Grenzgänger

Uwe Rada:

Uwe Rada, geboren 1963, ist Redakteur der „taz“ und Buchautor. Er lebt in Berlin. Für seine publizistische Arbeit hat er verschiedene Stipendien und Preise erhalten, unter anderem von der Robert Bosch Stiftung und dem Goethe-Institut. Er hat mehrere Bücher zur Geschichte Osteuropas veröffentlicht. Die Schwerpunkte seiner Arbeit sind Stadtentwicklung sowie die Grenzregion in Deutschland und Polen.
Die Oder. Lebenslauf eines Flusses.
Geschichte und Gegenwart eines europäischen Stroms

Kaum ein anderer Fluss hat in den letzten Jahrzehnten seine Bedeutung für die Deutschen so sehr gewandelt wie die Oder. Galt sie lange als Strom, der die – ungeliebte – Grenze zwischen Polen und Deutschland markierte, rückt sie seit dem Ende des Kalten Kriegs ins Herz des erweiterten Europas und wird von den Menschen beiderseits des Flusses wiederentdeckt. Uwe Rada folgt dem Lebenslauf der Oder und erzählt die Geschichten dieses Stromes, die von Krieg, Trennung und Versöhnung, vor allem aber von der Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft handeln.

Die Oder, die in Tschechien entspringt und durch das Stettiner Haff in die Ostsee mündet, hat für uns Deutsche eine ganz besondere historische Bedeutung. Bereits vor tausend Jahren trennte der Fluss Deutschland und Polen, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurde die Oder sogar zum Symbol einer Grenze schlechthin. Über die Jahrhunderte hat dieser Fluss Völker eher geteilt als verbunden.

Doch seit dem Fall der Mauer in Deutschland und dem Verschwinden des Eisernen Vorhangs ist für die Oder nun ein neues, europäisches Kapitel ihrer Geschichte angebrochen. Der Strom konnte zu einer verbindenden Lebensader in Mitteleuropa werden, an seinen Ufern leben Städte wie Breslau, Frankfurt oder Slubice auf, die sich auf ihr multikulturelles Erbe besinnen. Der Journalist und Buchautor Uwe Rada hat sich auf eine Reise entlang der Oder gemacht und schildert, illustriert mit eindrucksvollen Fotos, die wechselvolle Kulturgeschichte dieses Flusses. Eine Biographie der Oder und ein Buch über die Schicksale der Menschen an beiden Ufern.

Enzyklopädie
224 Seiten, gebunden
140 Abbildungen
Siedler Verlag
ISBN: 3-378-01079-7

Zwischenland. Europäische Geschichten aus dem deutsch-polnischen Grenzgebiet.

Seit 2004 ist Polen Mitglied der Europäischen Gemeinschaft. Im deutsch-polnischen Grenzgebiet ist in den letzten Jahren vieles in Bewegung gekommen, wenn oft auch alte Vorurteile weiter bestehen. Mancherorts haben sich die Verhältnisse sogar umgekehrt: in Vorpommern schaut man erwartungsvoll auf Szczecin, in Görlitz hofft man auf Zgorzelec.

Uwe Rada hat sich in das Zwischenland begeben, das einstige Randgebiet Deutschlands bzw. Polens, in dem längst etwas Neues im Entstehen begriffen ist. Durch wirtschaftliche Kooperation, Schaffung gemeinsamer Schulen und Universitäten, aber auch in alltäglichen Begegnungen beim Einkauf sind sich Deutsche und Polen so nah wie nirgends sonst. Radas literarische Reportagen berichten vom Umgang mit der schwierigen gemeinsamen Vergangenheit. Beim Blick auf Erfolg und Scheitern der Pioniere und Projekte im Grenzgebiet zeichnen sich Wege ab, die in die Zukunft weisen.

256 Seiten
bebra-verlag, Juni 2007
ISBN: 3-89809-045-0

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Die Recherchereise für mein Buch „Die Oder. Lebenslauf eines europäischen Flusses“ war gleich in zweierlei Hinsicht wichtig. Zum einen hatten der Verlag und ich uns entschlossen, zusätzlich zur Kulturgeschichte des Flusses einen Reisebericht von der Quelle bis zur Ostsee zu drucken – und zwar in der Marginalienspalte. Dafür war die Reise – natürlich – das Rohmaterial. Zum zweiten ging es mir bei der Kulturgeschichte darum, auch die Gegenwart des Flusses für seine Bewohner zu erkunden. Welche Rolle spielt der Fluss im Alltag? Welche Rolle im kollektiven Gedächtnis? Gibt es gar eine Wiederentdeckung der Oder? Auch dafür war die Reise, die sich in Wirklichkeit natürlich auf mehrere Etappen verteilte, unerlässlich.



Eine Reise ins deutsch-polnische Grenzgebiet ist eine Reise ans Ende der Welt. So beginnt das Buch „Zwischenland“. Auf der polnischen Seite ist die Region zwischen Stettin und Zittau noch immer der „Wilde Westen“. Das ist das eine Ergebnis meiner Recherchereise. Das andere: Diese Region, über die viele hinwegschauen, ist auch ein Seismograph für die deutsch-polnischen Beziehungen. Wo sich Menschen begegnen, und sei es nur auf dem Basar oder an Tankstellen, verlieren die Stereotype ihre Macht. Was mich übrigens überrascht hat: Wer im Zwischenland lebt, schaut nicht so sehr auf die anderen Orte im Grenzgebiet, sondern doch wieder nach Berlin oder in die nächste polnische Großstadt. Bis zu einer deutsch-polnischen Grenzregion im Sinne einer Region, mit der man sich identifiziert, ist es noch ein weiter Weg. Die zahlreichen „Pioniere“, die ich auf meiner Recherchereise getroffen habe, haben sich aber schon auf diesen Weg gemacht.