Vortragsreihe "In Verantwortung für die Zukunft"

Quo vadis Eurozone?

Beweggründe eines zukünftigen Euro-Mitglieds und Perspektive der EZB

Stiftungsvortrag von Dr. Valdis Dombrovskis und Jörg Asmussen

Fünf Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers und dem Beginn der Finanzkrise ist diese Frage unverändert aktuell. Neben den Rettungsschirmen von EU und Eurogruppe hat vor allem das Eingreifen der Europäischen Zentralbank dazu beigetragen, die akuten Gefahren für die Gemeinschaftswährung abzuwenden. Doch die Krise in den überschuldeten Staaten Südeuropas ist damit noch nicht überwunden.

Umso mehr verwundert es, dass die Republik Lettland im Januar 2014 als 18. Mitglied dem Euroraum beitreten wird.

Wie hat Lettland die tiefe Rezession zu Beginn der Finanzkrise überwunden? Und ist das lettische Modell ein Vorbild für die anderen Krisenstaaten in Europa?

Zu diesen Fragen nahm der lettische Premierminister Dr. Valdis Dombrovskis am Mittwoch (30. Oktober) in der Alten Reithalle in Stuttgart Stellung. Im Rahmen des Stiftungsvortrags diskutierte Dombrovskis mit dem Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, Jörg Asmussen. Moderiert wurde das Gespräch von Rolf Benders, der als Journalist für das Handelsblatt die EZB beobachtet.

Dombrovskis, der im März 2009, auf dem Höhepunkt der Krise, ins Amt kam, berichtete, dass seine Regierung sofort drastische Reformen eingeleitet hat. Unter anderem wurden die Gehälter im öffentlichen Dienst um durchschnittlich 25 Prozent gesenkt. Durch die Reformen habe das Land schnell seine finanzielle Stabilität zurück gewonnen. Investoren und Konsumenten fassten wieder Vertrauen. Das sei die Basis gewesen für neues Wachstum in Lettland.

Dombrovskis warnte davor, notwendige Reformen zu verzögern. Griechenland habe aus Rücksicht auf die schwache Wirtschaft seine Sparmassnahmen nur nach und nach umgesetzt. So entstehe keine finanzielle Stabilität und Griechenland stecke immer noch in der Rezession.

Jörg Asmussen begrüßte die Entscheidung Lettlands, der Eurozone beizutreten. Die Rezepte, mit denen das Land aus der Krise herausgefunden habe, seien nicht einfach übertragbar, so betonte er. Lettland sei jedoch ein Beispiel dafür, dass eine wirtschaftliche Erholung innerhalb der Gemeinschaftswährung möglich sei.

Bildergalerie

Fotos: Horst Rudel
Prof. Dr. Joachim Rogall, Geschäftsführer der Robert Bosch Stiftung, begrüßte die Gäste zum Stiftungsvortrag in der Alten Reithalle in Stuttgart am 30.10.2013. Thema des Abends: "Quo vadis Eurozone? Beweggründe eines zukünftigen Mitglieds und Perspektive der EZB."
Von links nach rechts: Franz Fehrenbach, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Robert Bosch GmbH, Jörg Amussen, Mitglied des Direktoriums der EZB, Prof. Dr.-Ing. Hermann Scholl, Ehrenvorsitzender der Bosch Gruppe, Dr. Valdis Dombrovskis, Ministerpräsident der Republik Lettland, Dr. Kurt W. Liedtke, Vorsitzender des Kuratoriums der Robert Bosch Stiftung.
Warum Lettland ab 1. Januar 2014 Mitglied der europäischen Währungsunion wird, erklärte der lettische Ministerpräsident Dr. Valdis Dombrovskis beim Stiftungsvortrag.
Moderiert wurde das Gespräch zur Zukunft der Eurozone von Rolf Benders, Handelsblatt-Journalist und EZB-Beobachter.
Lettland zeige, dass eine wirtschaftliche Erholung innerhalb der Gemeinschaftswährung möglich sei, so Jörg Asmussen, Mitglied des Direktoriums der EZB.
In der Vortragsreihe "In Verantwortung für die Zukunft" geben Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus dem In- und Ausland Impulse für die verantwortungsvolle Gestaltung unserer Zukunft.
Dombrovskis warnt davor, notwendige Reformen zu verzögern.
Asmussen, Fehrenbach und Liedtke im Gespräch beim Stiftungsvortrag der Robert Bosch Stiftung.

Audio-Mitschnitt

Jörg Asmussen, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank
Dr. Valdis Dombrovskis, Premierminister der Republik Lettland