Pressemeldungen 2010
Pressemitteilung

Deutscher Buchpreis für Grenzgänger-Autorin Melinda Nadj Abonji

  • Grenzgänger-Reisestipendium ermöglicht Roman „Tauben fliegen auf“
  • Nach Herta Müllers Literaturnobelpreis weitere Grenzgänger-Autorin mit hochkarätiger Würdigung

Stuttgart, 5. Oktober 2010 - Mit einem Stipendium der Robert Bosch Stiftung reiste Melinda Nadj Abonji von Juli bis Oktober 2007 nach Serbien, um vor Ort für ihren Roman „Tauben fliegen auf“ zu recherchieren. Gestern wurde sie für diesen Roman mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Auch Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller hatte mit einem Grenzgänger-Stipendium für den Roman „Atemschaukel“ vor Ort recherchiert. In ihrem Programm Grenzgänger fördert die Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Literarischen Colloquium Berlin Autoren, die für Veröffentlichungen (Literatur, Film oder Hörfunk) für Recherchen in die Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas reisen. Die Werke sollen zur Diskussion anregen, den Dialog und das gegenseitige Verständnis fördern und können unterschiedliche Themenbereiche, Länder und historische Epochen umfassen.

In der serbischen Kleinstadt Zenta in der Vojvodina führte Melinda Nadj Abonji zahlreiche Interviews und „erlebte immer wieder hautnah die erschreckende Realität eines Landes, in dem vor kurzem noch Krieg herrschte“. Oft ging es um die Frage, warum aus „Jugoslawien ein Trümmerhaufen sogenannter unabhängiger Staaten geworden ist, in denen sich Minderheiten vor der Mehrheit fürchten“. Als Angehörige der ungarischen Minderheit und des Serbischen nicht mächtig, stieß sie hin und wieder auf Feindseligkeit und auf Spuren der einseitigen Medienberichterstattung, die sich in den Köpfen der Menschen festgesetzt hat.

Ihr Roman hält den Schweizern den Spiegel vor. Die nachdenkliche Ildikó und ihre lebenslustige Schwester Nomi werden von der Großmutter eines Tages zu den Eltern in die Schweiz gebracht, wo diese sich mit einem Restaurant bereits eine neue Existenz aufgebaut haben. Für die Mädchen endet eine unbeschwerte Kindheit im Hause der Großmutter. Das kleine Dorf in der Vojevodina wird fortan zum Sehnsuchtsort. Wenn die Familie dort zu Gast ist, werden die Tische mit Köstlichkeiten beladen: „Hühnergulasch mit Nockerln, Paniertes vom Schwein mit frittierten Kartoffeln und Kürbisgemüse, an der Sonne gesäuerte Gurken und Tomatensalat mit roten Zwiebeln“, während das Essen, das die Familie in ihrem Café zum Mittagstisch anbietet, schon recht eingebürgert klingt: Kalbshaxe mit Kartoffelstock und Rübli, Dessert Surpris.

Die deutschschweizer Autorin Melinda Nadj Abonji ist 1968 in Becsej in der serbischen Vojvodina geboren und stammt aus der ungarischen Minderheit. Sie lebt in Zürich und arbeitet als Autorin und Musikerin (Geige und Gesang).

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Stephanie Ferdinand
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