Grenzgänger

Jean-Claude Kuner

Jean-Claude Kuner wurde 1954 in Basel geboren und studierte Germanistik und Theaterwissenschaft in Berlin. Während des Studiums begann er mit Radioarbeiten im Bereich neue Musik, Features und Hörspiele. Als Theaterregisseur (Schauspiel und Oper) war er u.a. am Staatstheater Stuttgart, Düsseldorfer Schauspielhaus, Schillertheater Berlin, Residenztheater München, Musiktheater Gelsenkirchen und Thalia Theater Hamburg tätig.
Seit 1996 ist er freischaffender Rundfunk-Autor und Regisseur mit dem Schwerpunkt Kulturthemen aus fremden Ländern in akustisch anspruchsvollen Produktionen, in denen Hörspiel und Feature-Elemente kombiniert werden.

Auszeichnungen (Auswahl)

  • Theater Regiepreis des Landes Bayern (1991)
  • Das zerrissene Ehrenwort-Blutrache in Albanien. Prix Marulic (2005)
  • Extraordinary. Stille. Ce soir Grand Prix Marulic (2006)
  • Weg nach Timimoun. Prix Marulic (2007)
  • Karma aus Blech, Essensausträger in Mumbai. Basler Featurepreis (2008)
  • Ländliche Küche aus Zentralfrankreich. Prix Marulic, Kategorie Hörspiel (2009)
  • Karma aus Blech, Essensausträger in Mumbai. Prix Marulic, Kategorie Feature (2009)
  • Liebesrap. Hörspiel des Monats November 2010, Grand Prix Marulic (2011), Nominierung zum Prix Italia 2011
  • Bukhara Broadway. Klangspuren einer Emigration (2012), lobende Erwähnung im internationalen Wettbewerb "Premios Ondas 2012" (Spanien)
Bukhara Broadway - Klangspuren einer Emigration

Bukhara an der Seidenstraße war eine multikulturelle Stadt. Ein Zentrum für Wissenschaft und Kunst. Am Hofe des Emirs erklang die hoch entwickelte Musik des Shashmaqam, gespielt von Juden und Muslimen, mit spirituellen und mystischen Texten von Hafiz bis Rumi.

Nach der Unabhängigkeit Usbekistans 1991 fand das friedliche Nebeneinander ein Ende. Die seit biblischen Zeiten in Zentralasien angesiedelten Juden emigrierten in Scharen, und mit ihnen namhafte Musiker, nach Israel, Wien und New York. Unter ihnen Ari Babakhanov, dessen Großvater noch am Hofe des letzten Emirs von Bukhara musizierte. Heute lebt Babakhanov in Leipzig.

Obwohl von der kulturpolitischen Führung Usbekistans ignoriert, schreibt er - nun im Exil - aus dem Gedächtnis sein Wissen auf, um die Kette der Überlieferung nicht abreißen zu lassen. Denn der Shashmaqam - von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt - steht auf der Liste besonders erhaltenswerter immaterieller Kulturgüter. Die multikulturelle Gemeinsamkeit von Usbeken, Tadschiken und Juden ist der nationalen Unabhängigkeitspolitik zum Opfer gefallen. Das Feature erzählt von Babakhanovs Emigration und wie die Musiker in Taschkent, Bukhara und New York jenseits von Politik dieses gemeinsame Kulturerbe zu retten versuchen.

Regie: Jean-Claude Kuner
Produktion: rbb/DLF/NDR
Aufnahme in 5.1 Dolby Surround Technik
Erstausstrahlung: 16.05.2012, 22:04 Uhr (RBB und MDR)

Hörprobe

Bildergalerie

Aron Aronov, Bukhara Museum, Queens
Ark Palast des Emirs in Bukhara
Osh Morgenzeremonie mit Abror Zufarov
Ari Babakhanov
Bukhara
Leipzig - Usbekistan - Queens, New York
November 2011 - Februar 2012

Drei Wochen verbrachte Jean-Claude Kuner in Usbekistan. In Taschkent traf er zahlreiche Musiker und Sänger und konnte an Zeremonien teilnehmen. Seine Reise führte ihn weiter nach Bukhara, dem Schauplatz seines Features. Für den zweiten Teil der Recherche ging er nach New York. Im Stadtteil Queens, einem Ort der Emigration Bukharer Juden, traf er sich mit Musikern und suchte nach Parallelsituationen zu seiner Recherche in Bukhara.