Virtuelles und reales Lern- und Kompetenz-Netzwerk älterer Erwachsener

Erster Preis, 50.000 €

Der bundesweit tätige Verein „Virtuelles und reales Lern- und Kompetenz-Netzwerk älterer Erwachsener“ (ViLE) wurde 2002 in Berlin gegründet. ViLE bietet Senioren, die an Weiterbildung und persönlicher Weiterentwicklung interessiert sind, eine Plattform zum Lernen, zur virtuellen und (durch Treffen einzelner Gruppen innerhalb des Vereins) realen Kommunikation sowie zur Zusammenarbeit in unterschiedlichen Themenfeldern und Projekten. Die neuen Medien sind dabei die erfolgreichen Wege, um Erfahrungswissen und Kompetenzen Älterer für sie selbst und für die Gesellschaft nutzbar zu machen. Den Beteiligten gelingt es, an gesellschaftlichen Entwicklungen teilzuhaben, aber auch, diese kritisch zu begleiten. ViLE, so die eigene Beschreibung, „ist darauf ausgerichtet, Neues zu entdecken und auszuprobieren, sei es individuell oder für dazu entstehende Gruppen“. Diese Neugier und das Interesse an Neuem schließen auch den Erfahrungsaustausch zwischen den Generationen ein und stärken so auf besondere Weise das gesellschaftliche Engagement aller Altersgruppen.

Folgende vier Projekte, die innerhalb des ViLE entstanden sind, finden die Anerkennung der Jury:
Uwe Bartholl, Stade: Online-Redaktion "LernCafé"
Die Zeitschrift „LernCafé“, vor acht Jahren aus einem Projekt des Zentrums für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWiW) der Universität Ulm hervorgegangen, wird seit fünf Jahren vierteljährlich von ViLE herausgegeben. Die 24 Online-Redakteure wohnen verstreut überall in Deutschland. Sie kommunizieren und organisieren ihre Zeitschrift von der Ideenfindung bis zur Endversion ausschließlich online über eine Arbeitsplattform des Fraunhofer Instituts.

Die Redakteure sind für die inhaltliche Gestaltung, Entwicklung, Erstellung, Codierung und Pflege der Online-Präsentation verantwortlich. Ihr Motto lautet: „Wir wollen uns nicht zur Ruhe setzen, sondern haben was zu sagen.“ Sie beschäftigen sich mit Themen, die sie interessieren, und von denen sie überzeugt sind, dass sie andere interessieren. Rund 750 Abonnenten sowie hohe Zugriffszahlen im Netz belegen den Erfolg der Senior-Journalisten.
Dietrich Bösenberg, Donauwörth: Spurensuche - Jüdische Friedhöfe in Deutschland
Während des Seniorenstudiums am ZAWiW beteiligte sich Dietrich Bösenberg an einem wissenschaftlichen Projekt und fand dabei sein Thema: die Erforschung jüdischer Friedhöfe in Deutschland. Anfangs beschränkte er sich auf eine Region, mittlerweile hat er bundesweit Mitstreiter gefunden, deren gemeinsame Arbeitsmittel Computer und Internet sind. Die neuen Medien unterstützen Dietrich Bösenberg bei der Recherche, dem Austausch und der Zusammenarbeit mit Experten und Interessierten und bei der Gewinnung von neuen Mit-Forschern.

Dokumentiert wird seine Arbeit in einer Powerpoint-Präsentation sowie auf der eigenen Webseite. Über die virtuelle Präsentation seines Projekts, das in die Regionalgruppe Süd des ViLE eingegliedert ist, möchte Dietrich Bösenberg möglichst viele Menschen gewinnen und motivieren, jüdische Friedhöfe in ihrer Umgebung zu erkunden und zu beschreiben und somit einen Beitrag zur Pflege des jüdischen Erbes in Deutschland zu leisten.
Hildegard Neufeld, Bad Homburg: Mein Weg zur Senioren-Online-Redakteurin
Auch nach ihrer beruflichen Tätigkeit als Fachzeitschriften-Redakteurin im Bereich Wirtschaft wollte Hildegard Neufeld aktiv, kreativ, selbstbestimmt, und - so schreibt sie selbst - „gesellschaftlich handlungsfähig“ sein und bleiben. Um dieses Ziel zu erreichen, überwand sie ihre ablehnende Haltung gegenüber Neuen Medien und besuchte fachbezogene Seminare des Modellprojekts „Senior-Online-Redaktion“ der Universität Ulm; der Wechsel von den Print- zu den Online-Medien war besiegelt: „Ich beschloss, Online-Redakteurin zu werden“.

Im Alter von 85 Jahren schreibt sie heute für das Online-Journal „LernCafé“ und hilft anderen Senioren im Umgang mit Neuen Medien. Hildegard Neufeld ist Gründungsmitglied des ViLE. Als noch „junge“ Online-Redakteurin möchte sie ihrer und nachfolgenden Generationen zeigen, wie Alter aktiv gelebt und kreativ gestaltet werden kann.
Brigitte Nguyen-Duong, Ulm: Online-Projekt „Frauengeschichte“
Das Online-Projekt „Frauengeschichte“ ist aus einer kleinen Gruppe literaturinteressierter Seniorinnen des Zentrums für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Ulm (ZAWiW) hervorgegangen und ist Mitglied der Regionalgruppe Süd des ViLE. Die Seniorinnen wollen, so ihre Eigenbeschreibung, „vergessene Frauen mit herausragenden Leistungen in der Geschichte der Gleichberechtigung auf ihrem langen Weg zur Emanzipation begleiten, wieder entdecken und sichtbar machen“.

Für die Recherche und die Online-Präsentation setzen sie neueste Medien ein und füllen sie mit Inhalt. So ist eine Website mit Online-Galerie, Kurzbiographien und Texten zur Geschichte der Frauen und ihrer Zeit aus Deutschland und Europa entstanden. Viele weiterführende Informationen wie Quellenangaben, Primär- und Sekundärliteratur sowie Links zeigen den hohen Anspruch, den die Autorinnen erfüllen.

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