Grenzgänger

Feridun Zaimoglu:

Hinterland

Mein Roman "Hinterland" erschien zur Frankfurter Buchmesse 2009. Im Jahre 2008 unternahm ich Reisen nach Prag, nach Polen, nach Budapest und zum Plattensee. Ich erzähle in meinem Buch die Geschichte von Schwer- und Wehmütigen, die es in fremde Städte verschlägt - sie verwickeln sich in seltsame Geschichten. Ich hatte in mehrwöchiger Arbeit das Skript ausgearbeitet, Anfang, Mitte und Ende waren festgelegt. Die Robert Bosch Stiftung bewilligte mir den Antrag auf das Grenzgänger-Arbeitsstipendium - ich packte meine Koffer und machte mich auf den Weg. In Prag lernte ich die Mitglieder einer Jazzcombo kennen, sie gingen auf Tour und ich schloss mich ihnen an. Ich war verblüfft: In meinem Buch ist die Protagonistin die Tochter eines Komponisten. Es sollten sich auf meinen Reisen vieler solcher kleinen Wunder ereignen. Ich fuhr nach Böhmisch Kanada, blieb die eine oder andere Nacht in einer tschechischen Kleinstadt, und schrieb zeitgleich an meinem Roman - die Reise wurde zum kennzeichnenden Motiv. Ich wollte meinen Touristenstatus nicht aufgeben, deshalb las ich nicht in Büchern, sondern erlief mir die Schauplätze. Im Sommer fuhr ich wieder nach Prag, lernte in Bars und Museen, auf Märkten und Stadtfesten Einheimische kennen, ich wurde eingeladen und erfuhr von den Plätzen, auf die die Touristen noch nicht aufmerksam geworden waren. Ich folgte dem Fahrplan meines Romans und fuhr nach Budapest. Auch in dieser fremden Stadt stellte ich fest, dass es viele deutschsprechende Einheimische gibt. Tagsüber ging ich kilometerlange Strecken ab, dann stürmte ich zurück ins Hotel, und schrieb, bis es wieder Zeit wurde, die Stadt zu erkunden. Nach einer Woche begab ich mich an den Plattensee. Es war sonderbar - ich verwandelte mich nicht nur dem Romanprotagonisten an, ich wurde auch immer mehr in die Geschichte hinein gezogen. Im letzten Kapitel von Hinterland laufen die Fäden zusammen, der große Zusammenhang wird hergestellt. Von einem kurzen Aufenthalt in Krakau im Vorjahr wusste ich um den Winternebel im Abenddämmer - erst aber fuhr ich nach Posen und Warschau. Dann schrieb ich nach einigen Tagen der Recherche meinen Roman in Krakau zu Ende. Ich weiß noch, wie ich betrübt durch die Straßen lief - am liebsten hätte ich meine Koffer gepackt und wäre mit dem Zug weiter in den Osten gefahren.

Feridun Zaimoglu
Hinterland
Roman
448 Seiten, Gebunden
ISBN: 978-3-462-04133-0

Pressestimmen:

"Zaimoglus neuer Roman ist ein wucherndes Labyrinth, von Feen und Geistern bevölkert und verziert mit den Scherben eines Sonntagnachmittags. Man kann dieses Buch nicht lesen, mann muss es bereisen."
Ariadne von Schirach, Welt am Sonntag

"Genüsslich lässt sich Zaimoglu durch Städte, Sprachen, Mythen treiben. Ein Sammler, Worterfinder und Sinndurchleuchter, der aus den Versatzstücken der Weltkultur seine eigenen Mythen bastelt."
Ruth Bender, Kieler Nachrichten

Frankfurter Buchmesse 2009

Markus Kirchgessner
Feridun Zaimoglu im Gespräch mit Felicitas von Lovenberg (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Eine Veranstaltung des Fernsehsenders Arte und der Robert Bosch Stiftung.
Markus Kirchgessner
Feridun Zaimoglu im Gespräch mit Felicitas von Lovenberg (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Eine Veranstaltung des Fernsehsenders Arte und der Robert Bosch Stiftung.
Markus Kirchgessner
Zeichnung von Feridun Zaimoglu zu seiner Recherchereise

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