Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung

Jean Krier

Adelbert-von-Chamisso-Preis 2011

Geboren 1949 in Luxemburg. Er studierte Germanistik und Anglistik in Freiburg i. Br. und arbeitete danach als Deutschlehrer. Neben Veröffentlichungen seiner Gedichte in Literaturzeitschriften wie Akzente, manuskripte, ndl, poet, Sinn und Form sind vier Gedichtbände erschienen. Für Herzens Lust Spiele wurde er mit dem Chamisso-Preis und dem Prix Servais, dem wichtigsten luxemburgischen Literaturpreis ausgezeichnet.

Jean Krier ist am 12. Januar 2013 in Freiburg gestorben.

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Leseprobe

Mort subite

Und das ist eigentlich so: Eurydike schreitet vor dir her,
unermüdlich, denkt auch in diesem Traum nicht daran,
sich umzudrehen nach dir mit all deinen Gebrechen. Lass
sie ruhig summen u singen. So immer tiefer u in immer
andere Vorstädte gesogen: es ist Wald mit Häuserzeilen
endlos u Straßenzügen voller Feuer u sterbender Falter.
So zart in deiner Hand: anima mea. Und die Schwalben
fix, der Sommer zur Sau. Spielt auf schön brutal der Wind
zum Plastiktütentotentanz. Gewalt an allen Ecken. Hörst,
Eurydike, die Pfiffe, du? Du meinst, kein Wunder bei all
den Schutthalden u diesen Vetteln mit ihren unsäglich
fetten Gesäßen. Denn gegrölt in der Schlacht unten tief.
Du streitest es ab, es ist ein Wald, durch den ihr schreitet
aber, wo du nicht mehr die Bäume. Voller Schlangen
ein Wald, die sie alle im Takt zerquetscht, u du kommst,
wenn auch kopflos, aus diesem Traum nicht heraus.

De Aeternitate

Schreib. Schreib jetzt, schreib. Schreib was. Nein
schreib nicht. Pass auf, wach u horch. Die Nacht.
Wie sie schweigt hier draußen. Der Lärm aber nie
sonst verrauscht. Und das Meer. Wie es badet in
Blut u Öl. Schau hin, schau her u des Himmels Blau.
Der Augen Blau. Wie es spricht. So, schreib das
jetzt. Spieß es auf in kostbar geschenkten Minuten.
Geh in dich, töte den Hund, schlag ihn tot, blauäugig
sei u schreib, du armer Mensch, du blödes Vieh.
Da brauchst du nicht zaubern zu können. Und dann
schlaf, schlaf endlich u in Ewigkeit, du armes Schwein.
Im Herzschlagschatten schreibend schlaf. Wie köstlich,
ach, an keinem Ort mehr zu sein. Die auf der Galerie,
die lachen sich krumm.

Aus: Herzens Lust Spiele. Poetenladen, Leipzig 2010

Bibliografie

bibliografie.gif
Jean Krier, Eingriff, sternklar.
Gedichte aus dem Nachlass. Hrsg. von Michael Braun. Poetenladen Verlag, Leipzig 2014

Herzens Lust Spiele.
Gedichte. Poetenladen Verlag , Leipzig 2010

Gefundenes Fressen.
Gedichte. Rimbaud Verlag, Aachen 2005

Tableaux / Sehstücke.
Gedichte. Gollenstein Verlag, Blieskastel 2002

Bretonische Inseln.
Gedichte. Landpresse, Weilerswist 1995