Robert Bosch Juniorprofessur Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen

Dr. Thomas Müller

Den Gazellen auf der Spur

Etwa eine Million Gazellen leben in den Steppen der östlichen Mongolei. Auf ihren Wanderungen durch die Steppe legen sie innerhalb eines Jahres über 1000 Kilometer zurück. Dabei übernehmen die Gazellen wichtige Funktionen für das Ökosystem, indem sie zur Ausbreitung von Pflanzensamen und dem Austausch von genetischem Material beitragen und die Nährstoffkreisläufe in der Steppe aufrechterhalten.

Derzeit erlebt die rohstoffreiche Mongolei ein starkes Wirtschaftswachstum. Eine wachsende Infrastruktur durchzieht die Steppen des Landes; Bohr- und Fördertürme, Straßen und Eisenbahnen durchschneiden den Lebensraum der Gazellen. Bisher ist unklar, welche Auswirkungen das auf die Gazellenwanderungen hat, denn noch weiß man zu wenig darüber, nach welchem Muster die Gazellen in bestimmten Gebieten wandern.

Dr. Thomas Müller, Robert Bosch Juniorprofessor 2013, will ihre Spur verfolgen. „Wir können bei den mongolischen Gazellen keine traditionelle Tiermigration feststellen. Das heißt, sie haben keine Sommer- und Wintergebiete. Stattdessen wandern sie kreuz und quer durch die Steppen“, sagt der Biologe. „Das macht es schwer, klare Schutzgebiete für die Tiere zu definieren. Wir müssen also versuchen, die Landschaft insgesamt für die Tiere offen zuhalten.“

Der Juniorprofessor will einen Weg finden, wie sich die Bedürfnisse der Tiere und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes vereinbaren lassen. An der Goethe-Universität, dem Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) Frankfurt und bei der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt am Main leitet er eine der ersten Arbeitsgruppen in Deutschland, die sich mit der jungen Forschungsdisziplin „Movement Ecology“ - der Bewegungsökologie von Tieren - beschäftigt.

Er wird zunächst untersuchen, wie sich die Tiere in der Region bewegen. Anhand der Erkenntnisse sollen dann Computermodelle entwickelt werden, um Tiermigrationen zu berechnen und Pläne großer Infrastrukturprojekte anzupassen. Die Robert Bosch Stiftung fördert diesen Vorhaben mit insgesamt einer Million Euro.

Bildergalerie

Foto: Max Lautenschläger
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Foto: Thomas Müller
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Foto: Thomas Müller
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Kurzportrait

Der Robert Bosch Juniorprofessor 2013, Dr. Thomas Müller, studierte an der Philipps-Universität Marburg Biologie und promovierte anschließend an der University of Maryland in den USA. Danach arbeitete er in Frankfurt und in Maryland als PostDoc und ist außerdem wissenschaftlicher Mitarbeiter am Smithsonian Conservation Biology Institute, USA. Für die Robert Bosch Juniorprofessur kehrt er nach über zehn Jahren im Ausland wieder nach Deutschland zurück.

Im Rahmen seines Forschungsprojekts will Herr Dr. Müller mit seiner Arbeitsgruppe neue Ansätze identifizieren, um fortschreitende wirtschaftliche Entwicklungen besser mit dem Erhalt von Biodiversität und Ökosystemfunktionen zu vereinbaren. Von besonderem Interesse sind hierbei Tierbewegungen, die oft durch zunehmend fragmentierte Landschaften gefährdet sind. Als Beispiel dienen ihm hierfür Fernwanderungen von Gazellen in den östlichen Steppen der Mongolei.