Grenzgänger Europa und seine Nachbarn

Jan Koneffke:

Die sieben Leben des Felix Kannmacher

In einer Zeit, in der niemand sicher sein kann, wen er vor sich hat, ist sich der Held dieses Romans nicht sicher, wer er selbst ist: Felix Kannmacher oder Johann Gottwald. Im Herbst 1934 wird Felix Kannmacher vom Pianisten Victor Marcu aus dem Deutschen Reich geschmuggelt und erhält in Bukarest eine neue Identität. Als Johann Gottwald wird er die "Kinderfrau" von Marcus Tochter Virginia, bei der er sich schnell als großer Geschichtenerzähler beliebt macht. Als die Freundschaft zwischen beiden enger wird, entlässt ihn der eifersüchtige Vater, und plötzlich ist Kannmacher ganz allein in einem fremden Land. Und so schlägt er sich unter falschem Namen durch: als Kellner im größten Kasino von Bukarest, er arbeitet als Sekretär für die Nazis und versteckt sich in einem Kloster am Rand der Karpaten. Doch in jeder Identität, die sein Schicksal ihm gerade aufbürdet, immer bleibt die Verbindung zwischen ihm und Virginia bestehen, die bald zu einer berühmten Schauspielerin heranwächst. "Die sieben Leben des Felix Kannmacher" ist ein historisches Schelmenstück, ein Hohelied auf die Liebe und ein berührendes Künstlerepos zugleich.

Die Recherche
"Die Recherchen für den Roman 'Die sieben Leben des Felix Kannmacher' erstreckten sich über zehn Lektürejahre rumänisch-, deutscher und englischsprachiger Titel. Zunächst einmal galt es, in der rumänischen Zwischenkriegs- und Kriegszeit, in der das Buch spielt, historisch und alltagsgeschichtlich 'heimisch' zu werden. Das Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung ermöglichte in erster Linie einen Aufenthalt an der Schwarzmeerküste, in Baltschik (heute bulgarisch, seinerzeit rumänisch), an dem die Romanhandlung ihren Anfang nimmt, sowie weiterführende Recherchen in Bukarest, an Ort und Stelle des Romangeschehens, und in den Antiquariaten der rumänischen Hauptstadt. Dabei entstand ein ansehnlicher Handapparat aus alten Postkarten, historischen Reiseführern (u.a. einem in deutscher Sprache aus dem Jahre 1934) und Stadtplänen mit Restaurant-, Institutionen- und Firmenverzeichnissen der Zeit. Selbstredend gehörte zur Recherchearbeit aber auch das Gespräch, sei es mit Zeitzeugen, sei es mit Spezialisten der Alltagsgeschichte, etwa mit der Schriftstellerin und Essayistin Ioana Pârvulescu."

Zum Autor
Jan Koneffke wurde 1960 in Darmstadt geboren. Er studierte Philosophie und Germanistik in Berlin und verbrachte nach einem Villa-Massimo-Stipendium weitere sieben Jahre in Rom. Heute lebt er als Schriftsteller, Publizist und Übersetzer aus dem Italienischen und Rumänischen in Wien und Bukarest. Er erhielt mehrere literarische Auszeichnungen (u.a. Leonce-und-Lena-Preis, Friedrich-Hölderlin-Förderpreis, Peter-Suhrkamp-Stipendium, Offenbacher Literaturpreis) und veröffentlichte bislang 15 Bücher, darunter Gedichtbände, Romane, Erzählungen und Kinderbücher.

Die sieben Leben des Felix Kannmacher
Roman
Dumont Buchverlag
512 Seiten
Erscheinungsdatum: 24.08.2011
ISBN: 978-3-8321-9685-4

Weitere Informationen

Cristina und Jan Koneffke