Das erste United World College (UWC) in Deutschland

Spatenstich zum 150. Geburtstag von Robert Bosch am 23. September 2011
Neues Oberstufenkolleg für 200 Schüler aus der ganzen Welt in Freiburg

Aus einem alten Kloster in Freiburg wird eine internationale Schule: Das erste United World College (UWC) in Deutschland entsteht. "Mit ihrem Konzept sind die Schulen einmalig auf der Welt", sagt Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung. "Es passt ideal zu Robert Bosch, der sich in seinem eigenen Unternehmen aber auch darüber hinaus sehr für Bildung stark gemacht hat." Die Robert Bosch Stiftung ermöglicht die Einrichtung der Schule in Freiburg gemeinsam mit dem Unternehmen, der Robert Bosch GmbH, anlässlich des 150. Geburtstags von Robert Bosch am 23. September 2011.

Das UWC ist eine Oberstufenschule für begabte Kinder aus der ganzen Welt. Ab dem Jahr 2014 sollen in Freiburg 200 Schüler der Jahrgangsstufen 11 und 12 gemeinsam leben, lernen und einen international anerkannten Schulabschluss erwerben. Alle Schüler werden von den unabhängigen UWC Nationalkomitees ausschließlich nach Eignung und Begabung ausgewählt. Stipendien stellen sicher, dass das Einkommen der Eltern bei der Vergabe keine Rolle spielt.

Bislang gibt es 13 UWCs weltweit, beispielsweise in den Niederlanden, den USA und Südafrika. Das UWC in Freiburg soll in der Ausbildung einen Schwerpunkt auf die Themen Umwelt und Technik legen. Die Investitionskosten zur Einrichtung der Schule liegen bei rund 40 Millionen Euro. (Foto: Deutsche Stiftung UWC)

Bildergalerie

Robert Bosch Stiftung/Albert Josef Schmidt
Festakt in der ehemaligen Klosterkapelle
Robert Bosch Stiftung/Albert Josef Schmidt
Christof Bosch enthüllt am 150. Geburtstag seines Großvaters Robert Bosch den Namen des künftigen UWC: Robert Bosch College
Robert Bosch Stiftung/Albert Josef Schmidt
Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung
Robert Bosch Stiftung/Albert Josef Schmidt
Kurt Liedtke, Vorsitzender des Kuratoriums der Robert Bosch Stiftung, Jens Waltermann, Vorstandsvorsitzender Deutsche Stiftung UWC, und Architekt Peter Kulka
Robert Bosch Stiftung/Albert Josef Schmidt
Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon
Robert Bosch Stiftung/Albert Josef Schmidt
Spatenstich für das "Robert Bosch College" neben dem ehemaligen Kloster
Robert Bosch Stiftung/Albert Josef Schmidt
Spatenstich für das "Robert Bosch College" am 23. September 2011 in Freiburg
Luftbild der Kartause - ein ehemaliges Kloster des Kartäuserordens im Freiburger Stadtteil Waldsee wird zum United World College (UWC) umgebaut
Foto: Peter Walser
Modell des künftigen UWC in Freiburg: In der Mitte die alte Kartause, rechts der neue Wohnbereich für die Schüler
Hotz + Architekten (Freiburg) und Peter Kulka Architektur Köln
Visualisierung des künftigen UWC in Freiburg
Robert Bosch und die "Bildung des Herzens"
Warum passt das UWC so gut zu Robert Bosch und dessen 150. Geburtstag in diesem Jahr? Fragen an seinen Enkel Christof Bosch, der den Großvater als „nüchternen Idealisten“ sieht.

Sie haben sich bei Stiftung und Unternehmen dafür eingesetzt, zum 150. Geburtstag Ihres Großvaters Robert Bosch das erste UWC in Deutschland einzurichten. Woher kommt Ihre Begeisterung für das Projekt?
Das Zeitalter der Globalisierung braucht auch eine Globalisierung der Bildung. Globalisierung der Bildung darf aber nicht Austauschbarkeit und Nivellierung bedeuten, sondern eine globale Vernetzung in jungen Jahren, die ein intellektuelles und emotionales Verständnis für die Vielfalt und die Gemeinsamkeit der Nationen und Kulturen ermöglicht. Als ich UWC kennenlernte, sah ich gleich: Hier wird diese Aufgabe vorbildlich gelöst.

