Fachtagung "Politische Bildung in den neuen Medien"
Jugend und Demokratie

Fachtagung "Politische Bildung in den neuen Medien"

Welche Chancen und Herausforderungen bieten die neuen Medien für die politische Bildung? Und wie muss politische Bildung aufgestellt sein, um im Netz zu bestehen? Diesen Fragen widmete sich die Fachtagung "Politische Bildung in den neuen Medien" des Schwerpunkts Jugend und Demokratie am 3. Dezember 2013 in Berlin.

Rund 140 Teilnehmende - Experten und Führungskräfte aus Unternehmen und öffentlichen Institutionen, Praktiker, YouTuber und Blogger - fanden sich in der Berliner Repräsentanz der Robert Bosch Stiftung ein und diskutierten, ob Smartphone, Computer, YouTube und Facebook politische Bildung zielgerecht transportieren können. Dass digitale Medien tatsächlich einen festen Platz im Leben junger Menschen haben, legte Professor Peter Vorderer in seinem Impulsvortrag dar: Jugendliche seien "permanently online - permanently connected"; Massenkommunikation und interpersonale Kommunikation verschmelzen, Unterhaltungsorientierung nehme zu. Potentiale für die politische Bildung sah Vorderer z. B. in interaktiven Formaten wie Apps oder im fiktionalen Bereich.

Wie sich politische Bildung im Web 2.0 noch besser auf ihre Zielgruppen einstellen kann, zeigte Professorin Anja Besand: Ausgehend von ihrer Evaluation des Projekts DU HAST DIE MACHT reflektierte sie die teils überzogene Erwartungshaltung an politische Bildung in den neuen Medien: Nicht "der Zuckerguss über klassische Formate" schaffe den Zugang zur Zielgruppe - die Angebote selbst müssen sich ändern. Die Evaluationsergebnisse und Projekterfahrungen sind in einer Fallstudie gebündelt. Sie finden sie zusammen mit den anderen Vorträgen unserer Experten in unserer Web-Tagungsdokumentation - hier auf dieser Seite.

In den Workshoprunden am Nachmittag nutzten die Teilnehmende die Gelegenheit, von Experten und "Best Practice"-Beispielen zu lernen, über Erfahrungen aus ihrem Arbeitsumfeld zu berichten sowie Netzwerke zu knüpfen. Themen wie "Games and Gamification", "Bewegtbild mit Bildungsanspruch", "Partizipation im Web 2.0" und "Revolutioniert Social Media die Poltische Bildung?" standen dabei im Mittelpunkt.

"Authentisch sein und selber machen" war schließlich das Fazit der drei YouTuber dailyknoedel, Marie Meimberg und Thilo Jung. Sie alle sind mit eigenen Kanälen im Netz unterwegs und präsentieren sich darin durchaus auch politisch. Wir freuen uns, dass unsere Fachtagung solch positive Resonanz gefunden hat. Bei näherem Interesse an unserer Arbeit nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Die Dokumentation:

Audio

Ausschnitt aus der Key Note "Digitale Medien in der politischen Bildung" von Prof. Dr. Anja Besand:

Bildergalerie

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Kontakt in der Stiftung

Stephanie Gläser
Telefon 0711 460 84-973

Das Programm der Fachtagung:
Impulsvortrag – Jugendliche Mediennutzung heute:
„Permanently online – permanently connected“

Das Impulsreferat beleuchtet die aktuell nicht nur in Deutschland dominante Form der jugendlichen Mediennutzung. Sie ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie fast immer und fast überall stattfindet. Dabei geht es gar nicht mehr in erster Linie um die Rezeption bestimmter Medieninhalte, sondern schlicht darum, so oft wie möglich mit anderen Jugendlichen in Kontakt zu sein und sich auszutauschen.

