Das Lektorenprogramm in Asien

Mit dem Sonderzug von Kreisau nach Stuttgart: Das Lektorenprogramm feiert 20-jähriges Jubiläum

Bildergalerie

Fotos: Jan Zappner
Die Line Dance Gruppe im Partywagon des Sonderzugs
Länderexpress Georgien
Oliver Radtke, Ulrich Bopp und Carsten Vogel
Länderexpress Serbien
Podiumsdiskussion in Berlin
Abfahrt in Berlin
Zugdurchsage
Chinesisch-Sprachkurs
Ehemalige China-Lektorin
Frühstück im Speisewagen
In Stuttgart angekommen
Bankett mit "ausgesuchten Kulturhappen" in den Stuttgarter Wagenhallen
Bericht

Zum Jubiläumstreffen im polnischen Kreisau kamen sie per Flugzeug aus Brüssel, im Auto aus Prag und natürlich im Zug aus der Slowakei und Oberfranken: Über 200 ehemalige Lektoren feierten vom 19.-21. September gemeinsam das 20-jährige Bestehen eines der ältesten Sprachprogramme der Robert Bosch Stiftung. In einem historischen Sonderzug der ehemaligen DDR-Staatsbahn fuhren sie in zwei Tagen von Kreisau in Niederschlesien nach Berlin und von dort weiter nach Stuttgart.

Schließlich ist der Zug das zentrale Fortbewegungsmittel im "Lektorenprogramm nach Osteuropa und China". Zumindest war er das über viele Jahre, in denen die Lektoren den Auftrag hatten, vorwiegend an Hochschulen in Osteuropa Deutsch zu unterrichten und den Studenten ein aktuelles Deutschlandbild zu vermitteln. Mit der Osterweiterung der Europäischen Union ist auch das Programm weiter nach Osten gewandert. Lektoren arbeiten heute nicht mehr in Ungarn oder Tschechien, sondern lehren Deutsch und andere Fächer für ein bis zwei Jahre an Universitäten in China, in Usbekistan, Kirgisistan oder Georgien - der Zug als Fortbewegungsmittel ist dabei in den Hintergrund gerückt.

"Und wo warst Du?"

Der ideale Ort für ein Wiedersehen bekannter Gesichter und Kennenlernen von Lektoren war der Zug in jedem Fall - und auf den jeweils zehnstündigen Fahrten von Kreisau nach Berlin und weiter nach Stuttgart blieb ausreichend Zeit dafür. Die Einstiegsfrage in ein Gespräch lautete fast immer: "Und wo warst Du?", um wenig später mitten in einem Expertengespräch über unberechenbare Grenzkontrollen, herrliches Essen und fremde Hochschulsysteme zu stecken. Im Gesellschaftswagon gab es Schienenmusik, im Partywagon Line Dance oder Tango-Stunden und im Speisewagen russische Suppe. Lektoren stellten in "Länderexpress" genannten Präsentationen ihre knapp 30 Einsatzländer vor, gaben Schnuppersprachkurse in Chinesisch oder Russisch, rätselten im Nostalgiequiz und hielten Vorträge über die belarussische Kunstszene oder das deutsch-polnische Grenzland.

Den Auftakt des Jubiläums machte ein Workshop-Tag in der Begegnungs- und Gedenkstätte Kreisau. Biografisches Schreiben über die Lektoratszeit stand ebenso auf dem Programm wie berufliches Netzwerken und ein Crashkurs im Projektmanagement oder im "Querdenken". Die Lektoren diskutierten über die politische Situation in Ungarn und ließen sich in einer literarischen Führung das Gut Kreisau und seine früheren Besitzer, die Familie Moltke, näherbringen.

Auf dem Zwischenstopp des Jubiläumszugs in Berlin sprachen ehemalige Lektoren auf einer Podiumsdiskussion in der Hauptstadtrepräsentanz der Stiftung über den Nutzen und Nachteil internationaler Bildungskooperationen. Ausgiebig gefeiert wurde zum Abschluss bei einem Bankett mit "ausgesuchten Kulturhappen" in den Stuttgarter Wagenhallen.

(Julia Rommel , Oktober 2013)