Von schlauen Kerlen und Remmidemmi-Omas

Journalisten für Berichterstattung über bürgerschaftliches Engagement ausgezeichnet

Zum Internationalen Tag der Freiwilligen zeichnete die Robert Bosch Stiftung Journalisten aus, die in herausragender Qualität über bürgerschaftliches Engagement berichteten und damit dem Thema zu einer angemessenen Öffentlichkeit verhelfen. Bei der achten Ausschreibung des Journalistenpreises Bürgerschaftliches Engagement und des Marion-Dönhoff-Förderpreises wurden 120 Beiträge eingereicht.

Mit dem ersten Preis wurde Hedwig Gafga für ihren Artikel "Schlaue Kerle, das sind sie beide" aus dem evangelischen Magazin chrismon belohnt. In ihrer Reportage stellt sie dem Leser einen 17jährigen Hauptschüler aus dem Iran vor und einen Antiquar, früherer Kanzler einer Universität, die im Rahmen einer Mentoren-Initiative miteinander lesen. "Die Geschichte ist still und leise", hebt Tim Schleider, Jurymitglied und Laudator, hervor. "Sie bezeugt aber gerade so, dass es zu den großen Abenteuern in Deutschland zählen kann, wenn ein junger persischer Mann plötzlich beschließt, nicht Fußballprofi, sondern Zahntechniker werden zu wollen."

Michael Netzhammer erhält den 2. Preis für seinen Artikel "Ein herzliches Haus", "Trautes Heim, Glück vereint" oder "Oma Hubbuch mag am liebsten Remmidemmi", denn er wurde gleich vom Rheinischen Merkur, der Badischen Zeitung und der Stuttgarter Zeitung abgedruckt. Wir erfahren darin, wie sich Mitbewohner um eine 93jährige Frau kümmern, ihr das Pflegeheim ersparen und was sie selbst davon haben.

Für ihre Themenseite "Engagiert gegen dumpfe Parolen" (Spiesser – die Jugendzeitschrift) erhielten die 19jährige Antonie Rietzschel und Peter Stawowy den dritten Preis. Sie berichten von vier Jugendlichen, die ursprünglich nur eine Demonstration gegen Rechtsextremismus veranstalten wollten und inzwischen den Verein "Aktion Zivilcourage" in Pirna aufgebaut haben.

Der Sonderpreis für Serien wurde in diesem Jahr geteilt. Er geht an Camilla Härtewig und Rena Lehmann für ihr Volontärsprojekt "Jetzt erst recht!" (Rhein-Zeitung/Oeffentlicher Anzeiger). Die zweite ausgezeichnete Serie "Eigentum verpflichtet – in München hat die Wohltätigkeit Tradition" erschien in der Süddeutschen Zeitung. Ein Redaktionsteam hat die Serie Stiftungen und Stiftern gewidmet.

Der 28jährige Daniel Boese freute sich über den Marion-Dönhoff-Förderpreis 2005 für Volontäre und Journalistenschüler. Die Reportage "Das Radio, das die Mark erschüttert" überzeugte die Jury durch Themenwahl und Sprachstil. Sie erschien in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und entstand während eines Praktikums im Rahmen seiner Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule München.

In seinem Festvortrag "Über das Lügen und Stehlen. Was darf der Journalist? Was will der Leser?" ging Professor Robert Leicht Fragen der Medienethik nach. "Ich wünschte mir aber, dass auch künftige Journalistengenerationen die Chance haben, ihre Aufklärungsarbeit am Gewicht der realen Probleme zu orientieren – und nicht etwa bloß an der Höhe der Quote oder am Zerstreuungswert ihrer Texte. Irgend jemand muss doch noch beides ernst nehmen – die Leser und die Sache," war sein Fazit.