UWC Robert Bosch College

Das erste United World College (UWC) in Deutschland
Eröffnung des UWC Robert Bosch College

Das erste United World College (UWC) in Deutschland startet: Am 23. September eröffnet die Robert Bosch Stiftung zusammen mit der Deutschen Stiftung UWC das "UWC Robert Bosch College" in Freiburg.

Die Schule beginnt ihren Betrieb genau drei Jahre nach dem Spatenstich, der zu Robert Boschs 150. Geburtstag im Jahr 2011 stattfand. Das UWC Robert Bosch College ist eine Oberstufenschule für begabte Kinder aus der ganzen Welt. 200 Schüler verschiedener Nationalitäten leben und lernen hier gemeinsam und erwerben einen international anerkannten Schulabschluss. Alle Schüler werden von den unabhängigen UWC Nationalkomitees ausschließlich nach Eignung und Begabung ausgewählt. Stipendien stellen sicher, dass das Einkommen der Eltern bei der Vergabe keine Rolle spielt.

Das UWC ist das größte Einzelprojekt in der Geschichte der Robert Bosch Stiftung, das sie gemeinsam mit der Robert Bosch GmbH ermöglicht.

Kontakt

Michael Schulze
Telefon 0711 46084-250
Spatenstich zum 150. Geburtstag von Robert Bosch
Neues Oberstufenkolleg für 200 Schüler aus der ganzen Welt in Freiburg

Aus einem alten Kloster in Freiburg wird eine internationale Schule: Das erste United World College (UWC) in Deutschland entsteht. "Mit ihrem Konzept sind die Schulen einmalig auf der Welt", sagt Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung. "Es passt ideal zu Robert Bosch, der sich in seinem eigenen Unternehmen aber auch darüber hinaus sehr für Bildung stark gemacht hat." Die Robert Bosch Stiftung ermöglicht die Einrichtung der Schule in Freiburg gemeinsam mit dem Unternehmen, der Robert Bosch GmbH, anlässlich des 150. Geburtstags von Robert Bosch.

Das UWC ist eine Oberstufenschule für begabte Kinder aus der ganzen Welt. Ab dem Jahr 2014 sollen in Freiburg 200 Schüler der Jahrgangsstufen 11 und 12 gemeinsam leben, lernen und einen international anerkannten Schulabschluss erwerben. Alle Schüler werden von den unabhängigen UWC Nationalkomitees ausschließlich nach Eignung und Begabung ausgewählt. Stipendien stellen sicher, dass das Einkommen der Eltern bei der Vergabe keine Rolle spielt.

Bislang gibt es 12 UWCs weltweit, beispielsweise in den Niederlanden, den USA und Swaziland. Das UWC in Freiburg soll in der Ausbildung einen Schwerpunkt auf die Themen Umwelt und Technik legen. Die Investitionskosten zur Einrichtung der Schule liegen bei rund 40 Millionen Euro.

Bildergalerie

Robert Bosch Stiftung/Albert Josef Schmidt
Festakt in der ehemaligen Klosterkapelle
Robert Bosch Stiftung/Albert Josef Schmidt
Christof Bosch enthüllt am 150. Geburtstag seines Großvaters Robert Bosch den Namen des künftigen UWC: Robert Bosch College
Robert Bosch Stiftung/Albert Josef Schmidt
Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung
Robert Bosch Stiftung/Albert Josef Schmidt
Kurt Liedtke, Vorsitzender des Kuratoriums der Robert Bosch Stiftung, Jens Waltermann, Vorstandsvorsitzender Deutsche Stiftung UWC, und Architekt Peter Kulka
Robert Bosch Stiftung/Albert Josef Schmidt
Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon
Robert Bosch Stiftung/Albert Josef Schmidt
Spatenstich für das "Robert Bosch College" neben dem ehemaligen Kloster
Robert Bosch Stiftung/Albert Josef Schmidt
Spatenstich für das "Robert Bosch College" am 23. September 2011 in Freiburg
Luftbild der Kartause - ein ehemaliges Kloster des Kartäuserordens im Freiburger Stadtteil Waldsee wird zum United World College (UWC) umgebaut
Foto: Peter Walser
Modell des künftigen UWC in Freiburg: In der Mitte die alte Kartause, rechts der neue Wohnbereich für die Schüler
Hotz + Architekten (Freiburg) und Peter Kulka Architektur Köln
Visualisierung des künftigen UWC in Freiburg

