ich als geflüchtete Person und Ausländerin in diesem Land habe es sehr positiv erlebt, willkommen geheißen zu werden auf dieser Konferenz und dass mir mit so viel Respekt begegnet wird", sagt Sherey, die mit ihrer Familie zu der Konferenz gekommen ist.
 

Das sagen die Besucher

(Transkript und Übersetzung in der Beschreibung auf Soundcloud)

 

Frauen stürmen die Bühne

Etwa 800 Übernachtungsplätze, davon 100 auf Kampnagel, standen für Gäste von außerhalb zur Verfügung. Die Kinder wurden im Kindergarten betreut, für Essen wurde gesorgt. Bei einer Rechtsberatung konnten sich Geflüchtete individuell beraten lassen.

In über 30 Workshops und Podiumsdiskussionen sprachen die Teilnehmer über verschiedene Themen wie mentale Gesundheit, gehörlose Geflüchtete, unbegleitete Minderjährige, Sprachkurse, Gewalt an den Grenzen und Rassismus. Die Podiumsdiskussionen wurden von Freiwilligen in acht Sprachen übersetzt. "Es ist eine Plattform für Leute, um sich auszutauschen. So haben wir uns das gewünscht und es ist toll zu sehen, wie die Leute es annehmen", sagt Ali Alasan, einer der Organisatoren.

Einige Workshops fanden im „Women’s Space“ statt, einem geschützten Raum etwas abseits der anderen Räume. Für einige Frauen war damit die Sichtbarkeit zu gering. Sie stürmten mit dem Slogan "Women’s Space is everywhere" die Bühne im großen Auditorium. Passend zur Diskussion über Selbstorganisation.
 

Das sagen die Redner und Organisatoren


Forderungen an Gesellschaft und Politik

Bessere Vernetzung untereinander, Abschiebestopp und Bewegungsfreiheit in Europa. Das sind drei zentrale Forderungen der Teilnehmer. Weitere Ergebnisse wollen die Organisatoren bald präsentieren.

"Wir haben gesehenen, dass die Konferenz eine großartige Plattform ist, um Leute miteinander zu vernetzen und einen Überblick über die Lage in verschiedenen Städten zu bekommen", sagt Organisator Abimbola Odugbesan. "Sie ist ein starkes Werkzeug bei der gemeinsamen Anstrengung, mit dem europäischen System klarzukommen und die Politik zu erreichen. Deswegen sollte es weitere internationale Konferenzen geben." Für Herbst ist ein großes Treffen in Berlin angekündigt.

Finanziert wurde die Konferenz mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung und weiterer Stiftungen sowie durch Spenden.