Völkerverständigung Amerika und Asien

Medienforum China - Deutschland

Fotos: Thorsten Futh
Andreas Cichowicz, Fernseh-Chefredakteur des NDR
Das Medienforum in der Berliner Repräsentanz der Robert Bosch Stiftung
Liu Beixian, Präsident China News Agency
Ingrid Hamm, Robert Bosch Stiftung, Klaus Töpfer, ehem. Bundesumweltminister
Dai Xiaojing, Präsident SEEC Media Group
Treffen mit Außenminister Guido Westerwelle
Bai Yansong, Moderator CCTV
Thomas Schmid, Herausgeber Die Welt
Ingrid Hamm, Robert Bosch Stiftung
Sabine Christiansen im Gespräch mit Paul-Bernhard Kallen
Hu Xijin, Chefredakteur der Global Times
Graphisches Protokoll
4. Medienforum China - Deutschland

Stuttgart/Berlin, 24. Juni 2013 - Auf Einladung der Robert Bosch Stiftung trafen vom 19. bis 21. Juni Chefredakteure und prominente Medienvertreter aus Deutschland und China zum "4. Medienforum China - Deutschland" zusammen. Thema des diesjährigen Forums in der Berliner Repräsentanz der Stiftung war "Transformation in Medien, Politik und Umwelt".

Im Vordergrund standen die neue chinesische Führungsriege sowie die sozialen Herausforderungen des Landes. Diskutiert wurde außerdem die wachsende Aufmerksamkeit für Umweltthemen. Chinas Herausforderungen im Umweltschutz sind gewaltig, Deutschland nimmt die Energiewende in Angriff. Ebenso tauschten sich die Teilnehmer darüber aus, welche Erfahrungen Deutschland seit der Wiedervereinigung mit gesellschaftlichen Transformationsprozessen gemacht hat. Zu diesem Zweck waren die chinesischen Chefredakteure vor dem Forum im Rahmen einer Study Tour zwei Tage in Leipzig unterwegs. Auf dem Programm standen Treffen mit Landespolitikern, aber auch das Stasi-Museum "Runde Ecke" und der Austausch mit Kollegen des Mitteldeutschen Rundfunks.

Ein weiterer Fokus der Gespräche lag auf zukunftsfähigen Geschäftsmodellen für Medienhäuser in beiden Ländern. Als besonderer Gast war hierzu Dr. Paul-Bernhard Kallen, Vorstandsvorsitzender der Hubert Burda Medien AG, eingeladen, der in einem Dinnergespräch mit Sabine Christiansen Einblicke in das Burda-Modell gab.

Highlights des diesjährigen Forums waren unter anderem ein Treffen mit Außenminister Guido Westerwelle, die Teilnahme an der Rede des amerikanischen Präsidenten Barack Obama am Brandenburger Tor und der Input des ehemaligen Bundesumweltministers Klaus Töpfer zur deutschen Energiewende.

Nächstes Jahr wird das Forum erneut in China stattfinden

"Die Bedeutung dieses Forums liegt darin, dass es die Medienhäuser beider Länder einander näher bringt. Alle Teilnehmer, die wir aus China einladen, sind in der chinesischen Medienlandschaft sehr einflussreich. Das gleiche gilt für die deutsche Seite. Unser Treffen trägt dazu bei, den Dialog beider Gesellschaften miteinander zu befeuern, das ist sehr wichtig", sagt Hu Xijin, Chefredakteur der Global Times.

Andreas Cichowicz, Fernseh-Chefredakteur des NDR: "Dieser direkte Kontakt zu den chinesischen Medienvertreten, sie kennenzulernen und über sie Einschätzungen der politischen Lage und der Haltung in den Medien zu erfahren, ist wichtig, vor allem wenn es darum geht, Beziehungen zu knüpfen und Krisen zu vermeiden. Was mich von Anfang an begeistert hat, ist der kritische Austausch, den wir haben. Auch, wenn wir unterschiedliche Ansichten haben, können wir uns sehr offen die jeweiligen Positionen vorhalten und erklären. Das begrüße ich und ich freue mich, dass das auch von chinesischer Seite so gesehen und gewürdigt wird."

