Chancen - gleich!
Frühkindliche Bildung

Chancen - gleich!

Kulturelle Vielfalt als Ressource in frühkindlichen Bildungsprozessen - ein Qualifizierungsprogramm für pädagogische Fachkräfte

In Deutschland hat jedes dritte Kind unter sechs Jahren einen Migrationshintergrund. Diese Kinder sind nach wie vor von eingeschränkten Bildungschancen und besonderen Entwicklungsrisiken betroffen. Das gilt vor allem dann, wenn verschiedene Risikofaktoren zusammenkommen - allen voran geringe sozioökonomische Ressourcen.

Die Grundlage für eine erfolgreiche Bildungsbiografie wird bereits in den ersten Lebensjahren gelegt. In Kitas und Krippen sollen alle Kinder in ihrer individuellen Entwicklung gefördert werden. Sie sollen dabei unterstützt werden, ihre Potenziale ungehindert zu entfalten und ein positives Selbstbild zu entwickeln.

Um Kitas auf ihrem Weg zu einer kultursensiblen und für Familien mit Migrationshintergrund besonders entwicklungsförderlichen Einrichtung zu begleiten, hat die Robert Bosch Stiftung das Qualifizierungsprogramm „Chancen – gleich!“ ins Leben gerufen. Es unterstützt Fachkräfte in Kitas und Krippen dabei, die Ressourcen und Stärken, die Kinder und Familien aus ihren Kulturen, Sprachen und Lebenswelten mitbringen, für Bildungsprozesse zu nutzen.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren nahmen 28 Kitas an Teamfortbildungen und Praxisberatungen durch speziell für dieses Programm ausgebildete Multiplikatorinnen teil. Diese Fortbildungen sind seit Ende 2013 abgeschlossen und wurden evaluiert. Ziel ist es nun, ein bundesweites Netzwerk von Multiplikatoren aufzubauen, die ihrerseits die Inhalte und Methoden von „Chancen – gleich!“ an Kitas weitergeben. Dazu werden drei „Train the Trainer“-Schulungen sowie Seminare für Fachberatungen an unterschiedlichen Standorten angeboten. Die Veröffentlichung des Curriculums und der Materialien ist geplant.

Die Stiftung arbeitet mit dem Zentrum für Kinder- und Jugendforschung (ZfKJ) im Forschungs- und Innovationsverbund an der Evangelischen Hochschule Freiburg (FIVE e.V.) zusammen. Das ZfKJ hat das Curriculum und die Materialien entwickelt und das Programm wissenschaftlich begleitet.

Weitere Informationen

Ansprechpartner

Zentrum für Kinder- und Jugendforschung (ZfKJ)
Bugginger Straße 38
79114 Freiburg
Telefon 0761 47812- 42

Kontakt in der Stiftung

Julia Hoeter
Telefon 0711 46084-133
"Chancen - gleich!" greift die Stärken der kulturellen Vielfalt in der frühkindlichen Bildung auf. Pädagogische Fachkräfte in Kitas werden in vier Modulen qualifiziert, in den Herausforderungen der interkulturellen Öffnung Chancen zu erkennen und zu nutzen. Sie setzen sich mit theoretischen Grundlagen, ihrer Haltung und ihren Einrichtungskulturen auseinander. Die Fachkräfte erarbeiten sich didaktische und methodische Ansätze für die individuelle Entwicklungsbegleitung in heterogenen Gruppen, in denen sich die Stärken aller Kinder entfalten können. Sie verstehen die Herkunft, die Lebensrealitäten und die Alltagserfahrungen der Kinder und ihrer Familien als wertvolle Ressource und nutzen diese für Bildungsprozesse. Wissen, Haltung und Methodenkenntnis der Fachkräfte bilden die Grundlage für einen wertschätzenden Dialog mit Kindern und Eltern. Dabei ist die Qualifizierung der Fachkräfte in einen Prozess der Organisationsentwicklung eingebettet - mit dem Ziel einer kultursensiblen und für Familien mit Migrationshintergrund besonders entwicklungsförderlichen Kita.
Die vier Module der Qualifizierung:
Modul I: Grundlagen
Ziel:
Die Fachkräfte verfügen über grundlegendes theoretisches Wissen und nutzen es für den professionellen Umgang mit Vielfalt. Sie reflektieren auf dieser Grundlage ihre eigenen Erfahrungen, ihre Überzeugungen und ihre professionelle Haltung. Sie sind in der Lage, gesellschaftliche und institutionelle Zugangsbarrieren zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

