Robert Bosch Juniorprofessur Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen

Dr. Jan Börner

Die Auswirkungen menschlicher Eingriffe in natürliche Prozesse sind ein viel beachtetes Thema. Kaum ein Vorgang steht so beispielhaft für die Zerstörung natürlicher Ressourcen und damit auch unseres eigenen Lebensraums wie die Abholzung der tropischen Regenwälder. Diese zeichnen sich nicht nur durch eine unvergleichliche Artenvielfalt aus, sie sind gleichzeitig riesige Kohlenstoffspeicher, die zur weltweiten Stabilisierung unseres Klimas beitragen. In Ländern mit Regenwaldgebieten gibt es jedoch vielfältige Konflikte, wenn es um die Nutzung der Waldflächen geht. Ökologische Notwendigkeiten und ökonomische Interessen scheinen dabei oft unvereinbar.

Regenwaldflächen nachhaltig nutzen

Mit der Überwindung dieser Konflikte und möglichen Strategien für eine bioökonomische Nutzung von südamerikanischen Regenwaldflächen beschäftigt sich ab August 2012 der promovierte Agrarwissenschaftler und neue Robert Bosch Juniorprofessor Jan Börner. In den nächsten fünf Jahren wird er am Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn eine Nachwuchsforschungsgruppe aufbauen und mit einem Budget von einer Million Euro untersuchen, wie Regierungen geeignete umweltpolitische Instrumente entwickeln können, um ökologische und ökonomische Interessen in weltweit bedeutenden Naturräumen zu vereinbaren.

Im Zentrum von Jan Börners Forschungsprojekt steht das Ziel, Regenwaldgebiete nachhaltig zu bewirtschaften. Das kann zum Beispiel mit Hilfe sogenannter Agroforstsysteme erfolgen. Diese verbinden Elemente der Forstwirtschaft mit Elementen der Landwirtschaft und wirken so einer einseitigen Nutzung und Auslaugung des Bodens entgegen. In einigen Gemeinden entlang der Transamazônica werden sie bereits erfolgreich umgesetzt und stellen eine Alternative zur bisherigen Methode der Landbearbeitung durch Brandrodung dar.

Forschungsergebnisse auch in die Praxis umsetzen

Aber nicht überall lassen sich solche Alternativen problemlos einführen. Wichtig sei es vor allem, Umweltpolitik an lokale Bedingungen anzupassen, erklärt Jan Börner. Deshalb wird sich der erste Teil seines Projekts mit der Bedeutung lokaler Gegebenheiten für die Wirkung umweltpolitischer Maßnahmen beschäftigen. Auf dieser Grundlage werden dann Handlungsmöglichkeiten für eine bioökonomische Nutzung von Regenwaldflächen ausgearbeitet.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen aber nicht nur in Forscherkreisen und Fachbibliotheken bleiben, sondern schließlich lokalen und internationalen Entscheidungsgremien präsentiert werden, damit sie auch in der Praxis Wirkung erzielen und die tropischen Regenwälder als Lebensraum zahlreicher Tiere und Pflanzen und wichtiger Bestandteil unseres Klimas erhalten blieben.

(Dajana Karge, März 2012)

Bildergalerie

Westlicher Amazonas
Honig-Herstellung
Zu Besuch bei Flutopfern
Im nördlichen Amazonasgebiet
Workshop zur Wertschöpfungskette
Verleihung der Juniorprofessur in Bonn
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Kurzportrait

Dr. Jan Börner, Jahrgang 1975, stammt aus Hamburg. Er hat Agrarwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin und der University of Minnesota/USA studiert und sich auf Umwelt- und Ressourcenökonomik spezialisiert. Im Jahr 2006 promovierte Börner am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn. Anschließend arbeitete er als PostDoc an der Technischen Universität München und am International Center for Tropical Agriculture (CIAT) in Palmira/Kolumbien.

Als Robert Bosch Juniorprofessor erforscht Börner die vielfältigen Konflikte bei der Nutzung der tropischen Regenwälder. Mit seiner Nachwuchsforschergruppe am Zentrum für Entwicklungsforschung untersucht er, wie Regierungen geeignete umweltpolitische Instrumente entwickeln und anwenden können, um eine bioökonomische Nutzung von weltweit bedeutenden Naturräumen zu ermöglichen.