In Zusammenarbeit mit der englischsprachigen Tageszeitung in China, Global Times, bringt die Robert Bosch Stiftung seit 2010 prominente Medienvertreter und Chefredakteure wichtiger deutscher und chinesischer Medien zu Gesprächen zusammen, um gemeinsam über Herausforderungen und Verantwortung der Medien in der internationalen Berichterstattung zu debattieren.
3. Medienforum China-Deutschland: Chinas Westen im Wandel
Chefredakteure deutscher und chinesischer Medien tagen im südwestlichen Chengdu

Beim 3. Medienforum China - Deutschland diskutierten Medienvertreter beider Länder zwei Tage lang unter dem Oberthema "Chinas Westen im Wandel" aktuelle Fragen rund um das chinesische Hinterland. Das Forum fand in Chengdu statt, der Hauptstadt der südwestchinesischen Provinz Sichuan.

Chengdu gilt als Motor der westchinesischen Wirtschaft. Zum einen weist die Stadt typische Phänomene der chinesischen Urbanisierung auf: Die Stadtbevölkerung hat sich in wenigen Jahren auf mittlerweile 14 Millionen Einwohner verdoppelt. Als große Herausforderung gilt der Bau eines nachhaltigen Verkehrssystems. Andererseits weist das Chengduer Entwicklungsmodell einige Besonderheiten auf: Die Stadt versucht ein Gleichgewicht zwischen ökonomischen und ökologischen Interessen zu schaffen. Es ist Chengdu als bislang einziger Metropole Chinas gelungen, das wirtschaftliche Stadt-Land-Gefälle zu verringern und die Landflucht durch ländliche Konjunkturprogramme zu reduzieren.

Erstmals war das Medienforum in eine zweitägige Study Tour um den Tagungsort eingebettet. Highlights der Tour waren der Besuch des Produktionsstandortes FAW-Volkswagen, die für Migranten gegründete Satellitenstadt Longquanyi und die Chengdu City Planning Exhibition Hall.

Arabischer Frühling, die Eurokrise und die Rolle von Social Media

Auf dem Medienforum diskutierten die Medienvertreter beider Länder darüber hinaus aktuelle globale Fragestellungen wie den Arabischen Frühling, die Eurokrise und die Rolle von Social Media wie Facebook und Weibo.

"Die Diskussionen wurden intensiv und auf Augenhöhe geführt und haben sich qualitativ noch weiter verbessert", sagte Dr. Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung, und kündigte eine Fortsetzung des Medienforums im kommenden Jahr in Ost-Deutschland an. "Wir werden uns nach allen Kräften bemühen, im nächsten Jahr eine ähnlich hochwertige Veranstaltung auf die Beine zu stellen." Hu Xijin, Chefredakteur der Global Times, zeigte sich erfreut über den offenen und ehrlichen Austausch zwischen beiden Länden. "Mit diesem Austausch nehmen wir unsere gesellschaftliche Verantwortung als Medienvertreter ernst."

In Zusammenarbeit mit der englischsprachigen Tageszeitung Global Times führt die Robert Bosch Stiftung seit 2010 prominente Medienvertreter und Chefredakteure wichtiger deutscher und chinesischer Medien zu Gesprächen zusammen, um gemeinsam über die Herausforderungen und die Verantwortung der Medien in der internationalen Berichterstattung zu debattieren.

(Oliver Radtke, September 2012)

Video
Medienforum China-Deutschland 2011 in Berlin

Der deutsche Altbundeskanzler Helmut Schmidt richtet den Blick nach vorn: "Es ist sehr sinnvoll, dass die Robert Bosch Stiftung das ‚Medienforum China-Deutschland’ ins Leben gerufen hat", sagte Schmidt nach einer Fragerunde mit den Teilnehmern. "Der direkte und offene Austausch von chinesischen und deutschen Journalisten in Führungspositio­nen ist wichtig für die Verständigung zwischen Deutschen und Chinesen. Sie sollten sich von nun an jedes Jahr treffen."

Auf Einladung der Stiftung kamen in Berlin hochrangige Medienvertreter und Chefredakteure führender deutscher und chinesischer Medien zusammen. Sie diskutierten zwei Tage lang über die Bewältigung der Finanzkrise, die aktuelle Energiepolitik und mögliche Konsequenzen der nordafrikanischen Revolutionen. Besonderes Augenmerk galt der Frage nach Aufgabe und Verantwortung der Medien in beiden Ländern.

Zu Gast beim Bundespräsidenten

Nach ihrem zweitägigen Austausch berichteten die Journalisten und Medienmanager dem Bundespräsidenten Christian Wulff in einem vertraulichen Gespräch im Schloss Bellevue von ihren Ergebnissen. Zu den aus China angereisten Teilnehmern gehörten Zhang Yannong, Präsident der Volkszeitungsgruppe, Hu Xijin, Chefredakteur der Global Times, und Liu Beixian, Präsident des China News Service. Sie trafen auf deutscher Seite neben anderen auf ZDF-Chefredakteur Peter Frey, Stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn und dpa-Chef Wolf­gang Büchner.

