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Popstar feiert mit Kindern Leseparty

Erfolg für Leseförderung: Mit der Kampagne "Lesen macht Spaß" kam die Welt der Bücher ins türkischsprachige Radio

Die Geschichte vom Grüffelo kannte Efe bereits aus dem Kindergarten. Doch wenn der deutsch-türkische Popsänger Muhabbet die Geschichte von der Maus und dem leichtgläubigen Monster vorliest, ist das für den Dreijährigen etwas Besonderes. Efe und der Chart-Stürmer Muhabbet waren bei den Schwestern Lerzan und Berfin zur Leseparty eingeladen. Die Eltern der beiden Mädchen hatten die Kampagne "Lesen macht Spaß" im Programm des türkischsprachigen Radiosenders Metropol FM verfolgt und sich um eine der begehrten Lesepartys beworben. Zehn Wochen lang besuchten die Radiomacher am Sonntagnachmittag türkischstämmige Familien, um live aus den heimischen Kinderzimmern zu senden.

Die umfangreiche Bildungskampagne von Radyo Metropol, der Robert Bosch Stiftung und der Stiftung Lesen bot von März bis Mai täglich Sendungen rund ums Lesen. Neben redaktionellen Beiträgen mit Experten wurden kurze Spots mit Prominenten produziert und mit Mauscuk, dem kleinen Mäuschen, ein passendes Comedyformat erfunden.

Vorlesen findet kaum statt

Hintergrund der Kampagne sind die Ergebnisse der Vorlesestudie 2010, die sich mit Vorlesen und Erzählen in Familien mit Migrationshintergrund in Deutschland befasst. Laut der Studie wird Kindern (2–8 Jahre) in jedem dritten Haushalt türkischer Zuwanderer weder von der Mutter noch vom Vater vorgelesen. "Die meisten Deutschtürken stammen aus ländlichen Gebieten der Türkei , in denen Lesen keine große Bedeutung hat", erklärt Tamer Ergün, Geschäftsführer von Metropol FM. Mit der Kampagne habe man vielen Eltern die Verbindung zwischen Lesegewohnheit und Bildung verständlich, eindeutig und auf Türkisch vermitteln können. "Wir wollten unsere Affinität zur türkischen Community in Deutschland einbringen und die türkischen Befindlichkeiten berücksichtigen", erläutert Ergün die Herangehensweise der Kampagne.

Der Erfolg gab dem Berliner Radiosender recht: Vereine, Ministerien, Schulen und Kitas, selbst Einzelpersonen meldeten sich in der Redaktion und wollten die Kampagne unterstützen. Am Ende kooperierte der Sender mit fast 50 Vereinen und 80 Kinderärzten. Und die Hörerzuschriften berichten: In vielen türkischen Familien geht die Leseparty weiter - ohne Radio.

(Michael Herm, Juli 2011)
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Interview mit Murat Topal

"Filme reichen nicht an Bücher ran", sagt der deutsch-türkische Comedy-Künstler und Autor Murat Topal in einem Interview für die Kampagne „Lesen macht Spaß“ und erklärt dabei, welche Vorzüge das Lesen von Geschichten gegenüber dem Fernsehen haben kann. (Foto: Katja Renner)

Leseparty mit Sänger Muhabbet

Lesefibel

Zur Aktion "Lesen macht Spaß" ist eine Lesefibel als Leitfaden für Eltern mit zusätzlichen Buchempfehlungen in türkischer und deutscher Sprache erschienen.