Gespräch im Park

Wie wollen wir zusammenleben?
Herausforderungen für die Stadt der Zukunft

Stadtplaner und Architekt Professor Albert Speer zu Gast in der Robert Bosch Stiftung

Stuttgart, 4. September 2013 - Schon heute lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Wie werden wir Menschen in Zukunft zusammenleben? Wie kann man Mobilität, Energieversorgung und Wohnen organisieren, damit sie den Bedürfnissen der Menschen gerecht werden – gerade in den boomenden Mega-Cities? Wie verändern Internet und Smartphones unsere Städte der Zukunft? Kaum jemand muss sich diesen Fragen so stellen wie Architekten und Stadtplaner. Sie gestalten ganz wesentlich die Lebensbedingungen der kommenden Generationen.

Seit fast 50 Jahren arbeitet Professor Albert Speer kontinuierlich an der städtebaulichen Planung und Entwicklung von Regionen und Metropolen. Als Gründer und Leiter des international tätigen Architektur- und Planungsbüros AS&P mit Standorten in Frankfurt und Shanghai gestaltet er die Lebensräume vieler Menschen weltweit. In Deutschland machte der gebürtige Berliner Albert Speer insbesondere mit den Planungen für die EXPO 2000 in Hannover sowie für das Frankfurter Europaviertel auf sich aufmerksam. Hinzu kommen große Projekte im Ausland wie z. B. der Masterplan für den Ausbau der ägyptischen Stadt Alexandria und das erfolgreiche Bewerbungskonzept zur FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar. Aktuell plant Speers Büro eine 120 Quadratkilometer große Stadt mit 300.000 Einwohnern und großen Automobilfabriken nahe der chinesischen Industriemetropole Changchun.

Albert Speer ging bei seinem Vortrag in der Reihe „Gespräch im Park“ der Frage nach, wie Menschen in Zukunft zusammenleben wollen und welche Herausforderungen damit für Architekten und Stadtplaner verbunden sind. Speers Ausführungen konzentrierten sich vor allem auf zwei Themen: Die zunehmende Bedeutung von urbaner Kultur sowie das Scheitern von baulichen Großprojekten. Speers These ist, dass Architektur weltweit austauschbar und beliebig wird. Die Gründe für eine solche Entwicklung sieht er hauptsächlich in einer Art „Mainstream“ der Bauwerke, den er in den Metropolen der Welt beobachte. In dem Maße, wie Architektur im globalen Städtebau an Bedeutung verliere, nehme der Einfluss von Stadtkultur und Stadtgesellschaft zu. Nur sie könnten der Stadt einen einmaligen und profilgebenden Charakter geben, so Speer. Die Aufgabe der Stadtplaner sei es daher, dies zu unterstützen und zu fördern.

Dass Großprojekte wie beispielsweise der Flughafen Berlin-Brandenburg insbesondere in Deutschland, aber auch in anderen Ländern Europas oft viel zu langsam umgesetzt würden, problematisierte Speer im zweiten Teil seines Vortrages. Fehler bei baulichen Großprojekten entstünden weniger in der Umsetzungs- als in der Planungsphase: Hier werde oft zu wenig Zeit und Geld investiert, aber auch zu wenig Innovation und Mut gezeigt. Speer plädierte zudem dafür, alle gesellschaftlichen Akteure und interdisziplinären Fachbereiche frühzeitig einzubinden, um Großprojekte wie Weltmeisterschaften, Stadionbauten oder den Aufbau ganzer Stadtteile ohne größere Verzögerungen umzusetzen.

Bildergalerie

Fotos: Robert Thiele
Prof. Albert Speer, geboren im Jahr 1934 in Berlin, ist einer der renommiertesten deutschen Stadtplaner und Architekten.
Prof. Albert Speer zwischen den beiden Gastgebern des Abends: Franz Fehrenbach, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Robert Bosch GmbH, und Dr. Kurt W. Liedtke, Vorsitzender des Kuratoriums der Robert Bosch Stiftung.
Prof. Albert Speer im Gespräch mit Matthias Hahn, Baubürgermeister der Stadt Stuttgart, und Dr. Brigitte Dahlbender, baden-württembergische Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).
Thema des Abends war die Frage, wie wir zukünftig zusammenleben wollen und welche Herausforderungen sich für die Städte der Zukunft ergeben. Rechts im Bild: Dr. Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung.
Claudia Diem, Mitglied des Vorstands der Baden-Württembergischen Bank, und Ulrich Dietz, Vorstandvorsitzender der GFT Technologies AG.
Die Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur.
v.l.n.r.: Dr. Ingrid Hamm, Prof. Albert Speer, Claudia Diem, Dr. Axel Sigle, Partner der Kanzlei CMS Hasche Sigle, und Helga Solinger, ehemalige Sozialministerin von Baden-Württemberg und Mitglied des Kuratoriums der Robert Bosch Stiftung.
Dr. Ingrid Hamm im Gespräch mit Prof. Albert Speer und Siegmar Mosdorf, Parlamentarischer Staatssekretär a.D.
Franz Fehrenbach begrüßt die Gäste zum „Gespräch im Park“ mit Prof. Albert Speer.
Franz Fehrenbach, Prof. Albert Speer und Dr. Kurt W. Liedtke.
Prof. Albert Speer gründete sein eigenes Büro bereits 1964, welches bis heute seinen Sitz in Frankfurt am Main hat.
v.l.n.r.: Dr. Alexander Erdland, Vorsitzender des Vorstands Wüstenrot & Württembergische AG, Gaby und Franz Fehrenbach, Prof. Albert Speer, Dr. Kurt W. Liedtke und Dr. Ingrid Hamm.
Im Hintergrund: Dr. Rolf Bulander, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH, und Eva Strobel, Leiterin der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit.

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