Wissenschafts- journalismus

Neue Wege im Wissenschaftsjournalismus

Die breite gesellschaftliche Diskussion wissenschaftlicher Hintergründe zur Kernenergie, Präimplantationsdiagnostik, CO2-Speicherung oder zum Demographischen Wandel zeigt, dass auch komplexere wissenschaftliche Themen in immer größeren gesellschaftlichen Gruppen eine wichtige Rolle spielen und zunehmend auch von politischer Bedeutung sind. Nie zuvor war das allgemeine Interesse an Wissenschaft so groß. Die Vielfalt der Wissenschafts- und Wissensformate in den Medien ist gestiegen.

Vor diesem Hintergrund kommt dem Wissenschaftsjournalismus in unserer unübersichtlich werdenden Wissensgesellschaft eine entscheidende Rolle bei der Dokumentation, Analyse, Bewertung und Interpretation von wissenschaftlichen Ergebnissen zu. Zugleich verändert sich die Arbeitsweise von Journalisten durch multimediale und digitale Möglichkeiten.

Wissenschaftsjournalisten müssen eine wachsende und vielfältiger werdende Zielgruppe ansprechen. Insbesondere die andauernden Veränderungen in der Medienlandschaft durch das Internet stellen den Wissenschaftsjournalismus vor die Herausforderung, neue Formen der journalistischen Bearbeitung wissenschaftlicher Themen zu entwickeln und neue Kanäle zu bedienen.

Gamification, Datenjournalismus, multimediales Storytelling… Wie sieht Wissenschaftsjournalismus in Zukunft aus? Wie reagiert der Wissenschaftsjournalismus auf die Veränderungen in der Medienlandschaft und im Wissenschaftsbetrieb? Welche Formate und Entwicklungen werden zukünftig eine wichtigere Rolle spielen?

Die Robert Bosch Stiftung fördert Projekte, die Antworten auf diese und ähnliche Fragen geben und den Weg weisen in Richtung eines nachhaltig anspruchsvollen Wissenschaftsjournalismus. Vielversprechende Projektvorhaben und Projekte, die bereits in der Pilotphase erfolgreich sind, werden mit in der Regel bis zu 15.000 € pro Projekt gefördert. Förderanfragen können jederzeit gestellt werden.
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VOCER Innovation Medialab - Nachwuchsjournalisten arbeiten an der Zukunft des Wissenschaftsjournalismus

Der Verein für Medien- und Journalismuskritik setzt sich mit seinem Internetprojekt VOCER kritisch mit den derzeitigen Entwicklungen in der Medienwelt auseinander. Das Lab ergänzt die journalistische Selbstreflexion um eine Plattform, auf der das Experimentieren mit unkonventionellen Ansätzen und Methoden in einem geschützten Raum gefördert und innovative journalistische Ideen tatsächlich auch umgesetzt werden.
Zur Nachwuchsförderung vergibt das Medialab jedes Jahr Stipendien zur Erprobung innovativer Methoden und Entwicklung neuer journalistischer Formate. Die Stipendiaten werden in ein innovatives Arbeitsumfeld eingebunden, um einen Austausch zwischen den Stipendiaten, erfahrenen Mentoren und Partnern aus der Medienpraxis zu ermöglichen.

Im ersten Halbjahr 2014 wird es um neue Wege im Wissenschaftsjournalismus gehen. Dabei werden drei Stipendien an Nachwuchsjournalisten für jeweils sechs Monate vergeben. Während dieser Zeit arbeiten sie angebunden an die VOCER-Redaktion und werden von jeweils einem Mentor aus der Medienpraxis sowie den VOCER-Herausgebern begleitet. Die entstandenen Dossiers und Projekte sollen neue Wege im Wissenschaftsjournalismus aufzeigen und deutsche Medien stimulieren, erfolgreich erprobte Formate zu übernehmen und fortzusetzen.
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Energiereporter - Ihr Reporter zur Energiewende vor Ort