Für dieses Verhalten identifiziert der Vortrag psychologische, soziale und medienbezogene Gründe und Ursachen.
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Prof. Dr. Peter Vorderer

studierte Psychologie und Soziologie in Heidelberg, Mannheim, New York und Ann Arbor. Nach seiner Promotion an der TU Berlin, die bereits seine späteren Schwerpunkte, die Medienpsychologie und die Unterhaltungsforschung, betraf, lehrte er an unterschiedlichen Universitäten im In- und Ausland. Heute ist er Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Mannheim. Seit einigen Jahren sind die neuen Medien ein weiterer Schwerpunkt seiner Lehr- und Forschungstätigkeit.
Key Note: „Digitale Medien in der politischen Bildung“

Mit Angeboten zur politischen Bildung erreichen wir oft nur diejenigen Menschen, die – ob jung oder alt – sich sowieso schon für Politik interessieren. Wenn wir tatsächlich Zugang zu neuen Zielgruppen finden wollen, dann kommen wir auch in der politischen Bildung nicht an der Nutzung digitaler Medien vorbei. Aber digitale Medien haben ihre eigenen Logiken und Produktions- und Distributionsbedingungen.

In meinem Vortrag möchte ich mich mit der Frage beschäftigen, mit welchen Erwartungen wir uns in diesem Bildungsbereich digitalen Medien zuwenden und wie sich diese Erwartungen in der Praxis verhalten.
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Prof. Dr. Anja Besand

hat ursprünglich eine Lehramtskarriere an der Schule verfolgt, aber auch parallel zu diesem Studium einen Magister in Kunstpädagogik, Politikwissenschaft und Didaktik der Gesellschaftswissenschaften erworben. Nach ihrer Promotion war sie Juniorprofessorin am Institut für Sozialwissenschaften der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Heute ist sie Professorin für „Didaktik der politischen Bildung“ am Institut für Politikwissenschaft der Technischen Universität Dresden. In dieser Funktion hat sie auch die Arbeit des Projekts „Du hast die Macht“ wissenschaftlich begleitet und evaluiert.
Workshop A: Games und Gamification

Viele Jugendliche, die sich für Schule und Politik nur mäßig oder gar nicht begeistern können, nutzen Computerspiele zu Hause oder auf mobilen Geräten mit großer Begeisterung. Mit Konzepten wie „serious games“ oder „gamification“ wird versucht, aus dieser Spielmotivation einen Nutzen für Bildungszwecke zu erzielen. Verschiedene Lern-Games und -Apps speziell zu politischen Themen sind im Umlauf, konkurrieren aber mit 'reinen Unterhaltungs'-Titeln um die Gunst des jungen und wählerischen Publikums.

Im Workshop wollen wir die Chancen und Herausforderungen 'gamifizierter' politischer Bildung diskutieren und anhand konkreter Beispiele Ideen entwickeln, wie politische Bildung auch und gerade mit einer schwierigen Klientel und in der Fläche von Games, Apps & Co. profitieren könnte.
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Arne Busse

ist so vielseitig interessiert, dass er sich während seiner Studienzeit schwer für ein oder zwei Fächer entscheiden konnte. Aber es gelang ihm, Theaterwissenschaft, Germanistik, Nordamerikastudien sowie Kunst- und Kulturwissenschaften unter einen Hut zu bringen und einen M.A. zu erwerben. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet er für die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb. Als wissenschaftlicher Referent im Fachbereich Zielgruppenspezifische Angebote ist er u.a. verantwortlich für spielbar.de, die Plattform der bpb zum Thema Computerspiele, und computerspiel-basierte Lernangebote.
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Prof. Dr. Christoph Klimmt

studierte Medienmanagement am „Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung (IJK)“ der Hochschule für Musik, Theater und Medien, Hannover. Nach Jahren der Lehrtätigkeit an verschiedenen Hochschulen/Universitäten, Promotion und Junior-Professur ist er seit 2010 Professor für Kommunikationswissenschaft am IJK mit den Schwerpunkten Medienrezeption und Medienwirkungen sowie neue Medien- und Kommunikationstechnologien. Die Nutzung und Wirkung von Computerspielen und Neuesten Medien gehören dabei zu seinen Hauptarbeitsgebieten.
Workshop B: Bewegtbild mit Bildungsanspruch

Es ist eine Binsenweisheit seit der Antike, dass das Politikinteresse der Bürger für eine Demokratie vitale Notwendigkeit ist. Etwa zwei Drittel der Jugendlichen nutzen täglich, mehr als 80 % mehrfach pro Woche die Bewegtbildmedien TV und/oder das Internet. Durch kein anderes Medium lassen sich Jugendliche so gut und so zahlreich erreichen wie durch Bewegtbilder. Keine andere Form eignet sich für Information über Politik und das Politische so gut wie das Bewegtbild. Alle Beteiligten, von der Bundeszentrale für politische Bildung über die Parteien und Stiftungen bis hin zu beiden Lagern unseres dualen Rundfunksystems, sind sich ihrer Verantwortung bewusst und versuchen mit ihren spezifischen Mitteln, jugendliche Zuschauer über das, was Politik ist, zu informieren.