Die Robert Bosch Stiftung veranstaltet das Medienforum in Zusammenarbeit mit Global Times, einer der größten Tageszeitungen der Volksrepublik China. Die Fort­s­­­etzung ist 2012 in China geplant.

Bilder

Zu Gast beim Bundespräsidenten (v.l.): Hu Xijin, Chefredakteur der Global Times, Zhang Yannong, Präsident der Volkszeitungsgruppe, Dr. Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung, und Bundespräsident Christian Wulff
v.l.: Dr. Ingrid Hamm, Hu Xijin, Christian Wulff und Zhang Yannong
Gruppenbild vor Schloss Bellevue

Zitate der Teilnehmer

Fotos: Anita Back
Helmut Schmidt, Bundeskanzler a.D.
"Es ist sehr sinnvoll, dass die Robert Bosch Stiftung das 'Medienforum China-Deutschland' ins Leben gerufen hat. Der direkte und offene Austausch von chinesischen und deutschen Journalisten in Führungspositionen ist wichtig für die Verständigung zwischen Deutschen und Chinesen. Sie sollten sich von nun an jedes Jahr treffen."
Sabine Christiansen, Geschäftsführerin TV21
"Das deutsch-chinesische Medienforum hat wieder einmal bewiesen, wie wichtig es ist, miteinander zu reden und nicht nur übereinander. Die intensiven Debatten über Meinungsfreiheit und Kontrolle der Medien in China, der Umgang mit Staatskritikern, die Arbeitsbedingungen westlicher Kollegen in der Volksrepublik u.v.m. war spannender Mittelpunkt der Tagung. Die sehr offenen Gespräche haben wieder einmal, wie bereits im vergangenen Jahr in Shanghai, gezeigt, dass dadurch Vorurteile auf beiden Seiten abgebaut wurden und direkte Informationen aus erster Hand, z.B. über die Entwicklung der Social Networks zu mehr Verständnis führen."
Bai Yansong, CCTV Moderator
"Im Dialog und im Wettbewerb Chinas mit der Welt ist das deutsch-chinesische Medienforum, das gemeinsam von der Robert Bosch Stiftung mit Global Times veranstaltet wird, eine wichtige Plattform. Auf diesem Forum haben Medienvertreter beider Länder nicht nur den gegenwärtigen Stand ihrer Beziehungen überprüft, sie haben neues Selbstbewusstsein für den Aufbau und einen ersten Geschmack der zukünftigen Beziehungen erhalten. Daher ist dieses Forum von großem Wert."
Ma Weigong, stellv. Chefredakteur China Radio International
"Die Veranstaltung hat einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen, wir haben sehr offen und thematisch sehr breit gefächert diskutiert. Alle Teilnehmer waren an einem ehrlichen und direkten Austausch interessiert. Die Aufgabe der Medien liegt im Brücken bauen, diese Veranstaltung trägt sehr dazu bei. Sie macht Sinn und sollte - ganz im Sinne von Herrn Schmidts Schlusswort - auf jeden Fall jährlich durchgeführt werden."
Andreas Cichowicz, Chefredakteur Fernsehen NDR
"Ich bin überrascht, wie offen und wie kritikfähig sich die chinesische Seite gezeigt hat, ich hätte erwartet, dass die chinesische Delegation geschlossen auftritt. Es war aber ein sehr großes Meinungsspektrum, dass wir hier erfahren haben, und ich freue mich, dass auch wir Deutschen mit Kritik bedacht wurden. Früher wäre die chinesische Seite womöglich aufgetanden und hätte den Saal verlassen. Daher, glaube ich, dass dieses Medienforum sehr dazu beiträgt, offen und transparent Probleme anzusprechen. Ob wir Lösungen erarbeiten können, liegt noch in der Zukunft. Diese Zusammenkunft ist wichtig."
Johannes Pflug, MdB
"Ich finde es gut und wichtig, dass es das Medienforum China-Deutschland der Robert Bosch Stiftung gibt. Diese Plattform ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie auf der Basis unterschiedlicher Staatsverständnisse kritische Berichterstattung diskutiert und die gemeinsame Schnittmenge deutscher und chinesischer Medienschaffender nachhaltig erweitert werden kann."
Chen Tong, Chefredakteur Sina.com
"Die Diskussionen waren direkt, leidenschaftlich, auf Augenhöhe. Die Thematiken breit und am Arbeitsalltag orientiert. So hat das Forum für die zukünftige Arbeit eine wichtige Leitfunktion."
Ines Pohl, Chefredakteurin taz
"Ich bin beeindruckt, tief beglückt und überrascht über die Bereitschaft einerseits, kritisch miteinander umzugehen, aber auch Kritik anzuhören und aneinander auszuhalten. Wir haben ganz gut gesehen, dass nicht nur die chinesischen Gäste auf Schlagworte wie 'Angst' vielleicht ein wenig über-emotional reagieren, sondern dass auch auf deutscher Seite Worte wie Übertreibung oder gar Lüge fallen, dass da durchaus heftig und unangemessen reagiert wird. Ich glaube, wir haben ganz viel voneinander gelernt. Das ist eine super Veranstaltung mit dem absoluten Höhepunkt Bundeskanzler Helmut Schmidt zum Schluss. Ganz großen Glückwunsch an die Veranstalter und herzlichen Dank."
Medienforum China-Deutschland 2010 auf der EXPO in Shanghai

