Grenzgänger

Oswald Egger:

Oswald Egger, geboren 1963 im südtiroler Ort Lana (Italien), studierte an der Universität Wien und legte 1992 mit „Wort für Wort“ eine Abschlussarbeit zur Poetik der hermetischen Literatur vor. Er lebt als Schriftsteller auf der Raketenstation Hombroich. 1996 hatte er ein Stipendium der Akademie Schloss Solitude, 1999 im Schloss Wiepersdorf. 2000 war er Writer in residence der Chinati-Foundation in Texas, 2001 der Villa Aurora in Los Angeles. 2003 war er Gastprofessor für Poetik an der Cornell University in Ithaca/New York. Seit 2011 ist er Professor für Sprache und Gestalt an der Muthesius Kunsthochschule Kiel. 1989-1998 war er Herausgeber der Zeitschrift „Der Prokurist“ und der „edition per procura“, seit 2003 gibt er „Das böhmische Dorf“ heraus.
Euer Lenz

Ist Lenz, inzwischen Dichtung und Wahrheit, verrückt? „Die Gipfel und hohen Bergflächen im Schnee, die Thäler hinunter graues Gestein, grüne Flächen, Felsen und Tannen.“ Es heißt, die sichtbaren Schatten fliehen den, der ihnen folgt, und sie folgen dem, der sie flieht. Nicht der Lenz ist da (das alte Lied), Lenz „ist” da und dort; und Lenz ist überall. Lenz ist Linz, Lunz, Lanz: Das Leben des Lyrikers und Sturm- und Drang-Dramatikers Jacob Michael Reinhold Lenz, der angeblich unter paranoider Schizophrenie litt, war immer schon Stoff für künstlerische Phantasien. Sie reichen von Büchners „Lenz” bis zu Gert Hofmanns Novelle über seine „Rückkehr nach Riga“. Das Buch „Euer Lenz“ bzw. das Hörstück „Linz und Lunz“ kreisen um das Werk und Leben des J.M.R. Lenz in seiner Moskauer Zeit von 1781 bis 1792.

Suhrkamp Verlag 2013
1000 nummerierte und signierte Exemplare
 
SWR2
Hörstück „Linz und Lunz“
Text: Oswald Egger 
Regie: Iris Droegekamp
Erstausstrahlung: 07.03.2013

Bildergalerie

Ich habe, wie Jakob Michael Reinhold Lenz 1779, von Lübeck aus, mit dem Fährschiff nach Riga fahren sollen (und dann die Wege unentwegt iteriert zum Ziel eingeschlagen): Dorpat/Tarbot, die anagrammatisch intermittierende, zweisprachig namhafte Stadt, in welche Lenz mit neun Jahren in den heute estnischen Teil Livlands zog, bildete den Rechercheschwerpunkt, um neben der Atmosphäre des Livischen Sprachsubtrats in der Landschaft (interferierend mit Deutschen Dialekten in Livland) vor allem die topographischen Gegebenheiten und Beschreibungen der Kindheit von J.M.R. Lenz beobachten und notieren zu können: Auch das nichtdeutsche Wort „Grenze“ stammt aus ebendiesem Sprachareal – als Fremdwort („graniza“) –, und meint „die deutsche Eiche“.