Palliative Versorgung älterer Menschen

Aktuelles aus den Projekten

Noch sind Einrichtungen mit palliativgeritrischer Kompetenz zur Begleitung hochbetagter, demenzkranker und sterbender Menschen selten. Das Netzwerk Palliative Geriatrie Berlin gründete sich am 3. Mai 2011 und hat sich zum Ziel gesetzt, eine Hospizkultur und Palliative Care in Berliner Pflegeheimen differenziert und nachhaltig umzusetzen. Dazu gehört, die palliativen Kompetenzen der Mitarbeiter in Altenpflegeheimen zu stärken und so die Versorgung alter Menschen am Lebensende zu verbessern. "Bei uns kann über Sterben und Tod gesprochen werden!" können 20 Einrichtungen von sich behaupten, die aktuell an diesem Projekt teilnehmen. Das ist wohl ein deutliches Zeichen einer nachhaltigen Palliativen Kultur im Pflegeheim. Einrichtungen, die das beherzigen, sind fähig mit Widersprüchen umzugehen: mit Leben und Tod, Ethik oder Sterbebegleitung. Dank der Projektförderung der Robert Bosch Stiftung konnte eine beispielhafte Umsetzung des Vorhabens „Netzwerk Palliative Geriatrie Berlin – Hospizkultur und Palliative Care Kompetenz in der Altenpflege“ realisiert werden. In den Berliner Pflegeeinrichtungen wurde dadurch nachhaltig eine höhere Mitarbeitermotivation sowie Zufriedenheit und Lebensqualität von Bewohnern und deren Angehörigen erreicht. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem Abschlussbericht des Projekts.

Weitere Informationen

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Dirk Müller
Telefon 030 42265-833
Der Palliativstützpunkt Nördliches Emsland sieht es als seine Aufgabe an, das schwierige Thema Tod und Sterben zu enttabuisieren. Daher ist es ein großes Anliegen, gerade jungen Menschen einen Zugang zu verschaffen und ihnen die Scheu zu nehmen, sich auch mit diesem Thema auseinander zu setzen.

Im September 2012 hat der 11. Jahrgang des Hümmling Gymnasiums Sögel den Palliativstützpunkt Nördliches Emsland im Hümmling Krankenhaus Sögel besucht. Die Koordinatorin des Stützpunktes Martina Mensen und die Abteilungsleitung der Palliativeinheit Anke Bürschen haben gemeinsam mit den SchülerInnen das Thema und sie Strukturen zur Palliativversorgung erarbeitet und vorgestellt. Oberarzt Dr. Meyer stellte zudem noch den Beruf des Arztes vor und hat die SchülerInnen eingeladen, im Rahmen eines kleinen Praktikums hinter die Kulissen zu schauen.

Bei einer anschließenden Besichtigung der Palliativeinheit und des Verabschiedungsraumes konnten die SchülerInnen sich ein reelles Bild von den Gegebenheiten machen und Anke Bürschen hat aus der täglichen Arbeit berichtet. Es bestand Zeit und Raum, damit die SchülerInnen bis lang nicht gefragtes fragen konnten um sich auch ganz konkret vorstellen zu können, ihre Berufswahl in diese Richtung zu beeinflussen. Die Resonanz war durchweg positiv. „Endlich hat man mal die Gelegenheit, ohne dass man betroffen ist, sich mit diesem Thema intensiv zu beschäftigen“, „Ich wusste gar nicht, dass es sowas gibt“, „Welche Ausbildung/ welches Studium muss ich machen, damit ich hier arbeiten kann?“.

Im November 2012 fand ein solcher Unterricht auch für die SchülerInnen der Marianhausschule Meppen statt. Martina Mensen hat die SchülerInnen in Meppen besucht, und gemeinsam den Unterricht inhaltlich gestaltet. Es folgte darauf ein Besuch der SchülerInnen im Hümmling Krankenhaus Sögel. Die SchülerInnen der Marienhausschule werden zu HeilerziehungspflegerInnen ausgebildet und haben ihre praktischen Einsätze unter anderem in den Einrichtungen des St. Vitus-Werkes Meppen.

(Martina Mensen, November 2012)

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Martina Mensen
Telefon 05952 209-508
Was sich Heimbewohner für ihre letzte Lebensphase und ihr Sterben wünschen

In der Diakonie Düsseldorf haben Wissenschaftler der Universität Klagenfurt/Wien/Graz vor zehn Jahren eine Befragung über die Wünsche alter Menschen hinsichtlich ihrer letzten Lebensphase und ihres Sterbens durchgeführt. Jetzt fand eine zweite Befragung statt. Was hat sich seither verändert? Und welchen Niederschlag fanden die Ergebnisse in der Praxis?