Die oft einseitige und nicht selten von Vorurteilen geprägte Berichterstattung in China und Deutschland über das jeweilige Gegenüber ist Beleg für die Notwendigkeit eines intensiven und sachlich geführten Dialogs. In Zusammenarbeit mit einer der größten Tageszeitungen der Volksrepublik China, Global Times, führte die Robert Bosch Stiftung prominente Medienvertreter und Chefredakteure wichtiger deutscher und chinesischer Medien zu Gesprächen zusammen, um gemeinsam über die Herausforderungen und die Verantwortung der Medien in der internationalen Berichterstattung zu debattieren.

Die Gespräche standen unter dem Motto der EXPO ("Better City, Better Life") und verbanden relevante und aktuelle Probleme der demographischen Entwicklung, Urbanisierung und den damit verbundenen ökologischen Herausforderungen mit größeren Fragen der gegenseitigen medialen Darstellung und Wahrnehmung. Die Gespräche fanden in Shanghai vom 17. bis 18. Mai statt, am 20. Mai war Bundespräsident Prof. Dr. Horst Köhler mit einer hochrangigen Delegation zu Gast, um gemeinsam mit den Chefredakteuren, Vertretern der Robert Bosch Stiftung sowie der Global Times die Ergebnisse der Medienrunde zu diskutieren.

Bildergalerie

Zhao Zhongying, Intendantin "China National Radio", und Prof. Dr. Joachim Rogall, Bereichsdirektor der Robert Bosch Stiftung
Ding Gang, Vize-Direktor der internationalen Abteilung "People's Daily"
Hans-Martin Tillack (re.), Berliner Redaktion des "stern", und Marc Bermann, Projektleiter der Robert Bosch Stiftung
Zhang Ciyun, Chefredakteur "Shanghai Daily", und Wolfgang Büchner (re.), Chefredakteur Deutsche Presse-Agentur (dpa)
Dr. Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung
Dr. Ingrid Hamm und Hu Xijin, Chefredakteur der "Global Times"
Hans Werner Kilz (li.), Chefredakteur "Süddeutsche Zeitung", und Peter Limbourg, Chefredakteur "N24"
Dr. Josef Joffe, Herausgeber "Die Zeit"
Medienforum China - Deutschland
Dr. Ingrid Hamm und Bundespräsident Prof. Dr. Horst Köhler
Medienforum China - Deutschland: Gespräch mit Bundespräsident Köhler
Demographieforum_Expo.jpg
Städte im demographischen Wandel
Passend zum Motto der Expo "Better City - Better Life" hat die Robert Bosch Stiftung am 20. Mai eine deutsch-chinesische Demographiekonferenz in Shanghai veranstaltet: "Städte im demographischen Wandel". Gemeinsam mit der Shanghai Academy of Social Sciences (SASS) hatte die Stiftung rund 120 Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft eingeladen, um die Auswirkungen demographischer Veränderungsprozesse auf das Arbeits- und Familienleben in Städten zu diskutieren. Zu den Referenten beider Länder zählten unter anderem Ministerpräsident a.D. Kurt Biedenkopf, der Soziologie Prof. Hans Bertram, der stellvertretende Direktor der Kommission für Bevölkerungs- und Familienplanung in Shanghai, Dr. Sun Changmin, sowie Prof. Ren Yuan vom Kolleg für gesellschaftliche Entwicklung und öffentliche Politik an der Fudan-Universität.