Grenzgänger

Christiane Seiler:

Christiane Seiler, geboren in Köln, Mutter zweier Töchter, hat in Berlin und Paris Religionswissenschaft, Philosophie und Literaturwissenschaft studiert. Außerdem ist sie ausgebildete Tontechnikerin. Sie lebt und arbeitet in Berlin, als Rundfunkautorin und Übersetzerin. 1996 erhielt sie den Ake Blomström Memorial Preis für ihr erstes Radiofeature „Wir sind die Ratten“, 2000 wurde ihre Übersetzung von Richard Millets Roman „L’amour des trois soeurs Piale“ mit dem André Gide Preis ausgezeichnet. Christiane Seilers Arbeiten bewegen sich im Grenzbereich von Kunst und Leben, Natur und Kultur.
Ein Hof in den Karpaten. Geschichten aus der Mitte Europas

Transkarpatien ist ein gebirgiger Zipfel der Ukraine, an der Grenze zu vier europäischen Ländern, die mittlerweile zur EU gehören: Rumänien, Ungarn, Slowakei und Polen. Bis zum Ende des zweiten Weltkriegs war Transkarpatien ein Teil Mitteleuropas mit österreichisch-ungarischer, multikultureller Vergangenheit. Dieses Erbe wirkt weiter, obwohl die Verbindungen zum Westen gekappt wurden, als die Sowjetunion sich den strategisch wichtigen Landstrich nach 1945 einverleibte.

Unsere Autorin hat Transkarpatien mehrere Wochen lang bereist, ist dort ungewöhnlichen Menschen begegnet: Einem jungen Paar - er Deutscher, sie Ukrainerin -, die sich der letzten Karpaten-Büffel annehmen; einem jüdischen Gemeindevorsteher, der stolz ist auf das Fortbestehen seiner Gemeinde; einem Dichter, der als Lehrer in einem Gebirgsdorf ein bescheidenes, an den Werten seiner Eltern orientiertes Leben führt. Sie alle wissen sich mit geringen Mitteln zu helfen, in einer kargen, abgelegenen Gegend. Und dann sind da noch eine überaus lebhafte Büffelkuh und die Erinnerung an eine namhafte Deutsche, die in schwieriger Lage einem solchen Tier begegnete.

rbb kulturradio
Redaktion: Dr. Dieter Jost
Regie: Heide Schwochow
Ton: Martin Seelig, Katrin Witt, Bettina Mikulla
Länge: 49:01
Erstausstrahlung: 05.08.2012, 14:04 Uhr

Erzählerin: Frauke Poolman
Rosa Luxemburg: Jutta Hoffmann
Olga Khomenko: Winnie Böwe
Petro Midjanka: Wolfgang Michael
Volodimir Katz: Bernhard Schütz
Weitere Sprecher: Edita Ulman, Bernd Moss, Thomas Linke, Frank Horst und Anatol
Gesang: Olga Senynets / Hudaki Village Band

Hinter der Grenze. Junge Ukrainer auf dem Weg nach Europa.

Zwei Kilometer jenseits der slowakischen und knapp 30 Kilometer hinter der ungarischen Grenze liegt Uschhorod, die westlichste Stadt der Ukraine und Zentrum der Region Transkarpatien. Hier leben Ivanna, Edita, Dima und Igor. Sie sind Mitte 20, haben die philologische Fakultät absolviert und schlagen sich mit schlecht bezahlten Jobs durch – mit Entschlossenheit, Erfindungsreichtum und dem landestypischen Sarkasmus. Diese jungen Menschen haben den Sozialismus als Kinder noch erlebt, ihr Heimatland aber ist der junge Nationalstaat Ukraine. Durch Propaganda, Korruption und mangelnde Zukunftsperspektiven macht er es ihnen nicht leicht. Wie stehen sie zu ihrem Land, das am 24. August 2011 gerade einmal 20 Jahre alt wurde? Wie ist ihr Verhältnis zu Europa? Welche Wünsche haben sie für ihre Zukunft?

SWR2 Dschungel
Ton: Rolf Knapp, Renate Tiffert
Redaktion: Karin Hutzler
Regie: Maria Ohmer
Länge: 31:30
Erstausstrahlung: 19.10.2011, 19:20 Uhr

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Europas wilde Buchenwälder

Buchen gedeihen selbst im Schatten, ihre glatte Rinde widersteht Spechtschnäbeln und klimatisch sind sie äußerst anpassungsfähig. Seit Ende der letzten Eiszeit vor ca. 10.000 Jahren breiten Buchen sich stetig aus. Buchenmischwälder würden den größten Teil Mitteleuropas bedecken, hätten Menschen die Wälder nicht schon seit Jahrhunderten nach ihren Bedürfnissen gestaltet. Doch an wenigen Stellen blieben Buchenwälder im Naturzustand erhalten. Im "Grumsin" z.B., 100 km nördlich von Berlin, und im unwegsamen Urwald bei Mala Uholka in den ukrainischen Karpaten. Im sich zersetzenden Holz uralter Riesenbuchen überleben dort Pflanzen- und Tierarten, die anderswo ausgestorben sind. So wird der Buchenwald zu einem Freilichtlabor für Forstwissenschaftler und Biologen.

SWR2 Wissen
Redaktion: Udo Zindel
Erstausstrahlung: 09.10.2012, 08:30 Uhr 

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Drei Reisen zwischen März und September 2011 führten mich in die Ukraine, in die Oblast Transkarpatien. Schon 2010 war ich auf einer privaten Urlaubsreise in diesen Landstrich geraten und war fasziniert von der Widersprüchlichkeit dieser postsozialistischen Landschaft und ihrer Bewohner. Große Naturschönheit kontrastiert mit den Zeichen von Verfall und Vernachlässigung, Herzlichkeit und Erfindungsreichtum der Menschen mit Alkoholimus und Gleichgültigkeit. Material für die Sendungen nahm ich hauptsächlich während der längsten Reise im Mai auf. Ausgestattet mit Mikrofon und Rekorder fuhr ich über Land, führte Gespräche, sammelte Töne. Manche der Begegnungen hatte ich von Deutschland aus geplant, manche ergaben sich durch zufällige Bekanntschaften. Aus diesem Material entstanden zwei Radiofeatures. Sie geben Momentaufnahmen wieder, Einblicke in eine europäische Welt hinter der EU-Außengrenze, die mir so fremd nicht erschien und doch sehr weit weg von zuhause. Vieles von dem, was ich unterwegs sammelte, konnte ich nicht verwenden, vieles wirkt immer noch nach und führt zu neuen Sendungsprojekten.