Was unterscheidet das Sterben in stationären Einrichtungen vom Sterben zu Hause? Sollten nicht die gleichen Fragen überall und von jedem von uns irgendwann gestellt werden? Aus diesem Grund wurde im Jahr 1998 eine Bewohner-, Patienten- und Angehörigenbefragung zum Thema „Sterben und Tod“ unter der Leitung von Professor Andreas Heller und Professorin Katharina Heimerl durchgeführt. Auf Grundlage der Ergebnisse wurden in der Diakonie Düsseldorf viele Einzelmaßnahmen und abteilungsübergreifende Projekte durchgeführt, welche die Kultur des Sterbens gefestigt haben.

Seit 2009 wird – gefördert durch die Robert Bosch Stiftung – das Folgeprojekt „Weiterentwicklung und Ausbau der OrganisationsKultur des Sterbens in vernetzten Strukturen in der Diakonie Düsseldorf“ durchgeführt. Im Rahmen des Projektes fand eine zweite Befragung in allen stationären und ambulanten Einrichtungen der Diakonie Düsseldorf statt. Durch diese zweite Befragung – zehn Jahr nach der ersten – sollten gegebenenfalls „Generationsunterschiede“ beziehungsweise Entwicklungen in der Gesellschaft erkannt werden.

Analyse und Ergebnisse

Es wurden 154 Gespräche mit orientierten Bewohnern und Bewohnerinnen sowie 58 Beobachtungen bei Menschen mit Demenz durchgeführt. Der überwiegende Teil der befragten Bewohner hatte Erfahrungen mit Tod und Sterben in der Familie oder im Bekanntenkreis gemacht, wenn auch für manche diese Erfahrungen lange zurücklagen, zum Beispiel im Krieg. Diejenigen, die gute Erfahrungen mit der Begleitung der Familienangehörigen gemacht haben wünschten solches Sterben auch für sich. Die andere Hälfte berichtete eher von quälenden Erfahrungen bis hin zu Traumata. Ein kleiner Anteil äußerte Ängste oder machte sich keinerlei Gedanken darüber. Ein Großteil der Befragten äußerte den Wunsch, seine Angehörigen, vertraute Pflegepersonen oder Seelsorger in die Sterbebegleitung einzubeziehen. Es fiel auf, dass viele der Befragten großes Vertrauen in das Pflegepersonal haben.

Der überwiegende Teil der Befragten war dankbar, dass sie mit jemandem über das Thema sprechen konnten. Im Gespräch kamen aber auch Gefühle wie Betroffenheit, Niedergeschlagenheit, „erdrückendes Gefühl“ und Überforderung zum Ausdruck.

Generationsspezifische Unterschiede

Die Befragung machte deutlich: Die heutige Generation ist im Vergleich zur Generation aus dem Jahr 1998 anders. Sie ist aufgeklärter, auffordernder, äußert ihre Wünsche, hat klare Vorstellungen und geht in den meisten Fällen davon aus, dass diese umsetzbar sind. Bescheidenheit drückt sich eher in Bezug auf die Zeit nach dem Tod aus. Einige Bewohner und Bewohnerinnen möchten ihren Angehörigen nicht „zur Last fallen“ und entscheiden sich für eine anonyme Bestattung.

Die zweite Befragung hat auch gezeigt, dass sich die Diakonie Düsseldorf als Institution weiterentwickelt hat. In allen Häusern ist die Diakoniekultur des Sterbens implementiert, sie wird wahrgenommen und wirkt sich positiv auf die dort lebenden Menschen aus. 

(Zusammenfassung des gleichnahmigen Artikels von Dr. Nada Ralic und Annette Hohnwald in „Praxis PalliativeCare“ 15/2012; Zusammenfassung von Julia Hoeter)

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Dr. Nada Ralic
Telefon 0211 73 53 261
Pastorin Annette Hohnwald
Telefon 0211 73 53 120
Häufig ist der Fachliteratur zu entnehmen, dass insbesondere frisch examinierte Pflegefachkräfte kaum Wissen über palliative Interventionen wie beispielsweise einer Schmerztherapie oder anderweitige lindernde Möglichkeiten bei geriatrischen Bewohnern haben (Kostrzewa; Misch 2009; Beckers 2007) insbesondere zur Pflege und Begleitung von sterbenden Demenzkranken, fordern Experten eine Aufwertung der Ausbildung (Kostrezewa; Misch 2009, Tiemeier 2009).

Die Ergebnisse der oben angeführten Studien sind ebenfalls im Schulalltag der Altenpflegeschule St. Pius-Stift offensichtlich. Um die Wissenslücke zum Thema Palliative Care zu schließen, ist in der Altenpflegeschule St. Pius-Stift das Curriculum Palliative Praxis im Mai 2010 zum ersten Mal im Mittelkurs versuchsweise integriert worden.

