Denkwerk

Denkwerk-Symposium 2009 in Stuttgart

Im großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses fand am 13. und 14. November 2009 das 4. Denkwerk-Symposium statt. Vier Projektvorträge standen im Mittelpunkt der Veranstaltung und allen gelang, was Wissenschaftlern nicht immer gelingt: Das Publikum für das eigene Thema zu gewinnen, zu fesseln, zu unterhalten und zugleich handfeste wissenschaftliche Ergebnisse zu präsentieren.
Robert Thiele
Schülervortrag "Gute Zeiten - Schlechte Zeiten - Werbezeiten"
Robert Thiele
Blick in den großen Sitzungssaal im Rathaus Stuttgart
Robert Thiele
Im Anschluss an den Vortrag von Prof. Dr. Richter diskutieren die Schüler lebhaft mit.
Robert Thiele
Plakatausstellung der geförderten Projekte: Zeit für Austausch und Diskussion
„Damit haben wir uns bisher nicht beschäftigt, aber das ist sicherlich eine interessante Frage.“ Souverän wie ein Wissenschaftler mit langer Erfahrung antwortet Maximilian Schuh auf die Fragen aus dem Publikum. In seinem Vortrag hat er gemeinsam mit Sina Kobel die mehr oder weniger subtilen Kommunikationsstrategien zur Suggestion von Gesundheit in der TV-Produktwerbung entlarvt. Ruhig, gelassen aber zugleich mit Witz referieren die beiden Schüler im großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses, wo am 13. und 14. November 2009 das 4. Denkwerk-Symposium stattfand.

Vier Projektvorträge standen im Mittelpunkt der Veranstaltung und allen gelang, was Wissenschaftlern nicht immer gelingt: Das Publikum für das eigene Thema zu gewinnen, zu fesseln, zu unterhalten und zugleich handfeste wissenschaftliche Ergebnisse zu präsentieren. Die Vorträge der Schüler und Studenten boten einen Einblick in die Vielfalt der mittlerweile über 40 geförderten Denkwerk-Projekte:

Die Tutorinnen Maike Litmeyer und Vera Golychina klärten die rund 130 Tagungsteilnehmer anhand zweier Beispiele, die sie im Rahmen des Projekts „Linguistics@school“ im Archiv des BKA untersuchen konnten, über die Möglichkeiten der forensischen Linguistik bei der Suche nach den Verfassern inkriminierter Briefe auf.

Fabian Ajaj und Alexander Gura reflektierten in einem komplexen Gedankengeflecht mögliche Beziehungen zwischen den Gedichten Rose Ausländers, G.E. Lessing und der Musik von Fanny Hensel, der Schwester Felix Mendelssohn-Bartholdys – nicht als reine Gedankenspielerei, sondern um den Gedichttext als solchen mit Hilfe der Musik zu verstehen.

In ihrer Präsentation zur „Vorsuchungsreise des Erbprinzen Philip Julius zu Pommern-Wolgast“ warf Laura Hassinger unter dem Titel „Lernen durch Reisen“ die Frage nach der Aktualität eines fast 500 Jahre alten Bildungskonzepts auf. Eine besondere Herausforderung in dem Regionalgeschichtsprojekt stellte die Lektüre frühneuzeitlicher Texte dar, zumal auch Schüler der 5. Klassen beteiligt waren.

Die Schüler des Projekts „Frühe Neuzeit trifft Webtechnologie“ transkribierten und übersetzten eine Kirchenordnung von 1542 nicht nur aus dem Plattdeutschen Original ins Hochdeutsche sondern auch in HTML und machten sie so weiterer wissenschaftlicher Forschung zugänglich. Den immensen Aufwand, der hinter solch akribischer Forschungsarbeit steckt, erwähnten Sara Rapski und Lucka Raguse nur auf Nachfrage.

Die Motivation und Begeisterungsfähigkeit der Schüler und Studenten, aber auch das Engagement der Lehrer und Wissenschaftler sei der beste Beleg, so Dr. Ingrid Hamm, die Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung, dass Denkwerk einen wichtigen Beitrag zur Orientierung und zum Austausch an der Schnittstelle von Schule und Universität leiste. Auch die Zwischenbilanz von Projektleiterin Louise Baker-Schuster fiel positiv aus: Die Projekte werden von allen Beteiligten fast ausnahmslos positiv bewertet und tragen zum besseren Verständnis zwischen Schule und Universität bei.

Neben einem feierlichen Abendessen im Bosch Haus Heidehof, das durch eine Lesung der Chamisso-Preisträgerin Zsuzsanna Gahse literarisch begleitet wurde, standen eine Stadtführung, Workshops für Schüler, Lehrer und Wissenschaftler und ein Vortrag zum Thema „Was ist Optimismus?“ der Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Sandra Richter auf dem Programm.

