GRIPS: Goethe-University Research Integration Program Simmern

Preisträger 2010
Herzog-Johann-Gymnasium Simmern, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt a.M.

Bereits zur Schulzeit einen Beitrag zur medizinischen Grundlagenforschung leisten - wie ist das möglich? Besondere Talente am Herzog-Johann Gymnasium in Simmern haben die Chance dazu: Sie schreiben ihre Facharbeit im Rahmen des Forschungsprojekts „Wundheilungsstörung“ der Universität Frankfurt und klonieren dafür Genfragmente aus Wundgewebe. Da klingt der Titel der Facharbeit auch schon einmal so: „Die Rolle der Aktivität von Cyclooxygenase für die Expression der anti-apoptotischen Gene cyclin A und Bcl-2 in Kolonepithelzellen“. Das muss man erstmal verstehen.

Eine Brücke ins akademische Leben 

Wer bereits als Schüler soviel Grips hat und das kann, kann das beweisen und zwar im GRIPS, dem Goethe-University Research Integration Program Simmern. „GRIPS kann eine Brücke bauen, über die Schülerinnen und Schüler ihren Weg ins akademische Leben finden können“, so der Initiator des Projekts Professor Dr. Stefan Frank. Selbst einst Schüler des Gymnasiums in Simmern, möchte Professor Frank den heutigen Schülern schon früh die Forschung an Zukunftsthemen im Bereich der Molekularbiologie ermöglichen. Um alle Schüler der Oberstufe zu erreichen, wurden dazu verschiedene Lern-Module geschaffen: Vom Schülerlabor über Vorträge und Praktika bis hin zum eigenen wissenschaftlichen Beitrag am Forschungsprojekt.

In Zukunft sollen beispielsweise alle Schüler selbst klonieren und gentechnisch veränderte Bakterien generieren können - und zwar im eigenen Schullabor. Dafür muss das aus Schulmitteln und durch die Leihgabe von Geräten durch die Universität Frankfurt am Main eingerichtete naturwissenschaftliche Schullabor zu einem Labor der Sicherheitstufe S1 nach dem deutschen Gentechnikgesetz umgewandelt werden. S1 steht für gentechnische Arbeiten, bei denen nach dem neuesten Stand der Wissenschaft nicht von einem Risiko für die menschliche Gesundheit und die Umwelt auszugehen ist. Die richtige Vorbereitung der Schüler ist bei solch hochspezialisierten Aufgaben trotzdem das A und O.

Praktisches Experimentieren statt theoretisches Schulbuch

Diese Vorbereitung erhalten die Schülerinnen und Schüler beispielsweise durch Vorträge und ein dreitägiges Genetik-Praktikum. Das Praktikum ist für alle Biologieschüler der Grund- und Leistungskurse der Jahrgangsstufe 13 verpflichtend. In diesen drei Tagen behandeln sie in eigenen Experimenten viele Fragen, die sich im Laufe des Biologieunterrichts gestellt haben: Praktisches Experimentieren statt theoretisches Schulbuch.

Selbst eine intensivere Ausbildung in wissenschaftlicher Methodik ist für eine kleine Auswahl an Schülern möglich. Über einen Zeitraum von circa 18 Monaten arbeiten die Mädchen und Jungen während ihrer Oberstufenzeit intensiv mit biologischem Material. Dabei lernen sie Fragestellungen und zentrale Methoden der modernen Molekularbiologie kennen, wie zum Beispiel die verschiedenen Arbeitsschritte bis zur erfolgreichen Herstellung eines Klons. Wer an einer Vertiefung der Experimente interessiert ist, kann an einer Projektwoche an der Universität Frankfurt am Main teil-nehmen.

Die praktische wissenschaftliche Arbeit ist nicht nur auf die Schüler beschränkt: Auch die Lehrer durchlaufen während ihrer unterrichtsfreien Zeit bei GRIPS eine fundierte 2-wöchige Ausbildung. Damit wird sichergestellt, dass auch Biologie-Fachlehrer, die im Rahmen ihres Staatsexamens nicht molekularbiologisch gearbeitet haben, die wichtigsten Methoden und Termini kennen. Sie sollen gegenüber ihren Schülern nicht alt aussehen und Möglichkeiten an die Hand bekommen, den Biologieunterricht modern und wissenschaftsnah selbst weiterzuentwickeln.

So bietet GRIPS der gesamten Schule etwas: Die Lehrer werden weitergebildet. Die Schüler erhalten einen Einblick in die wissenschaftliche Welt und die praxisnahe Forschung. Lehrerfortbildung, Breitenförderung und Spitzenförderung mit GRIPS.
Laudatio für das Projekt GRIPS - Preis "Schule trifft Wissenschaft" 2010
Prof. Wolfgang Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums München

Die Robert Bosch Siftung verleiht einen der Preise „Schule trifft Wissenschaft“ 2010 an das Projekt „GRIPS - Goethe University Research Integration Program Simmern“ der Goethe-Universität Frankfurt und des Herzog-Johann-Gymnasiums Simmern.

Was geschieht, wenn Wunden heilen? Wie regeneriert sich verletztes Gewebe? Welche Gene sind dafür bedeutsam? Dies sind einige der Fragen, mit denen sich die Schüler GRIPS Projekt beschäftigen. Das „I“ im Akronym GRIPS, die Integration von Schülern in die Forschung, wird in diesem Projekt besonders ernst genommen. Die Arbeit der Schüler ist eng mit einem konkreten Forschungsprojekt verknüpft, ihre Ergebnisse fließen in die aktuelle Forschung der beteiligten Wissenschaftler ein. Der modulare Aufbau des Projekts erlaubt besonders engagierten Schülern die individuelle Mitarbeit an Forschungsprojekten, bietet aber auch übergreifende Ausbildungsmodule wie eine Projektwoche zum Thema Immunologie oder ein dreitägiges Genetikpraktikum für alle Schüler an. Das Fachkollegium der Schule und die Wissenschaftler der Universität stehen in engem Austausch. Eine Lehrerfortbildung begleitet das Schülerprojekt und sorgt für Nachhaltigkeit in der Projektarbeit.

GRIPS überzeugt mit der Kombination aus einem faszinierenden anwendungsbezogenen Forschungsthema und einer gut durchdachten modularen Struktur. Diese Struktur schafft an einem universitätsfernen Standort ideale Voraussetzungen, um vielen Schülern einen Einblick in die Wissenschaft zu ermöglichen und gleichzeitig interessierte und begabte Schüler gezielt zu fördern. Die Einbindung der Lehrer in diesem Projekt ist vorbildlich. Durch die regelmäßige Fortbildung der Lehrkräfte zu aktuellen Methoden und Themen entfaltet das Projekt an der ganzen Schule Wirkung - davon profitieren auch die Schüler, die nicht unmittelbar am Projekt teilnehmen.

Weitere Informationen

GRIPS
Herzog-Johann-Gymnasium Simmern, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt a.M.