Für die Schülerinnen und Schüler des Mittelkurses gestaltete sich die Auseinandersetzung mit den Themen des Curriculums zum Teil überaus schwierig, da viele noch nie in ihrem Leben Berührungspunkte mit Tod und Sterben hatten. Den Moderatoren und der Schulleitung kam so die Aufgabe zu, einige Schülerinnen und Schüler während des Kurses sehr intensiv zu begleiten. Dennoch war die Integration des Curriculums Palliative Praxis für den Mittelkurs der Altenpflegeausbildung ein sehr großer Gewinn.

Nach gemeinsamer Evaluation durch die Schulleitung Frau Abu-Ghazaleh und den Moderatorinnen wird das Curriculum künftig als feste Einheit für den Oberkurs der Altenpflegeschule im letzten Drittel des Ausbildungsjahres angeboten.

Jedoch wurden nicht nur die Schülerinnen und Schüler der Altenpflegeschule sondern auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Einrichtung St. Pius-Stift und den angeschlossenen Einrichtungen nach dem Curriculum Palliative Praxis qualifiziert. In einer Stichprobenbefragung der geschulten Mitarbeiter gaben alle Befragten eine Steigerung der theoretischen Kenntnisse an. Bezüglich der Veränderungen im Arbeitsalltag des St. Pius-Stift merkt ein Mitglied des Heimbeirates an, „dass Schwerkranke und Sterbende mehr Zuwendung erfahren und im Vorfeld mehr über alles gesprochen wird“.

(Beate Schulte, November 2012)

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Beate Schulte
Altenheim St. Pius Stift
Telefon 04471 183-239
Margret Abu-Ghazaleh
St. Pius-Stift Altenpflegeschule
Telefon: 04471 850 45 20
Die Mitarbeiter mit ins Boot nehmen – unter dieser Prämisse fanden zwischen September und November 2012 drei Workshops mit den Mitarbeitenden aus den Einrichtungen der Marienhaus GmbH statt. In ihnen sollte reflektiert werden, welche Inhalte aus den Fortbildungen zu Palliative Care (160 h) und Palliativer Praxis (40 h nach dem Curriculum Palliative Praxis der Robert Bosch Stiftung) noch präsent sind und welche Veränderungen sich im Arbeitsalltag zeigen.

Lebendig geblieben ist dabei, dass es nicht um Lebensverlängerung geht, sondern darum, die letzten Tage so „angenehm“ wie möglich zu machen. Hinsichtlich ihres Verhaltens äußerten die Mitarbeiter, dass sie nun mehr auf das Befinden der Bewohner, v.a. Schmerzen achten. Außerdem haben sie durch die Qualifizierung mehr Sicherheit und Selbstbewusstsein gegenüber Ärzten gewonnen.

(Christoph Drolshagen, November 2012)

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Christoph Drolshagen
Telefon 02638 925-171

Obwohl der LCP derzeit nicht im Projekthaus Agaplesion Bethanien Lindenhof verwendet, sondern der HOPE-Bogen als Initialdokumentation eingesetzt wird, werden die Schritte des LCPs dennoch beachtet. Dies äußert sich vor Ort wie folgt:

  • Der Beginn einer Sterbephase wird von den Pflegefachkräften bewusster als vor LCP-Zeiten wahrgenommen, was sich darin ausdrückt, dass die HausärztInnen frühzeitig zur Konsentierung, ob jemand sterbend ist, angesprochen werden und dass die Bedarfsmedikation für infrage kommende zentrale Symptome rechtzeitig festgelegt wird.

  •  Seit Anfang 2012 gibt es "aki - die häusliche Palliativversorgung in Heidelberg", in der der Palliativmediziner der hausärztlichen Praxis im Agaplesion Bethanien Lindenhof aktiv mitarbeitet, so dass der Brückenschlag zur Einbeziehung von aki im Rahmen der AAPV/SAPV schnell und niederschwellig erfolgt. Insbesondere bei länger dauernden Sterbeprozessen wird aki gezielt in Anspruch genommen und unterstützt damit die Handlungssicherheit der MitarbeiterInnen.

  • Den Pflegefachkräften fällt es leichter als früher, mit dem festgestellten Wendepunkt "Sterbephase" von Konzepten der aktivierenden Pflege auf Konzepte der palliativen Pflege umzuschalten.

  • Es wird aufmerksamer als früher auf zentrale Symptome des Sterbens geachtet, so dass die Bedarfsmedikation rechtzeitig zum Einsatz kommt.

 

(Dr. Elke Müller, November 2012)

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Dr. Elke Müller
Telefon 06221 39 01 619