Der Verband der Technik- und Wissenschaftsjournalisten TELI e.V. möchte mit seinem Pilotprojekt „Energiereporter“ ein Modell testen, das Wissenschaftsjournalisten neue Möglichkeiten zur Finanzierung und Durchführung von thematischen Reportagereihen aufzeigt. Aufwändige Recherchen freier Journalisten werden durch Crowdfunding sowie Beiträge von Regionalzeitungen finanziell gefördert. Leser können sich mit eigenen Themenvorschlägen, Kommentaren und Rechercheaufträgen aktiv beteiligen. Dadurch sollen gut recherchierte und anschaulich aufbereitete Reportagen zu wissenschaftlichen Themen in die Regional- und Lokalmedien zurückgebracht werden.

Der Energiereporter reist zu 24 relevanten Schauplätzen der Energiewende, die jeweils stellvertretend für eine Energieform stehen oder einen bisher wenig beachteten Aspekt in den Fokus rücken. Die daraus entstehenden Reportagen erscheinen auf der eigenen Webseite www.energiereporter.com, bei Medienpartnern und auf Wunsch in regionalen Tageszeitungen. Das Pilotprojekt möchte freie Journalisten ermutigen, ähnliche thematische Reportagereihen mit regionaler Verankerung und Lesereinbindung durchzuführen und stellt bei Erfolg dazu eine entsprechende Plattform zur Verfügung.
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Der OperationsExplorer - Die Datenbank zur Recherche in medizinischen Daten

Wie viele Menschen sind 2011 an Masern erkrankt? Und in welchen Regionen? Wie hat sich diese Zahl in den vergangenen Jahren verändert? Für eine gute Berichterstattung über medizinische Themen benötigen Journalisten verlässliche Daten, die frei zugänglich und unabhängig von den Akteuren im Gesundheitssystem beobachtet und bewertet werden können. Das Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) hat zusammen mit dem Wissenschaftsjournalisten Volker Stollorz eine Datenbank entwickelt, die eine Recherche in kompletten Datensätzen des Statistischen Bundesamts mit stationären Diagnosen sowie Operationen und Prozeduren ermöglicht.

Mit dem OperationsExplorer lassen sich alle ICD-Diagnosen (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) und alle OPS-Codes (Operationen und Prozeduren-Schlüssel) aller deutschen Krankenhäuser nach bestimmten Kriterien statistisch durchsuchen. Die Plattform ermöglicht so Abfragen über die Häufigkeit einer Diagnose und Operationen nach Alter, Geschlecht oder Jahr. Der OperationsExplorer erstellt automatisch standardisierte Karten und statistische Kennziffern, anhand derer man echte regionale Signale und Trends in Kreisen von zufälligen Häufungen unterscheiden kann. So lassen sich Muster erkennen und Ideen für journalistische Recherchen gewinnen.

Der OperationsExplorer soll die Basis für datengestützten Wissenschaftsjournalismus im Bereich Medizin schaffen und mit Hinweisen zur korrekten Einordnung von Statistiken kombinieren.
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Nanomagazin - Nano geht alle an

Die Nanotechnologie wird in der Berichterstattung überwiegend positiv beleuchtet, nennt Risiken nur selten, lässt vor allem Wissenschaftler und Wirtschaftsvertreter zu Wort kommen und diskutiert die hohe Alltagsrelevanz der Technologien nur unzureichend. Dabei wird die sogenannte "Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts" heutzutage immer stärker in unterschiedlichen Produkten des Alltags eingesetzt.

Das Nanomagazin wird von Wissenschaftsjournalisten in Eigeninitiative entwickelt und herausgegeben, kooperiert inhaltlich mit Spektrum der Wissenschaft und berichtet unabhängig von Interessengruppen kritisch über das vielfältige Thema Nanotechnologie. Indem verschiedene Organisationen, wie Stiftungen, Unternehmen oder Behörden jeweils nur einen Teil zum Nanomagazin-Budget beitragen, soll journalistische Unabhängigkeit gewahrt bleiben.

