Dialog macht Schule
Jugend und Demokratie

Dialog macht Schule

Politische Bildung mit Jugendlichen in der Einwanderungsgesellschaft

An vielen Schulen wächst eine neue Generation von Kindern aus Einwandererfamilien heran. Viele von ihnen wachsen in sogenannten sozial benachteiligten, oft auch bildungsfernen Familien auf. Die klassischen Methoden politischer Bildung gehen an diesen Kindern und Jugendlichen häufig vorbei.


„Dialog macht Schule“ spricht sie direkt und auf neue Weise an. Im Mittelpunkt stehen die Dialoggruppen, die aus 10 bis maximal 15 Schülern ab Klasse sieben bestehen, vornehmlich aus Einwanderer-familien. Die Gruppen treffen sich wöchentlich über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren, entweder im Rahmen freiwilliger AGs oder als Teil des Politik- oder Ethikunterrichts. Geleitet werden sie von sogenannten Dialogmoderatoren, jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund, die für ihre Aufgabe in Seminaren und Workshops ausgebildet und vernetzt werden.

Die teilnehmenden Jugendlichen entwickeln miteinander Regeln für eine faire und geordnete Gesprächsführung. Ausgehend von Themen wie beispielsweise „Zusammenleben in unserer Klasse“ werden Schritt für Schritt gesellschaftliche und politische Aspekte ins Gespräch gebracht und eigene Denkgewohnheiten reflektiert.

Das Projekt startete 2009 an ausgewählten Schulen in Berlin-Neukölln und Stuttgart als Modellvorhaben der Bundeszentrale für politische Bildung und der Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit der Stadt Stuttgart und dem Bezirksamt Berlin-Neukölln.

Zur Fortführung und Ausweitung des Projekts gründeten die beiden Dialogmoderatoren Hassan Asfour und Siamak Ahmadi 2013 in Berlin die Dialog macht Schule gGmbH. Inzwischen sind über 90 Dialogmoderatoren bundesweit an verschiedenen Standorten im Einsatz.

Daniela Schadt trifft Dialog macht Schule

Fotos: Caren Pauli / Dialog macht Schule gGmbH 
Wie muss sich politische Bildung auf die Einwanderungsgesellschaft einstellen, damit die wachsende Zahl der Kinder und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Verhältnissen die Gesellschaft von morgen aktiv mitgestalten kann? Diese und weitere Fragen diskutierte Dialog macht Schule im September 2014 mit Frau Daniela Schadt, Lebensgefährtin des Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Publikation

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Jugend, Religion, Demokratie

Praxisberichte der Dialogmoderatoren, Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung und Interviews mit Projektbeteiligten
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Kontakt

Melanie Dense
Telefon 0711 46084-821
Stephanie Gläser
Telefon 0711 46084-973
Die beiden Dialogmoderatoren Siamak Ahmadi und Hassan Asfour sind von „Dialog macht Schule“ so überzeugt, dass sie aus dem Projekt eine eigene gGmbH gemacht haben.
Warum? Das haben wir sie in einem Interview gefragt.

Siamak, Hassan, warum seid ihr überhaupt Dialogmoderatoren geworden?
Siamak Ahmadi: „Das Modellprojekt „Jugend, Religion, Demokratie“, aus dem sich „Dialog macht Schule“ in seiner heutigen Form entwickelt hat, war für mich spannend, weil es mir die Möglichkeit bot, Praxis und Forschung zu verbinden, um neue Formate politischer Bildung für eine bis dahin kaum zugängliche Gruppe von Jugendlichen mit zu entwickeln – also Pionierarbeit in diesem Bereich zu leisten.“

Hassan Asfour: „Ich war begeistert von der Idee, einen geschützten Raum in Schulen zu schaffen, in dem Fragen zur eigenen Identität und Zugehörigkeit zur Sprache kommen und reflektiert werden können. Einen solchen Raum hätte ich mir während meiner eigenen Schulzeit gewünscht, denn gerade Schüler mit Einwanderungsgeschichte treiben diese Themen besonders um.“

Was ist bislang euer schönstes Erlebnis im Projekt?
„Zu den schönsten Erlebnissen mit unseren Schülern zählen die Momente, in denen bei ihnen Reflexionsprozesse zu Themen und Meinungen einsetzen, über die sie auch noch nach unseren Dialogsitzungen weiter diskutieren und reflektieren.“

Vom Dialogmoderator zum Geschäftsführer – was hat euch dazu gebracht, eine gGmbH zu gründen?
„Die Idee dazu entstand nach einem Jahr Praxis in diversen Brennpunktschulen in Berlin-Neukölln. An fast jeder Schule machten wir die Erfahrung, dass Lehrer oft alleine sind mit den hohen Anforderungen, die mit einer stetig wachsenden multikulturellen Schülerschaft einhergehen. Es fehlten häufig genau die Zugänge, die man braucht, um Jugendliche für gesellschaftliche Teilhabe und politische Partizipation vorzubereiten. Auch (Werte-)Konflikte zwischen Schülern und Lehrern sind an diesen Schulen keine Seltenheit.
Deshalb wollten wir aus dem Modellprojekt unbedingt ein Mentoringprogramm machen, um Dialogmoderatoren auch weiterhin als unterstützende Akteure an Schulen in schwieriger Lage zu schicken.“

Blick in die Zukunft: Wie sieht Dialog macht Schule 2020 aus?
„Wir haben ein sehr ambitioniertes Ziel: Ab 2020 wollen wir mit 1.000 Dialogmoderatoren jährlich über 20.000 Schüler an 500 segregierten Haupt- und Gesamtschulen erreichen.

Zudem kooperiert Dialog macht Schule im Jahr 2020 mit vielen Universitäten bundesweit, um die gesammelten Erfahrungen und das Wissen aus der Praxis für die Lehrerausbildung nutzbar zu machen und einen Beitrag dafür zu leisten, die Lehrer von morgen auf den Normallfall Vielfalt in den Schulen vorzubereiten.“
Hassan Asfour
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Gründer, Geschäftsführer, Management
Diplom Interkulturelle Kommunikation

Hassan Asfour ist Gründer der Dialog macht Schule gGmbH und Dialogmoderator. Er hat Interkulturelle Kommunikation und Internationale Beziehungen an der Humboldt Universität in Berlin, Madrid und Beirut studiert. Bei Dialog macht Schule ist er verantwortlich für die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit, Drittmittelakquise und Management des operativen Geschäfts.

Siamak Ahmadi
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Gründer, Geschäftsführer, Konzeption
Psychologe (M.Sc.)

Siamak Ahmadi ist Gründer der Dialog macht Schule gGmbH und Dialogmoderator. Er hat Psychologie an der Bournemouth und Sunderland University in England mit Schwerpunkt klinische Psychologie studiert. Bei Dialog macht Schule ist er verantwortlich für die Bereiche Ausweitung und Transfer sowie Konzeption und Entwicklung des Projekts.

Bildergalerie

Fotos: Harms/Franquesa
v.l.n.r. Hassan Asfour, Siamak Ahmadi

Publikation

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Wie zwei große Brüder
Artikel aus dem Magazin "Politische Bildung" der Robert Bosch Stiftung
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