Inhalte und Methoden:
- Fundierte Auseinandersetzung mit spezifischem Theoriewissen auf dem aktuellen Forschungsstand
- Einstellung und Haltung gegenüber Vielfalt und Differenzen
- Selbstreflexiver Umgang mit gesellschaftlichen, institutionellen, kulturellen und familiären Bedingungen im Kontext von Migration(sgeschichte)
Modul II: Zusammenarbeit mit Eltern
Ziel:
Die Fachkräfte gestalten gemeinsam mit den Eltern einen sozialen Raum der Begegnung, der von gegenseitigem Interesse und Wertschätzung geprägt ist und der Mitbestimmung und Mitgestaltung für alle Eltern ermöglicht. Sie verfügen über ein komplexes Verständnis der Bedeutung der Lebenssituationen von Familien für die kindliche Entwicklung.

Inhalte und Methoden:
- Wertschätzende Wahrnehmung unterschiedlicher Lebensrealitäten und Erziehungsorientierungen der Eltern
- Abbau von Zugangsbarrieren, die die Partizipation der Eltern erschweren oder verhindern
- Entwicklung neuer Perspektiven auf die Zusammenarbeit mit Eltern
- Reflexion eigener Familienbilder
Modul III: Pädagogische Arbeit mit Kindern
Ziel:
Die Fachkräfte können Vielfalt und Verschiedenheit auf allen Ebenen ihrer didaktischen Konzeption und im pädagogischen Alltagshandeln berücksichtigen und sichtbar machen. So können sie Aktivitäten und Bildungsangebote an den je individuellen Realitäten, in denen das Kind lebt, ausrichten und die Handlungsmöglichkeiten der Kinder auf Grundlage ihrer Ressourcenvielfalt erweitern.

Inhalte und Methoden:
- Kennenlernen kulturspezifischer Einflüsse auf die kindlichen Entwicklungsverläufe
- Klärung der daraus entstehenden Anforderungen an das pädagogische Handeln
- Auseinandersetzung mit Mehrsprachigkeit und der Gestaltung einer sprachanregenden Umgebung
- Entwicklung und Modifizierung der Erziehungsziele und -strategien
Modul IV: Vernetzung und Kooperation
Ziel:
Die pädagogischen Fachkräfte können mit Unterstützung des Trägers und der Einrichtungsleitung eine bedarfsorientierte Vernetzungsstruktur aufbauen, um Ressourcen gewinnbringend für alle Beteiligten einzusetzen. Sie richten ihren Blick dabei insbesondere auf Möglichkeiten des Abbaus von Zugangsbarrieren und der gemeinschaftlichen Gestaltung von kultursensibler Übergangsgestaltung.

Inhalte und Methoden:
- Kennenlernen der Motive und Bedingungen für erfolgreiche Vernetzung
- Erstellung von Situations-, Bedarfs- und Netzwerkanalysen
- Aus- bzw. Aufbau von Kooperationen und Netzwerken, die zur Verbesserung der Chancen von Kindern mit Migrationsgeschichte beitragen
In Kooperation mit der Evangelischen Kirche in Stuttgart, dem Jugendamt der Landeshauptstadt Stuttgart und der Katholischen Kirche in Stuttgart wurden in insgesamt 28 evangelischen, katholischen und kommunalen Kitas in Stuttgart Fortbildungen durchgeführt. Über einen Zeitraum von zwei Jahren nahmen ab 2012 die pädagogischen Fachkräfte im Gesamtteam an acht Fortbildungstagen teil. Aus den Fortbildungen ergaben sich konkrete Zielbeschreibungen und Arbeitsaufträge für die einzelnen Einrichtungen, die mit Unterstützung einer Praxisbegleitung umgesetzt wurden. Die Kita-Leitungen übernahmen eine tragende Rolle im Prozess und wurden darauf besonders vorbereitet.

