Pressemeldungen 2010
Pressemitteilung

Reden und Zuhören: Balkanstaaten entwickeln Erinnerungskultur

  • Offene Diskussion über Zukunft der Balkanregion: Lebendige und starke Zivilgesellschaften leisten wichtigen Beitrag
  • Wahrheitsfindung und Ringen um Umgang mit der Vergangenheit im Mittelpunkt

Dubrovnik/Stuttgart, 27. Oktober 2010 - Die Erfahrungen aus Verständigungs- und Versöhnungsprozessen in Europa und anderen Regionen der Welt reflektieren und bewerten und die Erinnerungskulturen in Südosteuropa fördern: Das war das Ziel der Konferenz „Towards Reconciliation. Experience, Techniques and Opportunities for Europe“ am 24. und 25. Oktober 2010. 140 Politiker, Vertreter von Nichtregierungsorganisationen und Experten aus über 20 Ländern trafen sich auf Initiative des European Council on Tolerance and Reconciliation, der Robert Bosch Stiftung und der Bertelsmann Stiftung in Dubrovnik, Kroatien. Reden und Zuhören - über Grenzen hinweg: Mit Hilfe der gewonnenen Erkenntnisse wird die Zusammenarbeit zwischen den Balkanstaaten weiterentwickelt, um die konfliktreiche Vergangenheit zu bewältigen und die erfolgreiche Sicherung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Frieden in Zukunft zu gewährleisten.

„Um diesen Prozess zu unterstützen, müssen sich europäische Stiftungen mit entsprechenden Förderungsstrategien aktiver und prominenter in den Ländern der Balkanregion engagieren“, sagte Dr. Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung, bei der Konferenz in Dubrovnik. „Wir unterstützen Initiativen, die zu Wahrheitsfindung und Versöhnung beitragen und führen Projekte durch, die junge Führungskräfte einbinden, da diese die Zukunft ihrer Gesellschaften formen werden. Wir unterstützen exzellente Journalisten aus den Balkanstaaten mit Journalistenprogrammen und helfen ihnen dabei ein professionelles Netzwerk aufzubauen. Ich hoffe, dass wir dadurch nicht nur bestehende Partnerschaften und Beziehungen stärken, sondern auch neue Bekannte ermutigen, ihren Teil zur Verständigung und Versöhnung beizutragen.“

Welchen Beitrag können Zivilgesellschaften leisten, wenn es um Versöhnung geht? Können Medien, Kunst, Kultur, Bildung und Religion das konkrete Zusammenleben, etwa in einer Kommune verbessern? Bei der Konferenz tauschten sich Teilnehmer aus Deutschland, Polen, Spanien oder Südafrika mit ihren Pendants aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Montenegro und Serbien in Workshops zu politischen und gesellschaftlichen Fragen aus - über Generationen und Grenzen hinweg.

„Damit Versöhnung stattfinden kann, braucht es mehr als politische Führungskräfte ehemals verfeindeter Staaten, die miteinander reden. Versöhnung ist ein langer und schwieriger Prozess, der alle Menschen mit einschließen muss“, sagte Dr. Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung. „Heute ist Europa ein demokratischer Kontinent. Das ist ein entscheidender Erfolg für uns alle. Über 20 Jahre hat die Bertelsmann-Stiftung dem Thema europäische Integration große Beachtung geschenkt. Wir haben immer daran geglaubt, den Frieden auf diese Weise sichern zu können. Und wir haben mit anderen daran gearbeitet, die Expansion der EU in den zentralen Teil Osteuropas voranzutreiben“, so Thielen.

Verständigung und Versöhnung beginnt mit Zuhören - darin waren sich die Teilnehmer der Konferenz einig. Zugehört hat auch der kroatische Präsident Ivo Josipovic, der sich zum Abschluss der Konferenz gemeinsam mit seinen Kollegen, dem designierten Präsidenten von Bosnien-Herzegowina, Bakir Izetbegovic, und dem Präsidenten Montenegros, Filip Vujanovic, den Fragen der Teilnehmer stellte und mit ihnen über die Zukunft der Region diskutierte. Für Ivan Krastev, den Vorstandsvorsitzenden des Centre for Liberal Strategies in Sofia, Bulgarien, war das der erste Schritt in eine bessere Zukunft: „Vor zehn Jahren hätten die Präsidenten hier die gleichen Reden gehalten - aber nie hätten sie danach so offen mit den Zuhörern diskutiert." Der ehemalige Präsident Polens, Aleksandar Kwasniewski, fasste am Montagabend zusammen: „Ich habe in den letzten beiden Tagen gelernt, dass die Länder Südosteuropas lebendige und starke Zivilgesellschaften haben. Und sie reden über die Grenzen hinweg miteinander - da sind sie weiter als viele andere Regionen der Welt.“

Die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft unterstützte die Konferenz als Partner. Weitere Förderer waren die ERSTE Stiftung, der European Jewish Fund, die Dräger Stifung und die Calouste Gulbenkian Foundation.

Kontakt

Stephanie Ferdinand
Pressereferentin
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