Denkwerk

„Wo ist Afrika?" Postkoloniale Literaturwissenschaft und interkulturelle Begegnungen

Koordinator: PD Dr. Annette Bühler-Dietrich, Françoise Joly, Universität Stuttgart, Institut für Literaturwissenschaften (Germanistik, Romanistik)

Der europäische Blick auf den afrikanischen Kontinent bewegt sich zwischen der Prägung durch aktuelle Nachrichtenschlagzeilen und Katastrophenmeldungen und einer jahrhundertealten Faszination für das Fremde, wie sie sich in zahlreichen literarischen Zeugnissen ausdrückt. Die postkoloniale Literaturwissenschaft untersucht die Paradigmen und Strukturen der Inszenierung anderer Kulturen.

Das Projekt macht Schüler mit aktuellen Konzepten, Methoden und Forschungstendenzen der postkolonialen Theorie anhand der Gegenüberstellung von Fremdbildern Afrikas in der europäischen Literatur und Texten frankophoner Autoren Westafrikas vertraut. In wöchentlichen Treffen kleiner Gruppen bereiten die Schüler unter Betreuung der Lehrer mit Unterstützung von studentischen Tutoren Fragestellungen innerhalb thematischer Module wie beispielsweise „Wahrnehmung des Anderen“ oder „Befreiung/Unabhängigkeit versus Diktatur“ vor. Alle sechs Wochen werden in zweitägigen Workshops unter Anleitung der Wissenschaftlerinnen die Ergebnisse präsentiert und diskutiert, Fragestellungen weiterentwickelt und neue Aufgaben definiert und verteilt.

Darüber hinaus ergänzen Museumsbesuche und Workshops sowie Lesungen namhafter Wissenschaftler, Autoren oder Kulturvermittler die aktive und eigenständige wissenschaftliche Arbeit der Schüler. Zeitgleich absolvieren Schüler an der burkinischen Partnerschule in Zusammenarbeit mit der Universität Ouagadougou ein vergleichbares Programm. Über ein virtuelles Klassenzimmer stehen beide Schülergruppen im regelmäßigen Austausch. Die Literatur Burkina Fasos und ihre Entstehungs-, Produktions- und Rezeptionsbedingungen sind ein besonderer Projektschwerpunkt. Essentieller Teil des Projekts ist deshalb eine zweiwöchige Exkursion in die Hauptstadt Ouagadougou. Während des Aufenthalts recherchieren die Schüler in Interviews mit Verlegern, Autoren, Kulturschaffenden und Vertretern des Ministeriums für Kultur und Bildung nicht nur direkt vor Ort, sondern diskutieren gemeinsam mit den burkinischen Partnerschülern die bisherigen Ergebnisse. Die Ergebnisse der Projektarbeit werden in einer Publikation für die gymnasiale Oberstufe zusammengetragen.