Spezifisch geschulte Multiplikatorinnen, die in die Fachberatungen der beteiligten Träger eingebunden waren, führten die Fortbildungen und Praxisbegleitung durch. Den beteiligten Einrichtungen standen Fördermittel zur Verfügung, um Projekte zu realisieren, die sich aus den Fortbildungen oder im Rahmen der Praxisbegleitung ergaben.

Das Programm wurde von der Universität Tübingen, Institut für Erziehungswissenschaft, evaluiert.
Diese 28 Kitas haben an „Chancen – gleich!“ teilgenommen:

Evangelische Kirche in Stuttgart

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Die beteiligten Kitas

Ursula Pfäfflin Kindergarten
Pauluskindergarten
Evangelischer Stöckach-Kiga
Evangelische Kindertagesstätte Leonhard
Evangelischer Kindergarten Pelikanstraße
Evangelischer Kindergarten Güglinger Str.
Evangelischer Kindergarten Kirchengemeinde Plieningen-Hohenheim
Evangelischer Andreakindergarten

Landeshauptstadt Stuttgart

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Jugendamt der Stadt Stuttgart

Die beteiligten Kitas

Tageseinrichtung für Kinder
Nobileweg 18
"Pegasus"
Tageseinrichtung für Kinder
Dr.-Herbert-Czaja-Weg 10
Tageseinrichtung für Kinder
Dr.-Herbert-Czaja-Weg 8
Tageseinrichtung für Kinder
Elsässer Str. 8
Tageseinrichtung für Kinder
Franz-Schubert-Strasse 15
Tageseinrichtung für Kinder
Fleiner Straße 80
Tageseinrichtung für Kinder
Bismarckstrasse 53/1
Tageseinrichtung für Kinder
Schwabstr. 61
Tageseinrichtung für Kinder
Ebersbacher Straße 6/Geislinger Straße 45

Katholische Kirche in Stuttgart

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Caritasverband für Stuttgart e.V.

Die beteiligten Kitas

Kinderkrippe Nordstern, Stuttgart-Nord
Kinderzentrum St. Josef, Stuttgart-Ost
Kinderhaus Wirbelwind
Kinderhaus St. Stefan
Early-Excellence-Zentrum für Kinder und ihre Familien
Katholische Kita St. Ottilia, Stuttgart-Münster
Katholische Kindertagesstätte St. Georg, Stuttgart-Nord
Katholische Kindertagesstätte St. Augustinus, Stuttgart-Neugereut
Katholischer Kindergarten St. Johannes M. Vianney, Stuttgart-Mönchfeld
Katholischer Kindergarten St. Fidelis, Stuttgart-West
Katholischer Kindergarten St. Christophorus, Stuttgart-Wangen
Katholischer Kindergarten Franz von Assisi, Stuttgart-Stammheim
Bei der Abschlussveranstaltung am 22. Mai 2014 im Bosch Haus Heidehof wurden die Akteure für ihr großes Engagement im Programm „Chancen – gleich!“ ausgezeichnet. Inhalte und Methoden der Qualifizierung, die Umsetzung in den Kitas und die Ergebnisse der Evaluierung wurden vorgestellt.

Bildergalerie

Foto: Robert Thiele 
Das Programm wurde von der Universität Tübingen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Institut für Erziehungswissenschaft, evaluiert.