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Aktuelle Themen 2015

Ins Ausland gehen - im Inland wirken

Außenminister Steinmeier trifft in Berlin junge Menschen mit Auslandserfahrung

"Ich sehe, wir beginnen also mit den ganz einfachen Fragen", scherzt Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Soeben hat ihn eine siebzehnjährige Schülerin gebeten, ihr zu erklären, woran ein für alle Staaten verbindliches Abkommen zum Klimaschutz scheitert. Steinmeier ist im Rahmen der Bürgerdialoge der Bundesregierung in die Berliner Repräsentanz der Robert Bosch Stiftung gekommen. Er diskutiert mit Teilnehmern der Auslandsprogramme der Stiftung und des Freiwilligendienstes „kulturweit" der Deutschen UNESCO Kommission darüber, was eine Auslandserfahrung eigentlich bedeutet. Für einen selbst. Für die sich weiter globalisierende Welt. Und auch für Deutschland. Ein Deutschland, das sich gegenwärtig bemüht, geflohene Menschen aus aller Welt würdig unterzubringen. Opfer politischer Krisen, die weit entfernt von deutschen Grenzen ihren Lauf nehmen. Ein Deutschland, das stets auch Europa sein muss. Ein von interkontinentalen Entwicklungen abhängiges Deutschland, das langfristig keine klare Luft atmen wird, wenn China, die USA oder Australien versmogt sind.

Ein Kulturwissenschaftsstudent spricht über seine Erfahrungen in Russland: "Ich als Deutscher komme aus einer pluralistischen Gesellschaft. In Russland versteht man unter Pluralismus etwas anderes. Das frustrierte mich. Gehören solche Frustrationen zu einer Auslandserfahrung? Erleben Sie als Außenminister auch diese Art von Enttäuschungen?" Steinmeiers Antwort klingt pragmatisch positiv. Gerade mit Moskau müsse man den Dialog aufrechterhalten. Eine allein aus Sanktionen und Drohungen bestehende Kommunikation könne kaum friedensstiftend sein. Das gelte ebenso im zivilgesellschaftlichen Bereich.

Warum gibt es so wenige internationale Begegnungsstätten in Deutschland? Wie stark verbindet die europäische Identität? Wie soll man mit dem Rechtsruck der deutschen Gesellschaft umgehen? Wie erklärt man Pegida muslimischen Freunden in Indien? Viele Fragen aus der Runde an den Außenminister, der seinem Publikum abschließend ans Herz legt, wieder in die weite Welt zu gehen: "Sie sollten aus der Auslandserfahrung keine Pflicht ableiten, sich in Deutschland zu engagieren. Sondern dies mehr als Freiheit verstehen, Dinge zu verändern."

Einige Teilnehmer haben im Anschluss an ihren Auslandsaufenthalt in Deutschland bereits eine Aufgabe für sich gefunden. So wie Lena Mallmann, 23, die sich nach ihrer Rückkehr aus Indonesien als Jurorin des Deutsch-Indischen Klassenzimmers engagierte und sich dem AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. anschloss. In dem Verein bereitet sie andere junge Menschen auf ihre Auslandserfahrung vor.

Oder Hannah Bauersachs, 29. Drei Jahre lebte sie als Robert Bosch Lektorin in Kirgistan, rang dort mit der neuen Sprache und dem anderen Rollenverständnis der Frau. Nun gibt sie Flüchtlingskindern aus dem Kaukasus Deutschunterricht. Bald will sie wieder in die kirgisische Hauptstadt Bischkek zurück.

(Dimitrij Kapitelman)

Weitere Informationen

Mit der Aktion Auslandserfahrung bringt's hat sich die Robert Bosch Stiftung das Ziel gesetzt, die Rahmenbedingungen des internationalen Schüler- und Jugendaustauschs zu verbessern. Jeder junge Mensch soll im Laufe seines Heranwachsens an einer internationalen Jugendbegegnung teilnehmen können.