Nach so vielen Begegnungen, Informations- und Vernetzungsmöglichkeiten hoffen wir, dass der ein oder andere Tagungsteilnehmer auf der Heimreise die eingangs zitierte Antwort auch als kleinen Auftrag mit nach Hause genommen hat: Damit haben wir uns bisher nicht beschäftigt, aber das ist sicherlich eine interessante Frage!

13.11.2009

Warm-Up für Teilnehmer aus Denkwerk-Projekten
12.45 Uhr Anmeldung im Stuttgarter Rathaus, Anbringen der Poster, Mittagsimbiss (Foyer, 3. OG)
13.30 Uhr Kennenlernrunde und Begrüßung der Denkwerker
14.15 Uhr Kurze Pause

Offizieller Beginn
14.30 Uhr Begrüßung (großer Sitzungssaal)
Dr. Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung
 
14.50 Uhr Studenten- und Schülervorträge

1. linguistics@school - Abenteuer Sprachwissenschaft
Koordinatorin: Dr. Lena Heine, Universität Osnabrück
Abenteuer Sprachwissenschaft - Schüler und Studierende erkunden gemeinsam die Linguistik
Vortragende: Maike Litmeyer und Vera Golychina

2. Wissenstransfer im Deutschunterricht: Textkomplexität und  erweiterte Kontextuierung
Koordinatoren: Prof. Dr. Hans Otto Horch, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Dr. Maria Behre, Einhard-Gymnasium Aachen
Doppelspiel - Lyrik im Gespräch mit Musik
Vortragende: Fabian Ajaj und Alexander Gura

3. PONT - Pommern ON Tour. Projekt zur Landeskulturgeschichte
Koordinatorin: Dr. Monika Schneikart, Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald
Lernen durch Reisen. Die „Vorsuchungsreise“ als frühneuzeitliches Bildungskonzept des Erbprinzen Philipp Julius von Pommern-Wolgast
Vortragende: Laura Hassinger

16.30 Uhr Kaffeepause mit Besichtigung der Posterausstellung

17.00 Uhr Schülervorträge

4. Gute Zeiten - Schlechte Zeiten - Werbe-Zeiten –  Die Erforschung von Werbespots
Koordinatoren: Prof. Dr. Achim Barsch, Dr. Christoph Müller, Universität Kassel
Wie wird Natürlichkeit und Gesundheit in Werbespots vermittelt?
Vortragende: Sina Knobel und Maximilian Schuh

5. Frühe Neuzeit trifft Webtechnologie
Koordinator: Prof. Dr. Michael Elmentaler, Christian-Albrechts-Universität Kiel
Frühe Neuzeit trifft Webtechnologie - eine Schulordnung des 16. Jahrhunderts
Vortragende: Lucka Raguse und Sara Rapski

18.00 Uhr Empfang und Besichtigung der Posterausstellung, musikalisch begleitet durch das Duo BassBone (Stuttgart)

Für Teilnehmer aus Denkwerk-Projekten:

19.30 Uhr Gemeinsamer Bustransfer in die Robert Bosch Stiftung

20.00 Uhr Festliches Abendessen in der Robert Bosch Stiftung mit Lesung von Zsuzsanna Gahse, Adelbert-von-Chamisso-Preisträgerin 2006
  
22.30 Uhr Bustransfer zum Hauptbahnhof und zu den Hotels Wartburg und Sautter


14.11.2009

8.30 Uhr Optionaler Stadtrundgang für Teilnehmer aus Denkwerk- Projekten

10.00 Uhr Begrüßungskaffee

10.15 Uhr Begrüßung

10.30 Uhr Wissenschaftlicher Vortrag
  
Prof. Sandra Richter: Was ist Optimismus? Ideen- und literaturgeschichtliche Forschungsansätze
Professor Dr. Sandra Richter, Universität Stuttgart
anschließend Diskussion

12.00 Uhr Mittagsimbiss und Besichtigung der Posterausstellung
Für Teilnehmer aus Denkwerk-Projekten:

12.45 Uhr 5 Jahre Denkwerk – Wo stehen wir?
Präsentation der Ergebnisse der Denkwerk-Zwischenevaluation
Louise Baker-Schuster, Robert Bosch Stiftung

13.15 Uhr Drei Einzelworkshops für Wissenschaftler, Lehrer und Schüler aus Denkwerk-Projekten 

15.15 Uhr Gegenseitiger Austausch über die Ergebnisse aus den  Workshops

16.15 Uhr Dank und Verabschiedung

16.30 Uhr Ende der Veranstaltung und Abbau der Posterausstellung

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Kontakt

Niels Barth
Telefon 0711 46084-30