Wissenschafts-Journalismus heute

Neue Wege im Wissenschaftsjournalismus

Zeitungssterben, Datenjournalismus, multimediales Storytelling - als die Robert Bosch Stiftung 2011 den ersten Förderrahmen für  "Neue Wege im Wissenschaftsjournalismus" ausschrieb, schwankten die Antworten auf die Frage nach der Zukunft des Wissenschaftsjournalismus zwischen Depression und Euphorie. Angesichts der schwelenden ökonomischen Krise des Journalismus und dem Zuwachs neuer digitaler Möglichkeiten in der Medienwelt war dies kaum verwunderlich.

Da die Unsicherheit groß war und da zugleich aus dem Wissenschaftsjournalismus kaum Impulse für Innovationen kamen, regte die Stiftung mit einer offenen Förderung eine Reflexion und Neudefinition der Rolle der Wissenschaftsjournalisten und Wissenschaftsjournalistinnen im Mediensystem an. Ziel war, die Entwicklung neuer Ideen und Netzwerke zu fördern und so den Wissenschaftsjournalismus fit für den Wandel zu machen.

In zwei Ausschreibungen fragten wir: Wie reagiert der Wissenschaftsjournalismus auf die Veränderungen in der Medienlandschaft und im Wissenschaftsbetrieb? Welche Formate und Entwicklungen werden zukünftig eine wichtigere Rolle spielen? Welche Projekte weisen Wege in Richtung eines nachhaltig anspruchsvollen Wissenschaftsjournalismus? Vielversprechende Projektvorhaben und Projekte, die bereits in der Pilotphase erfolgreich waren, wurden mit bis zu 15.000 € gefördert. Bei der Auswahl wurde die Stiftung von einem Expertenbeirat unterstützt.

Die neuen, eingeschlagenen Wege waren vielfältig und sehr unterschiedlich: von der Entwicklung eines Faktenchecks über Tools zur Recherche in Krankenhausdaten bis hin zu Wissenschaft und Kunst im Dialog. Insgesamt wurden 16 Projekte angestoßen.

Wichtige Ergebnisse aus den Ausschreibungen waren:

  • Der Großteil der Anfragen und auch der geförderten Projekte hatte einen Online-Schwerpunkt.
  • Besonders viele neue Ideen kamen nicht von Redaktionen, sondern aus der Szene der freien Journalisten.
  • Es bestand ein großer Bedarf, sich über Erfahrungen und Best Practice im Wissenschaftsjournalismus auszutauschen.
  • Das Projektmanagement war für viele Freie herausfordernd.

Auf Basis unter anderem dieser Ergebnisse fördert die Robert Bosch Stiftung im Programm "Neue Wege im Wissenschaftsjournalismus" mutige und relevante Multiplikatoren, die eine Innnovationskultur für die Entstehung neuer tragfähiger Konzepte für freien Wissenschaftsjournalismus ermöglichten. So wollen wir einen Beitrag zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von freien Wissenschaftsjournalisten leisten und bei der Etablierung einer Infrastruktur für gemeinnützige bzw. sozialunternehmerisch denkende Gründungen und Start-Ups im Wissenschaftsjournalismus helfen.