Grenzgänger

Anna Kaleri:

Anna Kaleri wurde 1974 geboren. Nach der Ausbildung zur Ergotherapeutin holte sie in Berlin das Abitur nach und studierte anschließend am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Seit dem Diplom 2002 arbeitet sie freiberuflich – als Journalistin für die Leipziger Volkszeitung, MDR Figaro und Deutschlandfunk. In ihrer Eigenschaft als Autorin veröffentlichte sie Hörspiele sowie „Es gibt diesen Mann“ (Prosaminiaturen, Luchterhand 2003) und „Hochleben“ (Roman, MDV 2006). Ihr Roman „Der Himmel ist ein Fluss“ erschien im Herbst 2012. Anna Kaleri lebt mit ihrer Familie in Leipzig.
Der Himmel ist ein Fluss

Als Anna Kaleri dreißig wurde, klaffte unvermutet eine Lücke in der Familiengeschichte und damit in der eigenen Identität auf. Was war eigentlich mit ihrer Großmutter? Wie hieß sie? Wie war sie? Wer waren die Väter ihrer unehelichen Kinder? Warum saß sie im Gefängnis? Wer war der Mann, der ihretwegen ums Leben kam? Wie ist sie gestorben? Was hatte das alles mit dem Nationalsozialismus zu tun? Wie war es damals in Masuren? Zu all dem gab es nur Bruchstücke oder legendenhafte Verklärung – niemanden mehr zum Klären, denn alle, die es hätten wissen können, waren zu dieser Zeit schon tot. In sieben Jahren Recherche, Schreiben und Überwinden von Hindernissen hat Anna Kaleri ihrer Großmutter ein Leben erfunden und sie in der Gestalt von Minna literarisch eingefriedet.

Minna ist eine junge Landarbeiterin, die den anderen Dorfbewohnern hochmütig erscheint, weil sie davon träumt, der Enge des Dorflebens zu entkommen. Eines Tages, noch vor dem Krieg, lernt sie auf einem ihrer Streifzüge durch die Wälder den Vogelkundler und Biologen Gwidon kennen. Er ist polnisch, katholisch und glücklich verheiratet. Trotzdem üben die beiden aufeinander eine Faszination aus.

Um dauerhaft in Gwidons Nähe zu sein, zieht Minna schließlich in die Stadt, in der er lebt, und nimmt eine Stellung als Kindermädchen an. Wieder beginnen die beiden, sich heimlich zu treffen. Sie verbindet inzwischen mehr als eine Seelengemeinschaft …

„Dies ist die Geschichte meiner masurischen Großmutter, die ich nicht kennen konnte, weil sie im Januar 1945 erschossen wurde. Ich habe nie ein Foto gesehen, lange wusste ich nicht einmal ihren Vornamen. Es gibt keinen Kirchenbucheintrag, keinen Grabstein. Es ist, als hätte es sie nicht gegeben.“

Roman
Hardcover, ca. 224 Seiten 
Graf Verlag, September 2012
ISBN: 978-3-86220-032-0

Seit ihrer ersten Recherchereise nach Masuren im Jahr 2004 berichtet Anna Kaleri auf ihrem Blog www.annakaleri.twoday.net von ihren Erlebnissen und Gedanken, von der Suche nach Spuren ihrer masurischen Großmutter und dem jetzigen, mitten im Wandel begriffenen Polen. Diese Aufzeichnungen und Fotos rund um das Entstehen des Romans „Der Himmel ist ein Fluss“ sind nun als E-Book erhältlich.
Anna Kaleri „Masurisches Tagebuch“, Lindenau Verlag, ISBN: 978-3-9815447-2-5 (eBook), 4,99 Euro

Bildergalerie

2004 begann Anna Kaleri ihre Suche, recherchierte in Bibliotheken und Archiven, reiste viele Male nach Masuren, verbrachte 2007 mit Hilfe des Grenzgänger-Stipendiums einen mehrwöchigen Aufenthalt in Jedwabno, Małszewo und Olsztyn, traf ehemalige und heutige Bewohner. Sie suchte den Grabstein ihrer Großmutter und fand anstelle dessen eine polnische Wahlgroßmutter, mühte sich mit Polnisch ab und lebte parallel in zwei Zeiten. Weil das alles den Rahmen des Romans sprengen würde, entschied sich Anna Kaleri 2004 für einen Blog und berichtete auf www.annakaleri.twoday.net mitunter „live“ von ihren Reisen und Eindrücken.