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Michael Schulze
Telefon 0711 46084-250
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150 Jahre
Robert Bosch
Robert Bosch und die "Bildung des Herzens"
Warum passt das UWC so gut zu Robert Bosch und dessen 150. Geburtstag in diesem Jahr? Fragen an seinen Enkel Christof Bosch, der den Großvater als „nüchternen Idealisten“ sieht.

Sie haben sich bei Stiftung und Unternehmen dafür eingesetzt, zum 150. Geburtstag Ihres Großvaters Robert Bosch das erste UWC in Deutschland einzurichten. Woher kommt Ihre Begeisterung für das Projekt?
Das Zeitalter der Globalisierung braucht auch eine Globalisierung der Bildung. Globalisierung der Bildung darf aber nicht Austauschbarkeit und Nivellierung bedeuten, sondern eine globale Vernetzung in jungen Jahren, die ein intellektuelles und emotionales Verständnis für die Vielfalt und die Gemeinsamkeit der Nationen und Kulturen ermöglicht. Als ich UWC kennenlernte, sah ich gleich: Hier wird diese Aufgabe vorbildlich gelöst.

Würden Sie in einem UWC gern noch einmal die Schulbank drücken?
Ich täte mich schwer mit den spartanischen Bedingungen. Vier Schüler aus vier Nationen leben normalerweise in einem Zimmer. Jede Nacht spätabends ins obere Stockbett kriechen nach einem Tag mit so viel Lernen, wie es das UWC bietet und fordert? Ich zweifele, ob ich das noch könnte. Locken würde mich der Versuch aber durchaus!

Warum passt das UWC gut zu Ihrem Großvater Robert Bosch und dessen Engagement für die Bildung?
Robert Bosch war ein nüchterner Idealist. In der Bildungsarbeit ging es ihm um persönlich und fachlich kompetente Menschen, um die "Bildung des Herzens, die Anerkennung des Rechtes und des Wertes anderer". Genau das vermittelt ein UWC in einzigartiger Weise, und es tut dies im globalen Rahmen, so wie mein Großvater seine Firma schon vor über 100 Jahren aufstellte.

Das Grundkonzept für das UWC stammt vom Pädagogen Kurt Hahn, einem Weggefährten Ihres Großvaters. Das ist nun schon einige Jahre her. Warum ist das UWC auch heute im 21. Jahrhundert eine fortschrittliche Einrichtung?
Aus der internationalen Verständigung, der sich Kurt Hahn und seine Mitstreiter mitten im Kalten Krieg angenommen haben, ist die noch weit umfassendere Aufgabe der interkulturellen Verständigung geworden. Wir können unsere globalen Herausforderungen nur noch gemeinsam bewältigen, und der einzige Weg geht über die Jugend. Was Hahn für den Ost-West-Konflikt erkannt hatte, gilt heute umso mehr.

Die Stiftung zeichnet jährlich die besten Schulen Deutschlands mit dem Deutschen Schulpreis aus und zeigt: Gute Schule ist machbar. Wie kann das UWC die deutsche Schullandschaft bereichern?
Beide Initiativen werden sich befruchten. Das UWC wird internationale Farbe und Anregung in die deutsche Schullandschaft tragen, wird zeigen, wie scheinbar Unmögliches - eine Schule mit rund 80 Nationen unter einem Dach - möglich wird, wenn der Funken für das gemeinsame Lernen überspringt. Und die Schulpreis-Schulen werden hervorragende pädagogische Ideen und Erfahrungen einbringen.

