Grenzgänger

Martin Pollack:

Martin Pollack, 1944 in Bad Hall in Oberösterreich geboren, studierte Slawistik und osteuropäische Geschichte. Bis 1998 war er Redakteur des Spiegel in Wien und Warschau. Seitdem ist er als freier Autor, Journalist und Übersetzer tätig. Für seine Übersetzungen aus dem Polnischen wurde er 2007 mit dem Karl-Dedecius-Preis geehrt. Pollack hat zahlreiche Auszeichnungen und Preise erhalten, darunter 2007 den polnischen Literaturpreis "Angelus" und 2010 den Georg-Dehio-Preis für das Aufzeigen der gemeinsamen Geschichte der Deutschen und ihrer östlichen Nachbarn.

Im März 2011 wurde Martin Pollack der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung für das Jahr 2011 zuerkannt. Dotiert ist der Preis mit 15.000 Euro und wird von einer international besetzten Jury vergeben. In der Begründung der Jury heißt es, dass Pollack in seinen historischen Reportagen „stets ein erhellendes Licht auch auf unsere Gegenwart wirft“. Er fokussiere diese literarische Kunstform auf dem heiklen Grat zwischen Essayistik und Dokumentation mit seiner Empathie immer darauf, den namenlosen Opfern der Geschichte Name und Würde zuzuschreiben. 

Martin Pollack wurde im April 2015 von der Jury des polnischen Kapuściński-Preises mit „der Feder der Freiheit“ geehrt.
Kaiser von Amerika

Die Freiheitsstatue: Hunderttausende ließen sich um 1900 von diesem verlockenden Bild über den Ozean locken. Damals hatte in Galizien (heute Polen und Ukraine), dem Armenhaus der Habsburger-Monarchie, eine Welle der Emigration eingesetzt. Kleinbauern, Handwerker, jüdische "Luftmenschen", sie alle suchten eine bessere Zukunft; der Kaiser von Amerika, meinten sie, werde sie nach ihrer Flucht freudig willkommen heißen. Aus dieser Hoffnung entwickelte sich rasch ein einträgliches Geschäft, an dem viele mitverdienten. Schlepper, Agenten, Menschenhändler und die Aussicht auf ein besseres Leben: Martin Pollack erzählt von Menschen, die um 1900 ihr Glück in den USA suchten.

Roman
Zsolnay (6. September 2010)
gebunden, 280 Seiten
ISBN-13: 978-3552055148

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Bildergalerie

Martin Pollack reiste 2006 und 2007 fünf Wochen nach Polen und vier Wochen in die Ukraine, um diverse Archive und Bibliotheken aufzusuchen sowie meist auf abgelegenen Dörfern Interviews mit Zeitzeugen durchzuführen. Über seine Recherchen schreibt er:

„Wie bei allen meinen Büchern spielte auch bei der Recherche für „Kaiser von Amerika“ die Lektüre alter Zeitungen eine wichtige Rolle. Sie sind eine unersetzliche Fundgrube für Geschichten und menschliche Schicksale. Viel Material fand ich auch in Archiven in Krakau, Lemberg und Wien. Archivarbeit und Zeitungslektüre finde ich unglaublich spannend, manchmal tut es mir fast leid, wenn ich mich dann, nach beendeter Recherche, zum Schreiben hinsetzen muss.“