Pressemeldungen 2010
Pressemitteilung

Imame und islamische Vereine - Partner für Integration und Dialog in Baden-Württemberg

Zweite landespolitische Veranstaltung „Gesellschaft gemeinsam gestalten“

Stuttgart, 28. September 2010 - Prof. Dr. Regina Ammicht Quinn, Staatsrätin für interkulturellen und interreligiösen Dialog sowie gesellschaftliche Werteentwicklung im Staatsministerium Baden-Württemberg, hat am Dienstag (28. September 2010) die Eröffnungsrede der Fachtagung zum Thema „Imame und islamische Vereine - Partner für Integration und Dialog in Baden-Württemberg“ gehalten. Die zweitägige Veranstaltung, die im Rahmen der fünfjährigen Tagungsreihe „Gesellschaft gemeinsam gestalten“ durchgeführt wird, beschäftigt sich mit zahlreichen Integrationsmaßnahmen und Dialogprojekten für islamische Gemeinden in Baden-Württemberg. Konkret geht es darum, welche Anforderungen an die Ausbildung muslimischer Geistlicher in Deutschland zu stellen sind. „Immer mehr Muslime in unserem Land sind deutsche Staatsbürger, viele sind bereits hier geboren und begreifen unser Land als gemeinsame Heimat. Auf allen Seiten wächst daher die Einsicht, dass die islamischen Theologen, Lehrerinnen und Lehrer nicht mehr vorwiegend aus dem Ausland kommen können“, sagte die Staatsrätin.

Ziel der Tagung sei es, im Dialog zwischen islamischen Glaubensgemeinschaften und den christlichen Kirchen sowie den Städten und Kommunen sowohl Probleme als auch Perspektiven auszuloten. „Imame sowie Religionslehrerinnen und Religionslehrer sind immer häufiger auch Ansprechpartner von Familien und der Öffentlichkeit, wenn es um Fragen des alltäglichen Lebens geht. Sie sollten Deutsch sprechen, auf dem Boden unseres Grundgesetzes stehen, unser Schulsystem sowie das Leben hier kennen und über eine Ausbildung nach wissenschaftlichem Standard verfügen. Daher begrüße ich die Arbeit des Wissenschaftsrates und unseres Wissenschaftsministeriums für den Aufbau eines Zentrums für ‚Islamische Studien’ an einer baden-württembergischen Universität“, betonte die Staatsrätin. Baden-Württemberg habe sich durch intensive Arbeit auf allen Seiten Vertrauen erworben und als erstes Land alle Bedingungen des Wissenschaftsrates erfüllt.

Der Rastatter Imam Fatih Avci vom Landesverband islamischer Kulturzentren betonte, dass besonders Imame ihre Gemeinden auf die „unverzichtbaren integrationsfördernden Themen“ hinweisen müssten. Ein wichtiger Grundpfeiler sei dabei die richtige Ausbildung. Dies unterstrich Dr. Jörn Thielmann am Beispiel der Universität Erlangen. Diese wird in den kommenden Jahren ein Ausbildungskonzept ausbauen, welches Imame und andere in den Bereichen „Staat und Gesellschaft“, „Jugendarbeit in muslimischen Gemeinden“ und „Kooperation in der kommunalen Zivilgesellschaft“ unterstützen soll.

„Alle Menschen in unserem Land sollen wissen: Wir verlangen Integrationsbereitschaft - aber wir bieten Akzeptanzbereitschaft. Gerade in einer Situation, in der häufig pauschal über, den Islam’ geurteilt wird, brauchen wir Aktivitäten und Strukturen, die auf sozialen Frieden und Religionsfrieden hinarbeiten. Jede und jeder kann etwas beitragen, damit Dialog, Integration und letztlich das Miteinander der Religionen gelingen“, erklärte Ammicht Quinn. Eine gute Bildung sei dabei der Schlüssel zu Antworten auf viele kritische Fragen - wie insbesondere auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe lehrende Professorin Dr. Annette Treibel-Illian unterstrich: „Die Frage nach Integration kann man an alle Gesellschaftsmitglieder stellen - an die mit und an die ohne Migrationshintergrund.“

Staatsrätin Ammicht Quinn dankte der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart sowie der Robert Bosch Stiftung für das gemeinsame Engagement. Es sei sehr erfreulich, dass sich zahlreiche Muslime aus dem Land ehrenamtlich an der Vorbereitung und Durchführung der Tagung beteiligt hätten. Damit sei die zunächst auf fünf Jahre angelegte Tagungsreihe „Gesellschaft gemeinsam gestalten“ bereits jetzt ein Beispiel für gelebten, streitbaren und auch gelungenen Dialog. „In Baden-Württemberg reden wir nicht über-, sondern miteinander. Ministerpräsident Stefan Mappus hat es auf den Punkt gebracht: Sprachlosigkeit können und wollen wir uns nicht leisten“, sagte die Staatsrätin.

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