Welche Strategien verwenden sie? Welchen Erfolg haben sie? Was könnten sie besser machen? Und was lernen Jugendliche aus solchen Formaten, die eigentlich gar nichts mit Politik zu tun haben? Diese und manche andere Fragen wollen wir in dem Workshop zu Bewegtbild behandeln.
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Rainer Hassenewert

hat an der Freien Universität Berlin u. a. Kommunikationswissenschaften studiert und danach Berufserfahrung bei der Berliner Zimmer Design-Agentur, bei Panorama Werbung+Kommunikation und bei Grundy UFA TV Produktion gesammelt. Heute ist er Leiter der Medienforschung bei der UFA GmbH.
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Prof. Dr. habil. Claudia Wegener

hat in Bielefeld Erziehungswissenschaften/Medienpädagogik und Psychologie studiert und über die Entwicklung politischer Fernsehmagazine promoviert. Ihre Habilitation beschäftigte sich mit „Medienaneignung und Identität“. Heute ist sie Professorin und Leiterin des Studiengangs „Digitale Medienkultur“ an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Medienkultur, Kommunikationstheorie sowie Mediensozialisation und Kinder- und Jugendmedienkultur.
Workshop C: Partizipation im Web 2.0 

Die Frage politischer Partizipation von Jugendlichen mit Hilfe digitaler Medien ist endlich im Mainstream der politischen Bildung angekommen: Blogs, Twitterwalls, Wikis und Etherpads sind als Begriffe einer modernen, partizipativen Bildungskultur nicht mehr wegzudenken.

Der digitale Alltag vieler Jugendlicher findet heute allerdings primär auf den sozialen Plattformen YouTube und Facebook statt. Wie kommt Partizipation hier vor und was ist überhaupt als Partizipation zu werten? Ist ein „Like“ eine Meinungsäußerung und ein „Share“ eine Willensbekundung? Wie beschreiben Jugendliche selbst E-Partizipation? Und worauf müssen politische Bildner achten, wenn sie partizipative Angebote auf Social Media erfolgreich gestalten möchten?

Ausgehend von den Erfahrungen des Projekts DU HAST DIE MACHT möchten wir diese Fragen zwischen Theorie und Praxis im angebotenen Workshop diskutieren.
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Anna Mauersberger

hat politische Wissenschaften in Grenoble und Lille, Frankreich, sowie in Bayreuth studiert. Sie ist Projektleiterin der Initiative „Du hast die Macht“ (DHDM), die Jugendliche im Internet und auf der Straße für Politik interessieren will. Mit ihrem Team im Berliner UFA Lab erarbeitet sie kreative Formate der politischen Bildung. Ihr schrägstes Erlebnis bei DHDM: Videodrehs mit Politikern und Promis, die beim Jugendpolitik-Event „Zugehört“ als (Verbal-)Boxer in den Ring gestiegen sind.
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Peter Lange und Peter Birkenhauer

sind beide Projektmitarbeiter am Lehrstuhl für „Didaktik der politischen Bildung“ am Institut für politische Wissenschaften der Technischen Universität Dresden. Sie arbeiten eng mit Prof. Dr. Anja Besand zusammen und waren an der Evaluation des Projekts „Du hast die Macht“ beteiligt.
Workshop D: Revolutioniert Social Media die politische Bildung?

Politik ist uncool und politische Bildung noch viel mehr. Oder? Welche Strategien gibt es, politische Bildung mit den Interessen der Jugendlichen zu versöhnen? Wo verläuft die Grenze zwischen politischer Bildung und politischem Aktivismus? Zwingt uns Social Media dazu, diese Grenzziehung zu überdenken?

