Pressemeldungen 2011
Pressemitteilung

27. Adelbert-von-Chamisso-Preis in München verliehen

Stuttgart, 16. März 2011 - Der in Luxemburg geborene Dichter Jean Krier ist heute mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis 2011 der Robert Bosch Stiftung ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert. Jean Krier wurde für sein bisheriges Gesamtwerk geehrt, mit dem er laut der Jury auf originelle und beeindruckende Weise die deutschsprachige Lyrik bereichert. Die bei Krasnojarsk (Sibirien) geborene Lyrikerin und Schriftstellerin Olga Martynova und der in Zagreb geborene Schriftsteller und Journalist Nicol Ljubić erhielten Förderpreise in Höhe von jeweils 7.000 Euro. Mit dem Chamisso-Preis würdigt die Robert Bosch Stiftung seit 1985 und damit zum 27. Mal deutsch schreibende Autoren, deren Muttersprache oder kulturelle Herkunft nicht die deutsche ist. Die Auszeichnungen wurden am Abend bei einem Festakt mit rund 400 geladenen Gästen aus Kultur, Wirtschaft und Politik in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz verliehen.

„Mit unserem Preis ehren wir eine ganz besondere Autorengruppe“, sagte Dr. Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung bei der Preisverleihung. „Die Chamisso-Preisträger zeigen seit 26 Jahren, dass Literatur und Sprache zur Verständigung zwischen unterschiedlichen Kulturen beitragen. Wir freuen uns mit dem luxemburgischen Lyriker Jean Krier auch in diesem Jahr einen hervorragenden Autor gefunden zu haben. In seinen Gedichten bringt er den deutschen Lesern die literarische Welt eines kleinen europäischen Nachbarstaates näher, die hierzulande nahezu unbekannt ist.“

In seiner Laudatio auf den Hauptpreisträger sagte der Romanist, Literaturkritiker und Übersetzer Jürgen Ritte: „Gedichte von Jean Krier sind komplexe Maschinerien, in denen alle Hebel der Sprache und Sprachzerlegung in Bewegung gesetzt werden, auf dass die Sprache, hier das Deutsche, etwas sage, das so nicht in ihr angelegt war. Dafür muss man ihr zu Leibe rücken. Für Paul Celan (…) wie für den französischen Schriftsteller und Semiologen - also: Zeichendeuter - Roland Barthes war dies das Eigentliche aller Literatur: in einer bestimmten Sprache sagen, was in ihr nicht vorgesehen ist, wozu sie keine Worte hat. Vielleicht muss man dafür, des geschärften Blickes und Gehörs wegen, von den Rändern her schreiben, etwa von Luxemburg aus.“

Der Verleger, Schriftsteller und Publizist Jochen Jung betonte in seiner Laudatio auf Olga Martynova mit Blick auf deren Roman „Sogar Papageien überleben uns“: „Dieses Buch bringt es fertig, die Belagerung von Leningrad, die vor- und die nachsowjetischen Jahre und die mit deren Wahrnehmung verbundene Melancholie mit der Melancholie zusammen zu bringen, die einen überfiel, wenn man von Ost nach West kam und erkennen musste, dass auch dort, also hier gestorben wird, und mit der Melancholie, die sowieso jeden erfüllt, der nicht blöd ist. Das aber tut dieses Buch auf eine so federleichte Art und in einem so unglaublich federleichten Deutsch, wie man es von jemandem, der aus dem Land der Schwerblütigen in das Land der Schwermütigen gekommen ist, nicht erwarten konnte.“

In ihrer Laudatio auf Förderpreisträger Nicol Ljubić hob die Literaturkritikerin Julia Encke hervor: „Nicol Ljubić‘ Roman ‚Meeresstille‘ kommt ohne Etikett aus. Er steht für sich: als einfühlsam erzählte Geschichte, die auslotet, was nach der Katastrophe des Balkan-Kriegs an Vertrauen, Annäherung, Verständnis und Gerechtigkeit möglich ist. Nicol Ljubić zeichnet dabei ein eher pessimistisches Bild. Doch tut er dies anhand einer Figur, die am Ende gestärkt aus allem hervorgeht, mit neuen Facetten und einem durch Selbstverständigung geschärften Bewusstsein darüber, woher sie kommt und wer sie ist. Sie findet und erfindet sich neu.“

Die Preisverleihung wurde moderiert von Jörg Thadeusz.

Am Donnerstag, 17. März 2011 um 20 Uhr treten die Chamisso-Preisträger im Literaturhaus München auf, lesen aus den ausgezeichneten Texten und sprechen über ihre Werke.

Kontakt

Klaus Voßmeyer
Telefon 0711 46084-686

Pressebilder

Die Bilder stehen für Presseveröffentlichungen im Zusammenhang mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis 2011 zur Verfügung. Fotonachweis: Robert Bosch Stiftung / Markus Kirchgessner
Chamissopreis_11_5104.jpg
v.l.: Martynova, Krier, Ljubić
Chamissopreis-11_5699.jpg
v.l.: Dr. Ingrid Hamm, Jürgen Ritte, Jean Krier und Jörg Thadeusz