Das UWC in Freiburg wird einen besonderen Schwerpunkt auf die Themen „Umwelt und Technik“ legen. Warum sind diese Themen heute wichtig?
Technik hat den Sinn, unser Leben besser zu machen, sonst könnten wir auf sie verzichten. Unsere technische Zivilisation hat dies aber im großen Maß auf Kosten unserer Umwelt getan. Nun sind wir mit den Folgen konfrontiert, die zunehmend das Leben auf unserer Erde gefährden. Unsere Technik hat die Chance, immer mehr "Technik fürs Leben" zu werden, eine Technik, die nicht nur uns nützt, sondern auch unserer Umwelt, denn sonst sägen wir den Ast ab, auf dem wir sitzen.

(Bosch Zünder 4/2011)
Christof Bosch wurde am 18. Januar 1959 in Stuttgart, Deutschland, geboren. Er studierte Forstwissenschaften und Philosophie in München und promovierte 1986 über ein bodenkundliches Thema. Mit dem ehemaligen Boschhof betreibt er bis heute eine Land- und Forstwirtschaft. Christof Bosch baute ein analytisches Labor und Planungsbüro für Landnutzungsfragen auf und war international als Gutachter tätig. Seit Ende der 90er-Jahre vertritt er die Interessen der Familie Bosch im Unternehmen und ist Gesellschafter der Robert Bosch Stiftung und der Robert Bosch Industrietreuhand KG. Christof Bosch ist verheiratet und hat drei Kinder.
Laurence, you will settle in Freiburg this late summer. You will change schools, country, continents and culture and you will be an African in Europe. How do you feel about this transition?
Apart from a 5-month sabbatical based at UWC-USA, I have lived all my life in Southern Africa. Some of my cultural background is European. For instance I have a deep enjoyment of baroque and classical music and my favourite composers mostly are from Central Europe – Bach, Mozart, Beethoven. Yet other aspects of me are African, for instance I try to treasure a sense of ‘Ubuntu’. According to Archbishop Desmond Tutu, “ubuntu speaks particularly about the fact that you can't exist as a human being in isolation. It speaks about our interconnectedness. You can't be human all by yourself, and when you have this quality – Ubuntu – you are known for your generosity. We think of ourselves far too frequently as just individuals, separated from one another, whereas you are connected and what you do affects the whole world. When you do well, it spreads out; it is for the whole of humanity”. The best of what it means to be African fits in well with the notion of community and responsibility that are at the centre of a UWC experience. What I discovered at my sabbatical at UWC-USA was that I could fall in love with, identify with and respect another place, another community of people, another society, even though there were things that I might find unfamiliar and even at times frustrating. It will only be my wife Debbie and I who move to Freiburg, since our three children are attending Universities and Colleges. And I hope that when Debbie and I move to Freiburg, people will find us open to a new, German, way of life, willing to engage, willing to become responsible citizens of that city, of Baden-Württemberg, of Germany. I am confident that if we are open, engaged, willing to be responsible citizens, we will receive a warm welcome and be made to feel at home. I am looking forward to Freiburg, because it will be an exciting professional challenge in a fabulous location. And Debbie is looking forward in particular to the move since she is an artist. It will be great for her to move to a place where there is a wider participation in the arts and many possibilities to explore her deep interest in that.

You have visited Freiburg for a couple of days in January 2012: What was your impression of the new location for a potential UWC?
When I visited Freiburg things really fell into place. Before my visit I had just seen the plans, but then it all made sense: The Kartaus and the grounds, Freiburg and the surrounding villages and the focus of the region on sustainability. It seems to me that this is a part of the world with a sense of history, rootedness and productivity. Christian Hodeige also took me to the neighbouring villages and it seemed to me that this is a part of the world with a sense of history, rootedness and productivity. I talked to a winegrower, who explained to me how many winegrowers are moving away from huge commercial agriculture to smaller but personalised productions. And this theme of sustainability seems to be present everywhere in the region.