Das Onlinemagazin fasst sowohl Risiken und als auch mögliche negative Konsequenzen genauso ins Auge wie Erfolge und Chancen. Bei der Wissensvermittlung setzt das Onlinemagazin auf die eigene Recherche, multimediale Inhalte und die Meinung der Leser. Das Portal regt zu Debatten über neue Technologien und Entwicklungen an und integriert den Leser aktiv in die inhaltliche Konzeption. Der Leser kann durch Kommentarfunktionen und der Verknüpfung zu sozialen Netzwerken Recherchen zu bestimmten Themen anstoßen und diese durch Crowdfunding finanziell unterstützen.
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Der Leitfaden zur sicheren Recherche im Medizinjournalismus

Eine Pressemitteilung mit neuen bahnbrechenden Ergebnissen für Arzneimittel- oder Therapieverfahren landet auf dem Schreibtisch des Redakteurs. Wie können vor allem Journalisten, die nicht täglich mit Medizinthemen zu tun haben, sicher stellen, dass es wichtig und richtig ist, die Meldung aufzugreifen? Was müssen sie beachten, um einen Artikel zu verfassen, der die Kriterien einer fundierten, kritischen Recherche und Einschätzung erfüllt? Dabei hilft jetzt das MedizinMag von der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche e.V.:

Der Online-Leitfaden dient dazu, anhand von einzelnen Prüfkriterien wie Nutzen, Studien oder Experten die Aussagen von Pressemitteilungen schnell richtig und kritisch einordnen zu können. Der Leitfaden wird durch ein Glossar und weiterführende Links zu hilfreichen medizinischen Nachschlagewerken und Datenbanken sowie zu Tools, die die Recherche erleichtern, ergänzt. Videoelemente erläutern zusätzlich die einzelnen Inhalte und wichtigen Prüfkriterien informativ und verständlich. Der Leitfaden steht Journalisten kostenlos zur Verfügung und ist auch mobil auf Smartphones und Tablets einfach zu verwenden. Ein neuer Standard im Redaktionsalltag.
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Mediendoktor PRO - Rechercheservice zu medizinischen Themen


Im Regional- und Lokaljournalismus gibt es kaum Journalisten, die auf medizinische Themen spezialisiert sind, obgleich das öffentliche Interesse an Gesundheitsthemen gestiegen ist. Da Regionalmedien mit ihrer großen Reichweite entscheidenden Einfluss auf den Informationsstand eines Großteils der Bevölkerung haben, ist eine sorgfältige und gute Berichterstattung zu medizinischen Themen in diesen Medien besonders wichtig.

Die renommierte Monitoring-Plattform "Medien-Doktor" reagiert auf diese Situation mit einem individuellen, kostenfreien und unabhängigen Beratungsservice. Das Projekt "Medien-Doktor Pro" bietet gezielte Unterstützung bei der medizinjournalistischen Recherche von der Themenfindung über die Expertenansprache bis hin zur ressortübergreifenden Zusammenarbeit mit spezialisierten Wissenschaftsjournalisten anderer Medien. Neben dem Redakteur von "Medien-Doktor PRO" stehen den anfragenden Journalisten im Laufe der Recherche auch Gutachter für eine weitergehende Beratung zur Verfügung. Nach der Veröffentlichung wird der Beitrag auf www.medien-doktor.de zur Verfügung gestellt, damit auch andere Kollegen die Recherche später als Lernbeispiel nutzen können.
 
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Studie "Science Media Center Deutschland" - Brauchen wir eine zentrale Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Medien?

 
Bei aktuellen Ereignissen, in denen die Bevölkerung auf Expertenwissen zur Beurteilung einer Situation angewiesen ist, wie in der EHEC-Krise oder beim Reaktor-Unglück in Fukushima, geraten die Informationsroutinen zwischen Wissenschaft und Medien immer wieder ins Stocken. Spekulationen werden verbreitet, Risiken werden falsch eingeordnet, Hintergründe fehlen, "falsche" Experten melden sich zu Wort… In einer Explorationsstudie hat die Wissenschaftspressekonferenz untersucht, unter welchen Bedingungen ein Science Media Center (SMC) in solchen Phasen und darüber hinaus eine gewinnbringende Schnittstelle sein könnte.

