Grenzgänger

Jörg Plath

Jörg Plath, geboren 1960, studierte nach einer Ausbildung zum Buchhändler Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Geschichte und Politik in Freiburg, Wien und Berlin. 1993 promovierte er über Franz Hessel, war freier Lektor, Ghostwriter, Literaturredakteur und arbeitet heute als Literaturkritiker und Journalist für überregionale Medien wie die „Neue Zürcher Zeitung“, „Deutschlandradio Kultur“ und „Deutschlandfunk“. Jörg Plath lebt in Berlin und ist Mitglied mehrerer Jurys (Brücke-Berlin-Preis, Deutscher Buchpreis 2013).
Widerstand ist ein zuverlässiger Maßstab zur Beurteilung der Wahrheit.
Die Wiederentdeckung des „jugoslawischen Goethe“ – Miroslav Krleža.

Im Lexikographischen Institut am Zagreber Marschall-Tito-Platz hat der 1982 gestorbene Übervater der kroatischen Literatur noch immer ein Zimmer. „Miroslav Krleža, Gründer“ steht auf dem Türschild. Mit dem Segen Titos gründete Krleža das Institut, wurde sein erster Direktor und gab die „Jugoslawische Enzyklopädie“ heraus, um die Identität der Südslawen zu stärken. Krleža war ein einflussreicher homo politicus und ein Schriftsteller europäischen Formats. „Der kroatische Gott Mars“ (Erzählungen, 1922), „Die Rückkehr des Filip Latinovicz“ (Roman, 1932) und „Ohne mich“ (Roman, 1938) zeigen ihn als großen Modernen neben Proust, Mann und Musil. Bei den Partisanen wäre Krležas Leben wegen seines unmissverständlichen Eintretens gegen Stalins sozialistischen Realismus und für die Freiheit der Kunst nicht sicher gewesen. Er überlebte im faschistischen Zagreb. Heute erkennen fast alle im unabhängigen Kroatien seine Größe an, ringen aber mit seinen dezidiert linken und jugoslawischen Positionen. Ein großer, widersprüchlicher Autor des 20. Jahrhunderts ist wiederzuentdecken.

Deutschlandradio Kultur
Regie: Friederike Wigger
Länge: 53:00
Redaktion: Barbara Wahlster
Erstausstrahlung: 30.06.2013, 00:05 bis 01:00 Uhr
„Eine gute Woche, vom 13.02. bis zum 20.02.2013, habe ich in Zagreb und der näheren Umgebung recherchiert. Dank meiner Dolmetscherin, der literarischen Übersetzerin und Lektorin Nataša Medved, die in der kulturellen Szene der Hauptstadt offenbar die weitaus meisten kennt, habe ich einige ungeplante Gespräche führen können – zusätzlich zu denen, die ich vorweg mit Hilfe der in Deutschland lebenden kroatischen Übersetzerin, Autorin und Kuratorin Alida Bremer organisieren konnte.“