Lernort Stadion - Politische Bildung an Lernzentren in Fußballstadien

Die Methodensammlung

Nationalspieler Ilkay Gündogan von Borussia Dortmund und Johannes Böing vom Lernort Stadion in Dortmund präsentieren die Methodensammlung zum Projekt.

Publikationen
Robert Bosch Stiftung (Hg.)  Begleitheft zur Methodensammlung Lernort Stadion  Lesen und empfehlen
Robert Bosch Stiftung (Hg.)  Methodensammlung Lernort Stadion  Lesen und empfehlen
Die Robert Bosch Stiftung unterstützt Lernort Stadion von Beginn an, hat das Projekt entworfen und führt es seit 2010 in Kooperation mit der Bundesliga-Stiftung an mittlerweile zwölf Standorten durch. Hat sich das Konzept aus Ihrer Sicht bewährt?
Das Projekt hat sich aus unserer Sicht absolut bewährt: Es ist eine eigentlich simple, aber geniale Idee: Wir nutzen einen besonderen Ort und ein Thema, das auf die meisten Jugendlichen eine große Faszination ausübt und sie emotional berührt: das Fußballstadion und den Fußball. Über diese Brücke können wir gesellschaftspolitische Fragestellungen mit Jugendlichen diskutieren und demokratische Werte vermitteln, ausgehend von vielen praktischen Anknüpfungspunkten rund um den Fußball. Dabei setzen wir uns konkret gegen Rassismus ein, klären auf über Rechtsextremismus, führen Übungen zur Gewaltprävention durch, bearbeiten Themen wie Migration und Integration und vieles mehr. Die Ergebnisse der Evaluation zeigen, dass dieses Konzept aufgeht und die Jugendlichen mit Spaß lernen.

Eigentlich sind gesellschaftspolitische Themen eher schwer verdaulich, denn Basis cooler Gesprächsrunden von Jugendlichen. Wie erklären Sie sich den Erfolg von Lernort Stadion und wieso verbinden fast 90 Prozent der Jugendlichen das auch noch mit Spaß?
Der Projekterfolg hängt aus meiner Sicht ganz entscheidend vom Motivationsfaktor Fußball ab. Die Jugendlichen bekommen Zugang zum Stadion - einem nicht alltäglichen Ort - und treffen auf Persönlichkeiten aus dem Umfeld des Sport, sei es ein bekannter Spieler aus dem Fernsehen, ein Jugendspieler, der im gleichen Alter ist wie die Jugendlichen in den Lernzentren, oder ein Mannschaftsbusfahrer, mit dem über Teamgeist und Fair Play diskutiert wird. Damit erhalten die Jugendlichen Zugang zu einer faszinierenden Welt, die ihnen sonst vielleicht verschlossen bliebe, und sind motiviert für das Lernen im Stadion. Den Erfolg von Lernort Stadion machen aber natürlich in erster Linie auch die Referentinnen und Referenten aus, die mit den Jugendlichen arbeiten. Sie wenden erlebnisorientierte Formate und Methoden an, denn die Jugendlichen brauchen keinen Frontalvortrag, sondern aktivierende Bildungsangebote.

In welcher Rolle sehen Sie den Fußball, die Dachverbände und deren Stiftungen in Zukunft in solchen Themen?
Ich wünsche mir, dass der Fußball hier noch stärker Verantwortung übernimmt. Der Fußball hat eine große gesellschaftliche Kraft, die nicht unterschätzt werden sollte. Wenn man in den Lernzentren sieht, wie sehr sich manche Jugendliche mit den Fußballclubs identifizieren, liegt es nahe, dies auch zu nutzen, um der gesellschaftlichen Verantwortung, die der Fußball zweifellos hat, nachzukommen. Konkret wünsche ich mir, dass die beteiligten Clubs im Projekt Lernort Stadion dieses Projekt, was sehr positiv evaluiert wurde, noch stärker finanziell unterstützen, was an einzelnen Standorten auch schon ganz gut gelingt. Es ist auch wünschenswert, dass weitere Fußballclubs diese Idee aufgreifen, und Jugendliche dabei unterstützen, Verantwortung zu übernehmen für die Gesellschaft, in der sie leben.

Im Laufe der Zeit ist auch ein Methodenkoffer entstanden, der viele Themen abdeckt. Was genau beinhaltet der Methodenkoffer?
Der Methodenkoffer ist ein ganz besonderes Produkt für uns, weil wir die letzten Monate ganz intensiv und mit Hochdruck daran gearbeitet haben. Inzwischen wurde aus dem Methodenkoffer übrigens eine Methoden-Sporttasche. Und wir sind sehr stolz darauf, weil er alle wichtigen Methoden und Inhalte von Lernort Stadion bündelt, und das auf sehr ansprechende Art. Im ersten Teil, dem Begleitheft, finden sich grundlegende Informationen zu Lernort Stadion, zum pädagogischen Konzept und den Qualitätsmerkmalen unserer Arbeit. Der zweite Teil - der Praxisteil - enthält eine Fülle an erprobten und selbst entwickelten Modulen, die die Lernzentren in ihrer Arbeit nutzen.

Wer hat den Methodenkoffer entwickelt?
Der Methodenkoffer wurde gemeinsam mit allen Lernzentren entwickelt, dafür haben wir sogenannte Methodenwerkstätten durchgeführt, um die vielen guten Methoden aller Standorte zusammenzutragen. Bei der konkreten Produktumsetzung hat uns dann eine Agentur unterstützt.

Welchen Effekt erhoffen Sie sich?
Wir wollen deutlich machen, was in inzwischen vier Jahre Lernort Stadion geleistet wurde und welche Methoden sich eignen, wenn Jugendlichen politische Bildung im Kontext Fußball vermittelt werden soll. Ein solches Produkt, das politische Bildung mit Fußballbezug sammelt und sichtbar macht, gab es bislang nicht und wir freuen uns, hier mit unserem Angebot eine Lücke füllen zu können. Wir wollen mit der Methodentasche auch über unser Projekt hinaus auch anderen Trägern, die Fußball und politische Bildung zusammenbringen wollen, Hilfestellung und Unterstützung geben. Und nicht zuletzt wollen wir damit natürlich die gute Arbeit der zwölf Lernzentren sichtbar machen.

Zum Schluss noch ein letzter Satz zum Vervollständigen: Das Projekt Lernort Stadion ist für mich...
… eine echte Herzensangelegenheit, weil ich mich bei allen Projektbesuchen davon überzeugen konnte, dass politische Bildung im Stadion wirkt und die teilnehmenden Jugendlichen davon sehr profitieren.
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Melanie Dense (derzeit in Elternzeit), Robert Bosch Stiftung, leitet das Projekt "Lernort Stadion - Politische Bildung an Lernzentren in Fußballstadien"