Grenzgänger

Christian Schünemann und Jelena Volic:

Christian Schünemann, geboren in Bremen, studierte Slawistik in Münster, Berlin und Sankt Petersburg, arbeitete in Moskau und Bosnien-Herzegowina und absolvierte die Evangelische Journalistenschule in Berlin, wo er auch lebt. Er hat im Diogenes Verlag bereits vier Kriminalromane um den Münchner Frisör und Amateurdetektiv Tomas Prinz veröffentlicht.

Jelena Volić, geboren in Belgrad, studierte Allgemeine Literaturwissenschaft, Italianistik, Slawistik und Germanistik in Belgrad, Florenz, Groningen, Münster und Berlin. Zurzeit lehrt sie Neuere deutsche Literatur und Deutsche Kulturgeschichte in Belgrad und Kragujevac. Sie lebt in Belgrad und Berlin.

Das deutsch-serbische Autorenduo Christian Schünemann und Jelena Volić ist seit 25 Jahren befreundet. Kennengelernt haben sich die beiden in der Universität Münster im Russischkurs. Heute sehen sie sich regelmäßig in Berlin, wo er lebt und als Autor arbeitet und sie einen Zweitwohnsitz hat. Oder sie treffen sich in Belgrad, wo sie Neuere Deutsche Literatur lehrt. Schon immer wollten sie zusammen ein Buch schreiben. Hier der Auftakt zu der ersten in Belgrad angesiedelten deutschsprachigen Kriminalserie.
Kornblumenblau. Ein Fall für Milena Lukin

In der Nacht vom elften auf den zwölften Juli machen zwei Gardisten der serbischen Eliteeinheit ihren Routinerundgang auf dem Militärgelände von Topçider. Am nächsten Morgen werden sie tot aufgefunden. Sie seien einem unehrenhaften Selbstmordritual zum Opfer gefallen, behauptet das Militärgericht. Und stellt die Untersuchungen ein. Im Auftrag der Eltern der jungen Männer beginnt der Anwalt Sinisa Stojkovic zu ermitteln. Er bittet seine Freundin Milena Lukin, Spezialistin für internationales Strafrecht, um Unterstützung. Ihre Nachforschungen sind gewissen Kreisen ein Dorn im Auge, Milena Lukin gerät dabei in Lebensgefahr. Und es erhärtet sich ein fürchterlicher Verdacht: Die beiden Gardisten hatten vermutlich etwas gesehen, was sie nicht sehen durften. Hatte es mit dem Jahrestag des größten Massakers der europäischen Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg zu tun?

Roman
368 Seiten, Hardcover Leinen
Diogenes Verlag, März 2013
ISBN: 978-3-257-06833-7

Pressestimmen

"Mit „Kornblumenblau“ haben der Bremer Autor Christian Schünemann („Der Friseur“, 2006) und die in Belgrad und Berlin lebende Literaturwissenschaftlerin Jelena Voli
c den Auftakt für eine neue Krimireihe gemacht. Und er ist mehr als gelungen. Auch wenn der erste Fall der Rechtsexpertin Milena Lukin alles andere als leichte Kost ist – Nachschlag ist unbedingt erwünscht." dpa, focus online

"„Kornblumenblau“ ist ein spannender Krimi, eine Geschichte über menschliche Abgründe, aber auch eine witzige, wehmütige, liebevolle Hommage an Belgrad und seine Bewohner. "Belgrad ist die zweite Hauptfigur", sagt Volić. Wie Milena sich zwischen hupenden Autos und geschniegelten Diplomaten bewegt, zwischen historischen Gebäuden und Kriegsruinen, Neureichen und ums Überleben Kämpfenden, das ist so lebendig, dass man meint, eine Freundin zu begleiten." Susanna Nieder, Tageszeitung

Weitere Informationen

Bildergalerie

Foto: Christian Schünemann
Foto: Christian Schünemann
Foto: Christian Schünemann
Foto: Christian Schünemann
Foto: Christian Schünemann
Foto: Christian Schünemann
Foto: Christian Schünemann
Foto: Christian Schünemann
Foto: Christian Schünemann
Foto: Christian Schünemann
Foto: Christian Schünemann
Foto: Christian Schünemann
Die Recherche zum Roman „Kornblumenblau – Ein Fall für Milena Lukin“ fand 2010 in Belgrad, Serbien, statt. Zu diesem Zeitpunkt waren der Plot und die Charaktere in groben Zügen entwickelt: Zwei Soldaten sterben in einer Belgrader Kaserne, Milena Lukin nimmt die Ermittlungen auf. Nun galt es, die Geschichte mit Leben und Bildern zu füllen.

Ich mietete eine Wohnung in der Nähe des Tašmajdan Parks, stromerte kreuz und quer durch Belgrad, die belebte Innenstadt, ging auf Grünmärkte, in Hauseingänge und verlassene Hinterhöfe. Meine kleine Kamera hatte ich immer dabei, um Ansichten, Situationen und Details für die Schreibtischarbeit festzuhalten, zum Beispiel, die berühmte Konstantinopelschnitte im Café ›Kleiner Prinz‹ und die alten Damen auf den Bänken im Pionierpark. Die bunten Schirme der Marktstände von Zeleni Venac und die wilden Hunde in den Grünanlagen der Kirche des heiligen Sava. Die tausendfache Auswahl an Knöpfen im Kurzwarenladen an der Takovo-Straße und – schräg gegenüber – die Ruine des Staatlichen Serbischen Fernsehens, das 1999 durch die Nato-Raketen zerstört wurde. Die Bilder waren nützlich und von großem Wert für die Erinnerung und die Inspiration bei der Schreibtischarbeit, dem Erstellen von Charakterprofilen und Ortsbeschreibungen. Allabendlich wertete ich die Ergebnisse mit Jelena Volić, meiner Co-Autorin, aus, glich sie mit ihren Erfahrungen ab, ordnete sie der Geschichte zu und vervollständigte sie. Dann zog ich wieder los, erweiterte den Radius, traf Verabredungen, benutzte Bus und Fahrrad, fragte nach Wegen. Jede Begegnung, jedes Erlebnis war willkommen und nützlich. Auch jene Kontrolle auf der Fürst-Miloš-Straße, bei der ich von zwei Polizisten nach meinem Ausweis gefragt wurde. Ich hatte ihn nicht dabei. Dieser Umstand führte zu einer vorübergehenden Festnahme und einem mehrstündigen Aufenthalt mit anderen Kleinkriminellen in den Kellerräumen der Polizei. Aber was gibt es Besseres für die Recherche zu einem Kriminalroman?