Das Versprechen von Social Media klingt verlockend für die politische Bildung: Jeder kann seine Meinung äußern, jeder kann sich einmischen. Bringt Social Media also Partizipation und Empowerment für alle, auch für die weniger Privilegierten?

Diesen Fragen möchten wir im Workshop gemeinsam nachgehen und diskutieren, wie groß die Revolutionskraft von Social Media tatsächlich für die politische Bildung ist.
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Sebastian Jabbusch

macht – wie er selbst sagt – „was mit Social Media" und nennt sich „freiberuflicher Gesellschaftskritiker“. Er studierte Politikwissenschaften an der Universität Greifswald. Deutschlandweite Aufmerksamkeit erreichte er mit seinem Engagement gegen den rassistischen Namenspatron seiner Universität, sowie mit dem Satire Projekt „Front Deutscher Äpfel“. Seine Magisterarbeit verfasste er zum Thema „Liquid Democracy in der Piratenpartei“. Seit April 2013 arbeitet er als Social Media Manager für das Projekt "Du hast die Macht".
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Jöran Muuß-Merholz

ist Diplom-Pädagoge und sieht sich als Bildungsberater. Er betreibt seit Anfang 2009 die Agentur J&K (Jöran und Konsorten), Hamburg. Jöran Muuß-Merholz hatte die Möglichkeit, aus einem seiner Projekte die Hälfte seines Teams „mitzunehmen” und gründete eine kleine Agentur. J&K sind Spezialisten für Bildung/Lernen, Kommunikation/(digitale) Medien und Organisation/Management. Im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung und des DGB Bildungswerks koordiniert er die redaktionelle Arbeit der Website www.pb21.de, die sich mit den Einsatzmöglichkeiten von Web 2.0 für die Bildungsarbeit beschäftigt.
Talkrunde: „Wie viel Politik passt in einen YouTube-Clip?“

Welchen Anspruch haben junge YouTuber an ihre Arbeit und wie wählen sie ihre Themen? Welchen Regeln gehorcht YouTube und was kommt bei den Nutzern an? Wie agiert man in einer Welt, in der Klickzahlen die Währung sind und eine leere Kommentarspalte das vielleicht härteste Urteil?

Moderatorin Alexandra Tapprogge spricht mit der schreibenden, singenden, sprechenden, vielfältig aktiven Marie Meimberg und dem 2013 frisch gewählten YouTube-Kanzler „dailyknoedel“ über ihre Aktivitäten im Netz.

„Webvideo ist ziemlich schnell, da muss alle 20 Sekunden ein Gag kommen und alle zehn Sekunden ein Schnitt. Politik hat aber mit komplizierten Sachverhalten zu tun.“
(dailyknoedel)

„es gibt jetzt so ein youtube-channel-ding. wo ich dinge tue, von denen ich selbst noch nichts weiß.“
(Marie Meimberg)
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Marie Meimberg und dailyknoedel

sind Unternehmer und Blogger bzw. YouTuber. Marie Meimberg ist Absolventin des Studiengangs Communication and Cultural Management an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen. Beruflich ist sie vielseitig unterwegs und möchte sich „nein danke, nicht festlegen“. Ob singen, schreiben, sprechen, kochen, nähen oder den eigenen YouTube-Channel bespielen – sie hat studiert, gelernt, geprobt und geübt. „und ich denk mir was dabei. zumindest manchmal. und ja, ich hab oft darüber nachgedacht, mich auf eine sache zu konzentrieren. aber noch hat mich dieser gedanke nicht überzeugt. es ist einfach aufregender so.“

Dailyknoedel wurde in einem Format der Initiative „Du hast die Macht“ zum YouTube-Kanzler 2013 gewählt. Er steht für intelligente Unterhaltung und gewagte Thesen, die er auch seinen Gesprächspartnern entlockt. Auf seinem Kanal erwarten die Besucher V-Logs und Parodien, mal anspruchsvoll, manchmal auch einfach nur lustig. In diesem Jahr gewann der 17-Jährige den Deutschen Webvideopreis in der Kategorie „Newbie“.