Robert Bosch - Unternehmer, Bürger und Stifter

Der Philanthrop

1910 leitete Robert Bosch mit der Schenkung von einer Million Mark an die Technische Hochschule Stuttgart "sein schier unvergleichliches Mäzenatentum ein". So schreibt es Theodor Heuss, der spätere erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland 1946 in seiner Biographie "Robert Bosch - Leben und Leistung".

Folgt man den biographischen Nachzeichnungen von Heuss, kam Robert Bosch "aus einem begüterten bäuerlich-bürgerlichen Haus, das die Not nicht kannte, das mit tätig wirtschaftendem Eifer und haushälterischem Sinn den Besitz umtrieb, den Anderen, den Armen mit der Selbstverständlichkeit der Gutmütigkeit oder Güte in das Mitsorgen einbezog." Gedankliche Unabhängigkeit, Familientradition und die frühe Beschäftigung mit sozialen Fragen seiner Zeit sind Wurzeln seines philanthropischen Wirkens. Wie mit der Wirtschaftstätigkeit seines Unternehmens verfolgte Robert Bosch auch mit seinen Stiftungen, Zuwendungen und den anderen öffentlichen Aktivitäten die Absicht, an der Verbesserung der Lebensverhältnisse seiner Zeit mitzuwirken und Gesellschaft und Staat mitzugestalten. Dieser Wille zum aktiven Gestalten im gesellschaftlichen Zusammenhang zeigt sich auch in dem Vorgehen, das bei den verschiedenen Stiftungen und Zuwendungen zu beobachten ist. Sein Hauptinteresse galt der Unterstützung von Einrichtungen und Vereinigungen, die er für geeignet hielt, seine Ideen zu verwirklichen. Dabei verfolgte er kein strategisches Ziel oder Programm. Wichtig war ihm sicherzustellen, dass seine Unterstützung andere dazu bewegte, ihre Fähigkeiten einzusetzen und auf die Herausforderungen der Zeit zu antworten. Handeln anderer nicht zu ersetzen, sondern anzustoßen, war auch seine Absicht gegenüber dem Staat.

Er selbst wollte für sein philanthropisches Handeln weder Ehre noch öffentlichen Ruhm. Für Robert Bosch stand die sachliche Hilfe im Vordergrund, und das tat er aus seinem bürgerlichen Pflichtgefühl heraus, ein "wachsendes Vermögen für Volkswohlfahrt im weitesten Sinne fruchtbar zu machen".

Die wichtigsten Stiftungen und Zuwendungen


1910 
Die Technische Hochschule Stuttgart erhält von Robert Bosch eine Million Mark. 

1914  
Der Stadt Stuttgart werden 100.000 Mark zur Linderung der ersten Kriegsnot übergeben. Robert Bosch initiiert die "Kriegshilfe von Handel und Industrie", die er mit 300.000 Mark ausstattet, und lässt ein Kriegslazarett in den Fabrikgebäuden errichten. 

1915  
Gründung der "Homöopathisches Krankenhaus GmbH", die 400.000 Mark von Bosch erhält. Der "Schwäbische Siedlungsverein e.V." wird zur Schaffung sozialen, gesunden Wohnraums mit einer Million Mark ausgestattet. 

1916
  
Robert Bosch spendet rund 20 Millionen Mark für gemeinnützige Zwecke, darunter 13 Millionen für den Ausbau des Neckarkanals. Die Zinsen aus der Stiftung Neckarkanal fließen der Stadt Stuttgart zur Linderung von sozialer Not zu. Der Verein zur "Förderung der Begabten" erhält zwei Millionen Mark, der "Verein homöopathisches Krankenhaus" 2,4 Millionen Mark zum Bau eines Krankenhauses. 

1917
  
Bosch ermöglicht durch eine Spende die Errichtung des "Hauses der Freundschaft" in Istanbul, Türkei (damals "Konstantinopel"). Die "Hochschule für Politik", ein Projekt von Friedrich Naumann, erhält einen finanziellen Zuschuss. 

1918
  
Robert Bosch stattet die "Deutsche Liga für den Völkerbund", die von Matthias Erzberger gegründet wurde, mit 300.000 Mark aus. Der Verein zur Förderung der Volksbildung, die spätere Volkshochschulbewegung, wird durch Bosch zu 50 Prozent finanziert. Die Maschinenbauschule Esslingen erhält zum Ausbau 250.000 Mark und die Kunstgewerbeschule 80.000 Mark zur Vergabe von Stipendien. 

1920
 
Robert Bosch ruft nach 1920 zahlreiche Wohlfahrtseinrichtungen für Bosch-Beschäftigte und ihre Familien ins Leben. 

1931 
Die "Zentralleitung für Wohltätigkeit" erhält 200.000 Reichsmark von Bosch zur Durchführung der "Württembergischen Nothilfe". 

1932 

Nach dem Tod von Karl E. Markel stattet Bosch die "Markelstiftung" zur Förderung von Begabten finanziell aus. 

1936  
Die "Robert Bosch Krankenhaus Stiftung" bekommt 5,5 Millionen Reichsmark zur Errichtung des homöopathischen Krankenhauses in Stuttgart. Ab diesem Jahr werden jüdische Wohlfahrtseinrichtungen durch die "Walz-Hilfe" unterstützt. Auch die "Deutsche Freiheits-, Widerstands- und Erneuerungsbewegung" erhält finanzielle Hilfe. Dazu kommt das "Sonderkonto Forschungs- und Studienhilfe". 

1938 
 
In den Jahren 1938-1940 übergibt Hans Walz an Karl Adler von der "Jüdischen Mittelstelle" in Stuttgart große Geldbeträge, um die Auswanderung inhaftierter Juden zu ermöglichen. Außerdem werden rassisch und politisch Verfolgte in den Betrieben untergebracht, um sie der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entziehen.  

1940 
Am 28. April eröffnet Robert Bosch persönlich das Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart.