„Das Führen einer Klasse beginnt mit der Präsenz des Lehrers vor der Klasse, beinhaltet das, was man heute unter 'Caring' versteht und endet beim gelungenen Projektmanagement“, erklärt Rolf Dubs, der den Rückzug auf die Kernkompetenz des Lehrers für ein falsches Signal hält. „Unterricht alleine reicht einfach nicht aus.“ Gerade was die Abwicklung von Projekten betreffe, müsse die Schule von der Wirtschaft lernen, so Dubs. Allerdings dürfe man nicht den Fehler begehen, Erkenntnisse einfach zu übertragen, da der Lehrerberuf unter ganz anderen Rahmenbedingungen stattfinde.
Die besonderen Umstände innerhalb der Schule beschreibt Manfred Prenzel anhand eines Beispiels: „Die Gruppe eines Bergführers lässt sich notfalls auf den Gipfel hinaufschleifen, denn sie will das Ziel von sich aus erreichen. Bei Lehrern und ihren Schülern ist die Sachlage ganz anders.“ Lehrer müssten lernen, eine Gruppe von Kindern zu einem Ziel zu führen und gleichzeitig die Unterschiedlichkeit innnerhalb der Gruppe produktiv zu nutzen. Das Ziel müsse den Schülern deutlich vor Augen geführt werden, was nicht immer gelinge. Dazu seien vor allem technische und damit theoretische Fähigkeiten nötig.
Doch ein allzu theoretisches Vorgehen in der Lehrerbildung birgt laut Dennis Shirley auch Gefahren: „Wir etablieren einen künstlichen Begriff von Führung und wundern uns, dass Lehrer vehement Widerstand leisten, weil sie sich mit anderen Fragen plagen.“ Und das seien vorrangig Schüler, die den Stoff nicht verstünden oder unentwegt störten. Fest steht: Die Ausbilder zukünftiger Lehrkräfte können nur dann Führungskompetenz lehren, wenn sie selbst lernen, was Lehrer in der Praxis belastet.
Lehrkraft - Führungskraft. Wie lernen Lehrkräfte zu führen?
Podiumsdiskussion über die Bedeutung der Themen Führung und Management für Lehrer
Die Schule braucht Führungspersönlichkeiten. Doch was muss die Lehrerausbildung und -weiterbildung leisten, damit zukünftige Lehrkräfte den Herausforderungen der Praxis gewachsen sind? In Stuttgart sprachen am 16. Juli Prof. Dr. Rolf Dubs, Wirtschaftspädagoge und ehemaliger Rektor der Universität St. Gallen, Prof. Dr. Manfred Prenzel, PISA-Koordinator und Dekan der TUM School of Education in München und Prof. Dr. Dennis Shirley, Erziehungswissenschaftler und Lehrerbildner am Boston College, über derzeitige Probleme und zukünftige Ziele der Lehrerausbildung.
Vier zentrale Themen der Diskussion:
Die Schule braucht Führungspersönlichkeiten. Doch was muss die Lehrerausbildung und -weiterbildung leisten, damit zukünftige Lehrkräfte den Herausforderungen der Praxis gewachsen sind? In Stuttgart sprachen am 16. Juli Prof. Dr. Rolf Dubs, Wirtschaftspädagoge und ehemaliger Rektor der Universität St. Gallen, Prof. Dr. Manfred Prenzel, PISA-Koordinator und Dekan der TUM School of Education in München und Prof. Dr. Dennis Shirley, Erziehungswissenschaftler und Lehrerbildner am Boston College, über derzeitige Probleme und zukünftige Ziele der Lehrerausbildung.
Vier zentrale Themen der Diskussion:
Führen in der Schule
Mehr Praxis-Bezug in der Lehre
„Wenn wir die Praxis aus den Augen verlieren, wird der Universität die Lehrerausbildung entgleiten“, sagt Dennis Shirley, der an einer intensiven Verzahnung von Theorie und Praxis am Boston College arbeitet. Lehrer von Schulen aus sozialen Brennpunkten unterrichten dort mit ihm gemeinsam die Studenten. So ermöglicht er zukünftigen Lehrern bereits während der Ausbildung die Konfrontation mit praktischen Problemen.
Einen ähnlichen Praxis-Bezug schafft auch die TUM School of Education in München, eines der innovativsten Projekte in der Lehrerbildung. Studiendekan Manfred Prenzel: „Studierende müssen bereits zu Beginn ihres Studiums spüren, dass sie Lehrer werden wollen. Das schaffen wir nur, wenn die Vorbereitung auf die erste Praxis-Phase schon im ersten Semester beginnt.“ Lehramtsstudenten müssten einen Blick dafür bekommen, was in der Schule passiert. Nur so könnten sie lernen, die Welt mit pädagogischen Augen zu sehen. Fest steht: Die Forderung nach einer dualen Ausbildung, wie man sie bereits aus wirtschaftlichen Studiengängen kennt, ist aktueller denn je.
Einen ähnlichen Praxis-Bezug schafft auch die TUM School of Education in München, eines der innovativsten Projekte in der Lehrerbildung. Studiendekan Manfred Prenzel: „Studierende müssen bereits zu Beginn ihres Studiums spüren, dass sie Lehrer werden wollen. Das schaffen wir nur, wenn die Vorbereitung auf die erste Praxis-Phase schon im ersten Semester beginnt.“ Lehramtsstudenten müssten einen Blick dafür bekommen, was in der Schule passiert. Nur so könnten sie lernen, die Welt mit pädagogischen Augen zu sehen. Fest steht: Die Forderung nach einer dualen Ausbildung, wie man sie bereits aus wirtschaftlichen Studiengängen kennt, ist aktueller denn je.
Mehr Freiraum für Schulleitung und Lehrkräfte
„Wenn wir keine Freiräume schaffen, machen wir unser Schulsystem kaputt“, mahnt Rolf Dubs. Es gebe immer mehr enttäuschte Schulleiter, da in der Abstimmung mit den Schulaufsichtsbehörden nicht klar sei, welche Kompetenz die Schulleitung für sich beanspruchen könne. Kommunikationsprobleme zwischen Pädagogen und Politikern dürften nicht im Wege stehen, wenn es darum gehe, Lehrkräften endlich die Freiheit zu geben, die sie für eine selbstständige Entwicklung bräuchten.
Klare Worte findet auch Manfred Prenzel: „Lehrer, denen an der Schule nicht die Möglichkeit zur selbstständigen Problemlösung eingeräumt wird, können keine Vorbildfunktion für Schüler übernehmen, deren Generation in Zukunft viel schwerwiegendere Probleme lösen muss.“ Fest steht: Auch von administrativer Seite aus, sollte man auf das Führungspotential von Schulleitung und Lehrkraft vertrauen.
Klare Worte findet auch Manfred Prenzel: „Lehrer, denen an der Schule nicht die Möglichkeit zur selbstständigen Problemlösung eingeräumt wird, können keine Vorbildfunktion für Schüler übernehmen, deren Generation in Zukunft viel schwerwiegendere Probleme lösen muss.“ Fest steht: Auch von administrativer Seite aus, sollte man auf das Führungspotential von Schulleitung und Lehrkraft vertrauen.
Wissensaustausch per Schulnetzwerk
Von Resignation will keiner der Pädagogen sprechen. Die Signalwirkung, die durch einzelne Projekte wie den Deutschen Schulpreis oder das Studienkolleg für Lehramtsstudierende verbreitet werde, gebe Hoffnung. Woran man jetzt arbeiten müsse, seien Initiativen, die in die Breite gehen, so Manfred Prenzel. Auch Dennis Shirley verweist auf die Schlüsselfunktion solcher Netzwerke: „Schulnetzwerke sind unheimlich wichtig, um gewonnene Erkenntnisse weitergeben zu können.“ Der Wissensaustausch unter den Schulen verbreite schließlich Hoffnung und mache allen Beteiligten Mut.
(Michael Herm, Juli 2010)
(Michael Herm, Juli 2010)
Bildergalerie
Günter Gerstberger, Bereichsleiter der Robert Bosch Stiftung
Das Podium mit Moderatorin Heidi Wahl, Focus Schule
Blick ins Publikum
Prof. Dr. Rolf Dubs, Wirtschaftspädagoge und ehemaliger Rektor der Universität St. Gallen
Prof. Dr. Manfred Prenzel, PISA-Koordinator und Dekan der TUM School of Education in München
Prof. Dr. Dennis Shirley, Erziehungswissenschaftler und Lehrerbildner am Boston College
Das Schlusswort
Weitere Informationen
Das Podiumsgespräch „Lehrkraft-Führungskraft. Wie lernen Lehrkräfte zu führen“ versteht sich als Transferveranstaltung zum Stipendienprogramm „Studienkolleg - Begabtenförderung für Lehramtsstudierende“.