Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung

Matthias Nawrat

Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis 2013

1979 in Opole, Polen, geboren. 1989 Umsiedlung nach Bamberg. Zwischen 2000 und 2007 studierte er Biologie in Heidelberg und Freiburg im Breisgau, seit 2007 arbeitet er als freier Wissenschaftsjournalist. Zwischen 2009 und 2012 Studium Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Seit 2004 veröffentlichte er zahlreiche Kurzgeschichten in Anthologien und Zeitschriften wie entwürfe, poet und volltext. Er erhielt 2012 ein Aufenthaltstipendium des Literaischen Colloquiums, Berlin (LCB) und 2013 Heinrich-Heine-Stipendium Lüneburg. Matthias Nawrat lebt in Berlin.

Auszeichnungen:
MDR Literaturpreis, 2011
Silberschweinpreis der lit.COLOGNE, 2012
Literaturpreis des Kantons Bern, 2012
Kelag-Preis der Klagenfurter Literaturtage, 2012
Bayern 2-WORTSPIELE-Preis, 2014
Preis des Wirtschaftsclubs im Literaturhaus Stuttgart, 2014
Förderpreis zum Literaturpreis der Stadt Bremen, 2016

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Leseprobe

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Jetzt wird es wirklich Frühling. Auf den Feldern hinter Merdingen fällt es mir zum ersten Mal auf. So eine Ahnung von Grün über den Ackerfurchen. Und die Birken haben etwas Jugendliches. In der Luft das hektische Vogelgeplärr, und durch das offene Seitenfenster kommt der Geruch, der hauptsächlich die Aufgabe hat, etwas anzukündigen.
Seit drei Wochen habe ich abends kein Licht bei Theres gesehen. Ich klingle, sie öffnet nicht. Gestern traf ich zufällig ihre Vermieterin, eine junge Mutter, die im Parterre wohnt. Sie sagte, Theres habe ihren Ersatzschlüssel bei ihr abgegeben, wegen der Post und so weiter. In ihrer Küche roch es nach Blumenkohl. Es gibt jetzt junge Kartoffeln auf den Märkten, sagte sie. Ich weiß, sagte ich. […]

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Theres ist nicht verschwunden. Das würde dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit widersprechen. Alles Leben ist Vorstellung. Mein Körper ist um die Hälfte leichter, schwerer. Theres, wie sehr sind meine Organe schon in dich hinübergewachsen. Es muss nachts passiert sein, die Blutgefäße und Nervenbahnen haben unbemerkt Kontakt aufgenommen. Wo sollst du den hingegangen sein? Mit wem? Etwa mit diesem Stefano? Dem schwulen Musiker aus Stuttgart? Das ist die große Lüge, entworfen in den gesellschaftlichen Eingeweiden. Die dunklen Prozesse der Angst in meiner Bauchhöhle sind dumme Sticheleien.

Aus: Wir zwei allein. Nagel & Kimche, Zürich 2012

Bücher

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Die vielen Tode unseres Opas Jurek
Roman, Rowohlt, Reinbek 2015

Unternehmer.

Roman. Rowohlt, Reinbek 2014

Wir zwei allein.

Roman. Verlag Nagel & Kimche, Zürich 2012