Before, you talked about the College in Freiburg being a professional challenge for you: Why are you interested in this challenge?
Every principal dreams of the opportunity to build a college from scratch. You are not given the compromises that other people have made in the years before. You start with a fresh sheet of people. And you are working out with people, both the adults – the Board, advisory committees, wider society – and of course with the students, what could represent an ideal community. That is the challenge and the promise that this project holds. In ten years time I will be able to look at what is there and say: I had a strong role in the making of that. And that is a wonderful challenge in one’s life. Of course the road won’t always be even: Part of the upcoming challenges will be, that even though people will come to the College with a sense of hope and idealism, we all come from different backgrounds and we will have competing ideas about what it should look like. But it is this process of engagement with others that is difficult but rewarding as people work things out. And something special of course at Freiburg will be the focus on sustainability. Every UWC embraces the notion of that in some way or the other. But none of them have been founded with an eye on it as a key issue. To build that in from the very core rather than a philosophy that gets tagged on, will be very exciting. Waterford Khamlaba for example was founded as the first non-racial school in Southern Africa. And that is different than bringing non-racialism in as an add-on. A model with an add-on is always a slightly compromised model.

You have been committed to UWC as the Head of Waterford for thirteen years now. With all your experience in education, why do you think UWCs are needed nowadays? Many IB schools and international schools are being founded that also offer programmes with a focus on IB and service. Why should we widen the movement?
You got me on one of my favourite topics. Atlantic College 50 years ago started on a particular response. At the time it was founded, the conflict especially in Europe and North America was between nations that relatively recently had been at war and where now experiencing a cold war. The same is the case with Waterford Kamhlaba. The threat to peace at that time in Southern Africa was apartheid, because people were forced to be separated. So these two Colleges both started with a need to peace and their response fitted the situation we found ourselves in. 50 years on some of those threats still remain. But in my opinion the threat to peace today mostly means the division between people and between different components of society. UWC gives you the real opportunity to have a much clearer idea of the root causes. We should grow our National Committee system to not select people simply representing nations, but the tensions in and across our own society. That makes it possible to re-examine the world and respond to the threats of peace today. Those threats today are also the irresponsible use of the resources of the world or that we are taking from the world in a way that is not sustainable. And we can address this in our selection and in our curriculum. For example: In one way we could select students from countries and parts of countries where there is little awareness about sustainability and bring those students to a College, where those students gain a much deeper and profound understanding and can go back to their communities as agents of change. For example: The closest town in South Africa to Waterford Kamhlaba is Carolina where there is a new coal mine. Acid has leached from the coal mine into the ground water. Carolina is now in a position where it has no drinking water. So every day trucks supply the people with 5 litres water each. Imagine we would give a scholarship to a student from South Africa, say from a town like Carolina, and that student through their studies could come back and have a role to play in that community.

Interview by Janna Pinsker
Laurence Nodder (Jahrgang 1958) wird ab dem Spätsommer 2012 das Schulteam für das Robert Bosch College zusammenstellen und ein detailliertes Konzept für das künftige United World College (UWC) erarbeiten.

Nodder leitete in den vergangenen 12 Jahren in Swaziland das Waterford Kamhlaba UWC. Es ist mit rund 600 Schülern eines der größten United World Colleges weltweit. Der Südafrikaner hat an der Universität von Cape Town studiert und ist Lehrer für Mathematik und Englisch. Er begann seine Karriere 1982 an der Kingsgate High School in Lesotho. Als Lehrer und Schulleiter an verschiedenen Internaten in Südafrika sammelte Nodder über drei Jahrzehnte pädagogische Erfahrungen insbesondere in der Arbeit mit einer multinational zusammengesetzten Schüler- und Lehrerschaft. Er setzt sich darüber hinaus dafür ein, Jugendliche unterschiedlicher Milieus an einer Schule zusammenzubringen. In seinem Heimatland beteiligte sich Nodder an Bildungsprojekten zur Überwindung der Rassentrennung und an verschiedenen sozialen Vorhaben.