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Aktuelle Themen 2013

Wege zur Sicherung der Gesundheitsversorgung von morgen

Symposium der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit der AOK Baden-Württemberg und der Bosch BKK, Berlin, 6./7. November 2013

Von Rosemarie Stein

Zwei schwierige Problemkreise diskutierten etwa hundert Experten aus Wissenschaft und Praxis in der Berliner Repräsentanz der Robert Bosch Stiftung: 1. Wie lichtet man das Chaos der vielerlei Gesundheitsberufe, bringt sie zur Kooperation und vor allem, wie schafft man für sie rechtlich bessere Rahmenbedingungen? 2. Kann unser zentralistisches Gesundheitswesen durch stärkere Regionalisierung an Effektivität und Qualität gewinnen?

Die Defizite eines Gesundheitswesens, das dem demografischen Wandel und dem Recht auf Selbstbestimmung und Teilhabe nicht mehr gerecht wird, hatten die größtenteils selben Teilnehmer mit denselben Veranstaltern schon vor drei Jahren diagnostiziert: beim Symposium "Die Gesundheitsversorgung von morgen" im Stuttgarter Bosch-Haus Heidehof. Jetzt ging es um konkrete Vorschläge für ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen: Als ein Schritt in die politische Praxis wurde die umfangreiche Denkschrift "Gesundheitsberufe neu denken – Gesundheitsberufe neu regeln" vorgelegt und diskutiert.

Sie fasst die Arbeit einer zehnköpfigen Expertenrunde zusammen, die auf Einladung der Robert Bosch Stiftung in den letzten zwei Jahren die veränderten Rahmenbedingungen der Gesundheitsberufe herausgearbeitet hat. Die Denkschrift begründet notwendige Veränderungen der Profile und Rollen von Gesundheitsberufen und beschreibt die daraus zu ziehenden Konsequenzen für den Gesetzgeber. So müsse beispielsweise die Berufsausbildung und Berufsausübung neu geregelt und aus dem Wirrwarr der heute über 160 unterschiedlichen Ausbildungsregelungen und hunderter rechtlicher Vorschriften ein allgemeines Gesetz über die Heilberufe werden.

Mit dem Begriff „Regionalisierung der Gesundheitsversorgung“ und dem Schlagwort „Caring Community“ ist der zweite Themenbereich der Tagung umschrieben: Stärkere Verlagerung der zur Daseinsvorsorge gehörenden gesundheitlichen und sozialen Aufgaben in die Region, vor allem in die Kommunen. Dort, so die Experten, könne man dem objektiven Bedarf und den individuellen Bedürfnissen der Einzelnen besser gerecht werden und eine umfassende Gesundheitsversorgung von der Gesundheitsförderung bis zur Pflege besser planen und steuern.

Außerdem bestehe in einem kleinräumigen Ambiente eher die Chance, die immer wieder beklagten Mängel der Kooperation aller beteiligten Akteure zu überwinden und das System vom Patienten her zu denken. Das könne aber nur gelingen, wenn die Verantwortlichen in den Kommunen für ihre neuen Tätigkeiten fit gemacht würden. Hinzu komme, dass die nötigen Veränderungen von allen Akteuren auch mitgetragen werden müssten. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, wie sie im Gutachten "Kommunale Verantwortung und Regionalisierung von Strukurelementen in der Gesundheitsversorgung" von Prof. Dr. Burgi ausgeführt sind, sei jetzt Sache des Gesetzgebers.

Bildergalerie

Blick ins Publikum.
v.l.: Prof. Dr. Thomas Klie, AGP Sozialforschung an der Evangelischen Hochschule Freiburg, Landrat Dr. Burkhard Schröder, Landkreis Havelland, Prof. Dr. Martin Burgi, LMU München, Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, Prof. Dr. Ferdinand Gerlach, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, bei der Podiumsdiskussion zum Thema "Regionalisierung der Gesundheitsversorgung".
Das Symposium fand in der Berliner Repräsentanz der Robert Bosch Stiftung statt.
Prof. Dr. Thomas Bals, Mitglied der Arbeitsgruppe "Gesundheitsberufe neu denken, Gesundheitsberufe neu regeln" spricht über das Thema "Gesundheitsberufe im Berufsbildungssystem".
v.l.: Ursula Matzke, Prof. Dr. Gerhard Igl, Gerd Dielmann und Prof. Dr. Stefan Görres.
Prof. Dr. Gerhard Igl berichtet über den Dissertationsverbund "Innovatives Gesundheitsrecht".
Fragen aus dem Publikum.
Dr. Almut Satrapa-Schill, Bereichsleiterin "Zukunftsfragen der Gesundheitsversorgung" der Robert Bosch Stiftung, Prof. Dr. Martin Burgi, Ludwig-Maximilians-Universität München, und Prof. Dr. Joachim Rogall (re.), Geschäftsführer der Robert Bosch Stiftung.
Prof. Dr. Thomas Klie, AGP Sozialforschung an der Evangelischen Hochschule Freiburg, spricht über das Thema "Caring Community-Sorgefähigkeit und Förderung der Teilhabe als regionale Aufgabe".
Gespräche in der Pause.
Die Arbeitsgruppe "Gesundheitsberufe neu denken, Gesundheitsberufe neu regeln" stellt ihre Denkschrift vor.
Gerd Dielmann (re.) im Gespräch.
Dr. Satrapa-Schill im Gespräch.

Kontakt

Sonja Puchinger
Telefon 0711 46084-927
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Martin Burgi  Kommunale Verantwortung und Regionalisierung von Strukturelementen in der Gesundheitsversorgung  Lesen und empfehlen