In Dortmund befindet sich das Lernzentrum seit 2004 direkt neben der Spielerkabine im Bauch des Stadions.







Björn Hänssler
Stadionbesuch: Ein Rundgang im Dortmunder "Westfalenstadion" gehört zum Programm des Lernzentrums.







Björn Hänssler
Anziehungspunkt Stadion: Selbst leere Arenen faszinieren die Fans.









Björn Hänssler
Borusseum: Im Dortmunder Vereinsmuseum werden Tradition und Erfolge des Clubs erlebbar.








Björn Hänssler

"Ich beobachte ein Auseinanderklaffen der 'Fankultur'"

Interview mit Klaus-Dieter Fischer, Präsident von Werder Bremen, zum neuen Lernzentrum für Fußballfans im Bremer Weserstadion.

Herr Fischer, Fußball und Soziale Verantwortung, warum passt das nach ihrer Überzeugung zusammen?

Fußball hat einen großen Stellenwert in der Gesellschaft. Die Bundesligavereine und Bundesligaspieler haben daher, sowohl im Positiven als auch im Negativen, Vorbildcharakter. Daher müssen wir uns für Antidiskriminierung, Gewaltprävention und Fairplay einsetzen und soziale Verantwortung übernehmen. Insbesondere sollte man dort nachhaltig helfen, wo Problemfelder der Gesellschaft bestehen und mit der jungen Generation gearbeitet wird, beispielsweise in Kindergärten, Schulen, Sozialeinrichtungen und Ausbildungsbetrieben.

Hat der Fußball eine Botschaft, die Sie auch außerhalb des Spielfelds vermitteln möchten? 

Fußball vermittelt viele Werte, die auch die demokratische Gesellschaft ausmachen: Toleranz, das Miteinander, das Füreinander, Fairplay, zu lernen Niederlagen zu ertragen und Siege nicht überzubewerten.
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Klaus-Dieter Fischer, Präsident des Bundesligavereins Werder Bremen, übernimmt seit 1970 Verantwortung im Verein.
Kann sich ein Fußballverein seine Fans überhaupt aussuchen oder gar heranziehen?

Wir können uns unsere Fans nicht aussuchen, weil sie automatisch kommen. Wir müssen aber mit unseren Fans den Kontakt aufrecht erhalten und pflegen. Fans die gegen unsere Wertvorstellung verstoßen, denen muss man diese nahebringen. Durch unsere positiven Botschaften wollen wir natürlich weiterhin Fans dazu gewinnen.

Werder Bremen erweitert mit dem Projekt das Engagement gegen Vorurteile, Extremismus und Gewaltbereitschaft. Gibt es für Sie ein persönliches Schlüsselerlebnis, das Ihr Engagement erklärt?

Mein persönliches Schlüsselerlebnis hat nicht speziell mit Werder Bremen zu tun. Es war meine persönliche Auseinandersetzung als im Krieg (1940) geborener mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.

Sie haben seit 1970 eine Führungsrolle im Verein. Wie haben sich Verhalten und Ansprüche der Fans gegenüber dem Verein seitdem entwickelt?

Es ist ein Auseinanderklaffen der „Fankultur“ zu beobachten. Die Zeiten, in denen Generaldirektor zusammen mit dem Hafenarbeiter beim Fußballspiel stand sind längst passé, auch durch den Komfort in den Stadien, den nicht alle Schichten unserer Gesellschaft bezahlen können. Deshalb ist es wichtig, mit den teuren Plätzen in Logen, insbesondere die Plätze der jungen und nicht so begüterten Fans zu subventionieren, diese Preise günstig zu halten. Diese Entwicklung hat auch dazu geführt, dass viele das Spiel und das „Drumherum“ als Event betrachten und der „nur“ am Fußball interessierte Fan von uns erwartet, Vereinstradition und Fannähe insbesondere durch die Vereinsführung und die Spieler, zu wahren.

Was erwarten Sie von dem neuen Lernzentrum?

Ich erwarte insbesondere durch Wertevermittlung, dass klar wird, dass Gewalt und Diskriminierung keine Mittel einer demokratischen Gesellschaft sind. Für den Fußball bedeutet das, dass Konkurrenz zum Sport gehört, aber Feindschaft und Hass keinen Platz erhalten dürfen, weder in den Werten, noch in den Taten.
Lernzentren für Fußballfans
Die Lernzentren gehen auf eine Idee aus England zurück, in den Fußballstadien Bildungsangebote für Fans einzurichten. Zum Programm gehören ein Besuch des Vereinsmuseums, des Stadions, einer Trainingseinheit und der Geschäftsstelle. Im Lernzentrum finden zudem Unterrichtseinheiten zu politischer Bildung statt. Besucher sind Schulklassen, Fanclubs und Ordner. Im neuen Lernzentrum im Bremer Ostkurvensaal stehen zudem Jugendliche mit Migrationshintergrund im Fokus, die trotz ihrer Fußballbegeisterung eher selten den Weg ins Stadion finden. Lernzentren gibt es bereits in Dortmund, Bochum und Bremen. In diesem Jahr sollen weitere Standorte folgen.