Pressemeldungen 2011
Pressemitteilung

Worauf es jetzt in Europa ankommt: Friedrich Merz beim Stiftungsvortrag der Robert Bosch Stiftung

  • "Europas Zukunft entscheidet sich in diesen Wochen"
  • "Tiefpunkt der Finanzkrise ist noch nicht erreicht"

Stuttgart, 18. November 2011 - In der Vortragsreihe der Robert Bosch Stiftung "In Verantwortung für die Zukunft" war Friedrich Merz, Rechtsanwalt/Partner bei Mayer Brown LLP und Vorsitzender der Atlantik-Brücke e.V. zu Gast in Stuttgart. Sein Thema: "Worauf es jetzt in Europa ankommt".

Friedrich Merz warnte die europäische Staatengemeinschaft davor, in alte, nationale Politikmuster zurückzufallen und Europa aufzugeben. "Fehler in Griechenland, Portugal, Spanien und Italien sind keine nationalen Fehler anderer, sie betreffen uns alle." Merz sieht Staatsbankrotte aber auch als eine heilsame Erfahrung: Europa müsse jetzt die richtigen Schlussfolgerungen ziehen. Seit mehr als 35 Jahren lebten die westlichen Staaten über ihre Verhältnisse und gäben mehr Geld aus, als ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einbringt. "Wir haben keine Eurokrise, keine Dollarkrise - wir haben vielmehr eine Staatsschuldenkrise Europas und Amerikas", so Merz. "Unser westliches Gesellschaftsmodell steht auf dem Prüfstand." Als wesentlichen Grund für diese Krise nannte Friedrich Merz das Fehlen einer gemeinsamen Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik in Europa. Unterstützend zu milliardenschweren Hilfsprogrammen und Restrukturierungsmaßnahmen solle Europa über die Möglichkeit nachdenken, einen Mitgliedsstaat auf Zeit aus der Währungsunion ausscheiden zu lassen. Dazu fordert Merz: "Wenn wir über die Änderung der europäischen Verträge sprechen, müssen wir aber auch darüber sprechen, die alten überhaupt einzuhalten". Der Finanzexperte regte an, in Brüssel eine Institution zu schaffen, die über die Haushaltsdisziplin der Mitgliedsstaaten wache. Die Krise müsse Anlass sein, wieder auf das Verhältnis zwischen Leistung und Konsum zu achten. Es sei Zeit, so Merz, kritisch über eine Korrektur öffentlicher Haushalte nachzudenken.

Audio

Mitschnitt des Vortrags von Friedrich Merz, Einführung und Schlusswort von Dieter Berg, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch Stiftung.

Kontakt

Michael Herm
Telefon 0711 46084-29