Ein deutsches SMC sollte ein Dienstleistungsangebot unter wissenschaftsjournalistischer Federführung sein. Von Journalisten für Journalisten, aber mit Beratung durch die Wissenschaft. Es sollte Journalisten zeitnah mit wissenschaftsbasierter Orientierung versorgen und schnellen Zugang zu medienkompatiblen Experten vermitteln. Es sollte sich auf kontroverse und komplexe Themen fokussieren und verstärkt in diesen Debatten die Stimme der wissenschaftlichen Evidenz verstärken. So könnte es ein Qualitätspartner des Journalismus werden und seine Einordnungs- und Kritikfähigkeit stärken.
 
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Faktencheck - 3-tägige Live-Recherche zu einer kontroversen Frage mit wissenschaftlichem Hintergrund

 
Journalisten stehen insbesondere in der Pflicht, wenn es darum geht, Kontroversen medial zu begleiten und einen ausgewogenen Überblick über zentrale Argumente zu schaffen. Das Projekt "Faktencheck" nutzt dazu das in deutschen Online-Medien bisher nicht erprobte Format der Live-Recherche mit begleitender inhaltlich strukturierter Leserpartizipation.

In einem Zeitraum von drei Tagen führen Wissenschaftsjournalisten eine Recherche zu einer kontroversen Frage mit wissenschaftlichem Hintergrund durch. Die Kommentare, recherchierten Argumente und Ergebnisse werden inhaltlich strukturiert und ähnlich wie in einer Mind-Map in sogenannten Argumentkarten grafisch geordnet, um so möglichst schnell einen Überblick über die zentralen Punkte der Kontroverse bieten zu können. Am Ende steht ein interaktiv entstandenes journalistisches Produkt, das sowohl evidenz-basierte Antworten gibt, als auch den Prozess des Erkenntnisgewinns und der Meinungsvielfalt abbildet.

Die Recherchen werden in Kooperation mit der FAZ, dem Freitag und Telepolis realisiert und zusätzlich auf der Internetseite www.debattenprofis.de zur Verfügung gestellt.
 
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Forschungsquartett - Das Online-Radioprogramm zu Neuem aus der deutschen Forschungslandschaft

 
Rund 53 Mio Menschen in Deutschland hören regelmäßig Radio, eine wachsende Zahl vor allem junger Hörer im Internet.

Das "Forschungsquartett" von detector.fm ist die erste regelmäßige Wissenschaftssendung im privaten deutschen Webradio. Das Format blickt jede Woche auf neue Entwicklungen und Ergebnisse in der deutschen Forschungslandschaft. Die Macher reisen zu deutschen Forschungseinrichtungen und schauen jungen Wissenschaftlern vor Ort über die Schulter. Durch die Kombination von Fotostrecken, Text- und Audiobeiträgen werden Themen aus der Hirnforschung, den Umweltwissenschaften oder der Medizin crossmedial aufbereitet und ansprechend präsentiert.

Ziel der Sendung "Forschungsquartett" ist es, aktuelle Forschung sowie Wissenschaftlerpersönlichkeiten für eine junge Zielgruppe "hörbar" zu machen. Es wird aber nicht nur von neuesten Ergebnissen berichtet, sondern es sollen auch Hintergründe und Rahmenbedingungen von Forschung und Wissenschaft erläutert werden. Der Sender ist 2012 für seine "detektor.fm"-App, mit dem Deutschen Radiopreis des Grimme Instituts in der Kategorie "Beste Innovation" ausgezeichnet worden. Mithilfe der App können Inhalte einer Sendung interaktiv mitgestaltet werden.