Literarische Brückenbauer

Im Bergwerk der Sprache

Unter den Literaturschaffenden stehen die Übersetzer vor einer ganz besonderen Herausforderung. Sie müssen die Sprache, die Autoren in unterschiedlichen Epochen geschaffen und in verschiedenste Formen gegossen haben, nachschaffen: vom Roman bis zum mundartlichen Theaterstück, vom wissenschaftlichen Traktat bis zu Briefwechseln und Lebenserinnerungen. Die Schichten und Lagen der Sprache, aus der und besonders in die sie übersetzen, müssen sie sich gezielt zu erschließen wissen.

Veranstaltung
"Im Bergwerk der Sprache" war Ausgangspunkt für eine Veranstaltung zum Internationalen Tag der Übersetzer, die der Deutsche Übersetzerfonds am 28. September 2012 in Berlin organisierte. Er wurde begangen mit Podiumsgesprächen zu "Deutsch in der Diaspora" und "Zitate, Plagiate, Mimikry und anderen Übersetzungen", Vorträgen und einer Vokalperformance "An-Sätze, Redeübungen, Maulwerke". Es ging darum, der Kunst des Übersetzens eine Bühne zu geben und das neu erschienene und von Literaturübersetzern verfasste Werk "Im Bergwerk der Sprache" angemessen zu präsentieren.

Buch
Gabriele Leupold, Eveline Passet (Hg.), Im Bergwerk der Sprache. Eine Geschichte des Deutschen in Episoden, Wallstein Verlag, Göttingen, 2012, 360 S., 24,90 Euro

Kann man sagen „Wowereit bekundet Trauer für Juhnke“? Warum zuckt ein in der Nazi-Zeit aufgewachsener Mensch womöglich vor dem Wort „schlagartig“ zurück? Wie erkläre ich meinem ausländischen Chat-Partner das deutsche „tja“? Nach welchen Regeln erfolgt denn nun die Kommasetzung? Warum sind die Schachtelsätze des Barock heute so schwer zu lesen? Und was erzeugt den Stakkato-Sound in manchen zeitgenössischen Texten?

Unter den Schreibenden sind es nicht zuletzt die Literaturübersetzer, die sich solche Fragen stellen, und so entstand im Literarischen Colloquium Berlin eine Vortragsreihe für alle, die sich für das Deutsche und seine Geschichte interessieren. Mit „Im Bergwerk der Sprache“ liegen die Vorträge nun schriftlich vor. Das Buch bietet eine episodische Reise durch fünf Jahrhunderte, in der es um Syntax ebenso geht wie um Abtönungspartikeln oder Dialekt, um Interpunktion ebenso wie um Höflichkeitsroutinen und nicht zuletzt um hybride Sprachformen: die jiddisch, slawisch, ungarisch oder rumänisch untermischten Varietäten in der Donaumonarchie, die in den KZs entstandene lagerszpracha und das heutige türkisch-arabisch beeinflußte Kiezdeutsch.

Ansprechpartner

Deutscher Übersetzerfonds e.V.
Jürgen Jakob Becker
Telefon 030 81699625

Kontakt in der Stiftung

Sabrina Leyrer
Telefon 0711 46084-974