Robert Bosch Juniorprofessur Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen

Professor Dr. Regina Palkovits

Robert Bosch Juniorprofessur 2010: Forschen mit Freiraum für Innovation

Mangel als Motor - auf dem Weg zu den Rohstoffen von morgen: Zu diesem Thema diskutierte Dr. Regina Palkovits am 30. April 2010 vor geladenen Gästen im ehemaligen Wohnhaus des Stifters Robert Bosch mit Dr. Christine Kolmar, Mitglied der Geschäftsleitung WWF Deutschland, sowie Dr. Torsten Henzelmann, Greentech-Experte und Partner der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants. Anlass war die Verleihung der Robert Bosch Juniorprofessur 2010 an Regina Palkovits.

Die Suche nach neuen Rohstoffvorkommen ist in Zeiten dramatisch sinkender Vorräte immer wichtiger geworden. Ob Öl, Gas oder Wasser: Immer mehr Menschen benötigen immer mehr von diesen kostbaren Ressourcen. Das Angebot ist jedoch begrenzt, die Ausweitung bestehender Förderkapazitäten oder die Erschließung neuer Rohstoffvorkommen erfordern erheblichen Aufwand.

Gewinnung von Energie aus Pflanzen

Als besonders innovativer und vielversprechender Ansatz wird die Gewinnung von Energie aus Pflanzen betrachtet, da Pflanzenzellen aus Cellulose bestehen und Cellulose voller Energie steckt. Mehrere tausend Zuckereinheiten sind über besonders stabile Verknüpfungen verbunden, die bisher nur mit großem Aufwand in ihre einzelnen Bausteine, die Zuckermoleküle, gespalten werden können. Reichlich vorhandene Energie bleibt so ungenutzt: Cellulose ist die häufigste organische Verbindung der Erde.

In Zukunft soll Cellulose wesentlich effizienter als bisher in die kleinsten Bestandteile aufspalten. Dies böte viele Einsatzmöglichkeiten, beispielsweise als erneuerbarer Rohstoff für die Produktion von Chemikalien oder Treibstoffen, da sich Zuckermoleküle der Cellulose alkoholisch vergären ließen. Das dabei entstehende Ethanol ist dann als vollständig regenerativer Biokraftstoff nutzbar und würde, anders als Kraftstoff aus Getreide und Mais, nicht mit der Lebensmittelproduktion konkurrieren.

Neben der einfachen und kostengünstigen Produktion erneuerbarer Rohstoffe und regenerativer Biokraftstoffe könnte auch die CO2-Bilanz des Herstellungsprozesses deutlich verbessert werden. Der Begriff "CO2-neutral" trifft bei der energetischen Nutzung von Biomasse bisher häufig nur bedingt zu, da beim Anbau und der Bereitstellung von Biomasse sowie beim Betrieb von Bioenergieanlagen fossile Hilfsenergie genutzt wird.

Grenzbereich von Chemie und Ingenieurwissenschaften

Regina Palkovits arbeitet in einem neuartigen und zukunftsweisenden Feld im Grenzbereich von Chemie und Ingenieurwissenschaften.

Die besondere Relevanz des Themas, der innovative Forschungsansatz von Regina Palkovits sowie ihre bisherigen Leistungen überzeugten das Auswahlgremium unter Vorsitz von Professor Klaus Töpfer. Der ehemalige Exekutiv-Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) unterstrich in seinem Festvortrag am 30. April die enge Verbindung zwischen grundlegenden Überzeugungen von Robert Bosch und den Zielen, die das Programm der Juniorprofessur „Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen“ verfolgt.

Bildergalerie: Verleihung der Juniorprofessur 2010

Bilder: Susanne Kern
Die Juniorprofessorin Dr. Regina Palkovits zwischen Prof. Dr. Klaus Töpfer, Vorsitzender des Auswahlgremiums, und Dr. Kurt Liedtke, Vorsitzender des Kuratoriums der Robert Bosch Stiftung
Prof. Dr. Klaus Töpfer hält in der Kaminhalle der Villa Bosch den Festvortrag "Zur Nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen"
Podiumsdiskussion "Mangel als Motor - auf dem Weg zu den Rohstoffen von morgen"
Dr. Christine Kolmar (WWF Deutschland) beantwortet die Fragen von Moderator Ingolf Baur
Professor Dr. Hermann Scholl, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Robert Bosch GmbH und geschäftsführender Gesellschafter der Robert Bosch Industrietreuhand KG (RBIK)
Musikalische Umrahmung des Festakts durch das Duo Holzweg
Dr. Regina Palkovits wird durch Dr. Kurt Liedtke mit der Robert Bosch Juniorprofessur 2010 ausgezeichnet
Dr. Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung, im Gespräch mit Prof. Dr. Klaus Töpfer
v.l.n.r.: Prof. Dr. Herrmann H. Hahn, Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Prof. Dr. Walter Leitner, Direktor des Instituts für Technische und Makromolekulare Chemie der RWTH Aachen und Prof. Dr. Klaus Töpfer
Die Mitglieder des Auswahlgremiums Prof. Dr. Frits Mohren (Universität Wageningen/ Niederlande) und Prof. Dr. Hans-Peter Liebig (Universität Hohenheim) mit Prof. Dr. Herrman H. Hahn
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Kurzportrait
Die Robert Bosch Juniorprofessorin Dr. Regina Palkovits, geboren 1980, studierte Chemieingenieurwesen an der TU Dortmund. Sie hat am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung promoviert und als PostDoc an der Universität Utrecht in den Niederlanden gearbeitet, bevor sie nach Deutschland zurückkehrte.
Ihre Forschungsgruppe an der RWTH Aachen arbeitet zur effizienten Nutzung von Biomasse. Seit Aufnahme ihrer Tätigkeit als Robert Bosch Juniorprofessorin wurde sie wiederholt ausgezeichnet: sie erhielt den Innovationspreis 2010 des Landes Nordrhein-Westfalen in der Kategorie Nachwuchs und den Jochen-Block-Preis der Deutschen Gesellschaft für Katalyse. Sie war Themenbotschafterin des Jahres der Energie und wurde 2010 vorzeitig als Universitätsprofessorin für das Fach Nanostrukturierte Katalysatoren der Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften der RWTH Aachen berufen.
Regina Palkovits hat heute den Lehrstuhl für Heterogene Katalyse und Technische Chemie an der RWTH Aachen inne.