Grenzgänger Europa und seine Nachbarn

Marcus Hernig:

Jahrgang 1968; Studium der Sinologie, Germanistik und Geschichte in Bochum und Nanjing; seit 1992 in China und Japan; langjährige Tätigkeiten in der chinesisch-deutschen Bildungs- und Kulturarbeit, u. a. als Lektor des DAAD und als Beauftragter des deutschen Generalkonsulats in Shanghai für Bildungszusammenarbeit, deutsche Sprache und Literatur; Trainer, Berater und Autor zu Chinathemen, Leiter der ersten deutschen Künstlerresidenz in Ostasien: Goethe-Institut Villa Kamogawa Kyoto/Japan, Gastprofessor an der Zhejiang-Universität Hangzhou, zuletzt erschienen: China mittendrin: Geschichte, Kultur, Alltag, Berlin: Ch. Links 2008, Neuauflage Herbst 2012
Eine Himmelsreise. China in 6 Gängen

Wer sein halbes Leben in China verbracht hat und durch das Riesenreich gereist ist, der weiß aus eigener Anschauung, welche Bedeutung dem kulinarischen Alltag im chinesischen Leben zukommt. Gutes und abwechslungsreiches Essen bestimmt seit jeher die chinesische Gesellschaft, der Bauch das chinesische Bewusstsein. Während langer Aufenthalte in den chinesischen Provinzen, erschloss sich dem in und mit Shanghai verheirateten Sinologen Marcus Hernig das Menü und die Psyche Chinas – ein neues Chinabild. Der „mit dem Bauche Reisende“ lernt, dass Kultur „hervorgegessen werden kann“, Politik aus dem Kochtopf stammt, Kreativität aus Schärfe geboren wird, Bildung auf den Esstisch kommt, Perfektion im Suppentopf zusammengekocht wird und am Ende das Kleine sich als das wirklich Schmackhafte entpuppt. Mit dreißig (erprobten) Rezepten, passend zu jedem Gang durch das „Reich mit dem Loch in der Mitte“ – auch Magen genannt –, kann der Leser diese aromatisch anschauliche Reise nachkochen. Wirkliches Verstehen geht eben durch den Magen.

Die Andere Bibliothek, Band 330
Juni 2012, 400 Seiten
ISBN: 978-3-8477-0330-3

Mit Abbildungen, Karten, Kalligraphien, Register und Rezepten

Bildergalerie

Marcus Hernig verbringt seit 1998 die meiste Zeit seines Lebens in Shanghai und hat dort seine ersten „Baucherfahrungen“ gemacht. Im Frühjahr 2009 machte er sich auf, das Reich der Mitte – oder, wie er es nennt, „das Reich des Bauches“ zu erkunden. Er bereiste China und Taiwan. Zugrunde legte er die Erkenntnis, dass gerade China sich über den Bauch am besten verstehen lässt. „Im Mittelpunkt standen Gespräche mit Experten, Food-Kritikern, Schriftstellern, Praktikern des Hotel- und Gaststättengewerbes, besonders aber einfachen Menschen auf der Straße, Garküchenbesitzern, Bekannten, Freunden, Verwandten unterwegs, die in Form von Interviews aufgezeichnet wurden. Hinzu kamen Teilnahmen an wichtigen Einladungen zum Essen und Trinken, zahlreiche Besuche auf Nachtmärkten und in den kleineren Imbissläden unterwegs, Restaurantbesuche – und immer wieder probieren, probieren, probieren. Die Gewichtszunahme des Reisenden hielt sich dabei erstaunlicherweise in Grenzen.“