Würden Sie in einem UWC gern noch einmal die Schulbank drücken?
Ich täte mich schwer mit den spartanischen Bedingungen. Vier Schüler aus vier Nationen leben normalerweise in einem Zimmer. Jede Nacht spätabends ins obere Stockbett kriechen nach einem Tag mit so viel Lernen, wie es das UWC bietet und fordert? Ich zweifele, ob ich das noch könnte. Locken würde mich der Versuch aber durchaus!

Warum passt das UWC gut zu Ihrem Großvater Robert Bosch und dessen Engagement für die Bildung?
Robert Bosch war ein nüchterner Idealist. In der Bildungsarbeit ging es ihm um persönlich und fachlich kompetente Menschen, um die "Bildung des Herzens, die Anerkennung des Rechtes und des Wertes anderer". Genau das vermittelt ein UWC in einzigartiger Weise, und es tut dies im globalen Rahmen, so wie mein Großvater seine Firma schon vor über 100 Jahren aufstellte.

Das Grundkonzept für das UWC stammt vom Pädagogen Kurt Hahn, einem Weggefährten Ihres Großvaters. Das ist nun schon einige Jahre her. Warum ist das UWC auch heute im 21. Jahrhundert eine fortschrittliche Einrichtung?
Aus der internationalen Verständigung, der sich Kurt Hahn und seine Mitstreiter mitten im Kalten Krieg angenommen haben, ist die noch weit umfassendere Aufgabe der interkulturellen Verständigung geworden. Wir können unsere globalen Herausforderungen nur noch gemeinsam bewältigen, und der einzige Weg geht über die Jugend. Was Hahn für den Ost-West-Konflikt erkannt hatte, gilt heute umso mehr.

Die Stiftung zeichnet jährlich die besten Schulen Deutschlands mit dem Deutschen Schulpreis aus und zeigt: Gute Schule ist machbar. Wie kann das UWC die deutsche Schullandschaft bereichern?
Beide Initiativen werden sich befruchten. Das UWC wird internationale Farbe und Anregung in die deutsche Schullandschaft tragen, wird zeigen, wie scheinbar Unmögliches - eine Schule mit rund 80 Nationen unter einem Dach - möglich wird, wenn der Funken für das gemeinsame Lernen überspringt. Und die Schulpreis-Schulen werden hervorragende pädagogische Ideen und Erfahrungen einbringen.

Das UWC in Freiburg wird einen besonderen Schwerpunkt auf die Themen „Umwelt und Technik“ legen. Warum sind diese Themen heute wichtig?
Technik hat den Sinn, unser Leben besser zu machen, sonst könnten wir auf sie verzichten. Unsere technische Zivilisation hat dies aber im großen Maß auf Kosten unserer Umwelt getan. Nun sind wir mit den Folgen konfrontiert, die zunehmend das Leben auf unserer Erde gefährden. Unsere Technik hat die Chance, immer mehr "Technik fürs Leben" zu werden, eine Technik, die nicht nur uns nützt, sondern auch unserer Umwelt, denn sonst sägen wir den Ast ab, auf dem wir sitzen.

(Bosch Zünder 4/2011)
Christof Bosch wurde am 18. Januar 1959 in Stuttgart, Deutschland, geboren. Er studierte Forstwissenschaften und Philosophie in München und promovierte 1986 über ein bodenkundliches Thema. Mit dem ehemaligen Boschhof betreibt er bis heute eine Land- und Forstwirtschaft. Christof Bosch baute ein analytisches Labor und Planungsbüro für Landnutzungsfragen auf und war international als Gutachter tätig. Seit Ende der 90er-Jahre vertritt er die Interessen der Familie Bosch im Unternehmen und ist Gesellschafter der Robert Bosch Stiftung und der Robert Bosch Industrietreuhand KG. Christof Bosch ist verheiratet und hat drei Kinder.