Lernort Stadion - Politische Bildung an Lernzentren in Fußballstadien

Lernort Stadion - Politische Bildung an Lernzentren in Fußballstadien

Podiumsdiskussion am 31.03.2014 in Berlin: „Von wegen politikfreie Zone. Das Fußballstadion als Lernort der Demokratie“

„Als ich das erste Mal den Schlüssel zum Dortmunder Stadion in der Hand hielt, dachte ich: Ich hab‘ es geschafft!“ So beschreibt Johannes Böing, Leiter des BVB-Lernzentrums, das besondere Erlebnis Fußballstadion. Und er erläutert, wie sich das Projekt „Lernort Stadion“ eben diese Faszination des Orts zunutze macht, um Jugendlichen politische Bildung mit Fußballbezug anzubieten.

Aber liegt die Verbindung von Sport und Politik denn nahe? Ist sie überhaupt gewünscht? Für Dagmar Freitag (SPD), Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, ist klar: „Sport ist auch politisch – er ist Teil unserer Gesellschaft und damit zwangsläufig gesellschaftspoltisch.“ Der Sport, insbesondere der Fußball, müsse daher seine Möglichkeiten erkennen und nutzen.

Ingo Schiller, der sich als Geschäftsführer von Hertha BSC auch für das Berliner Lernzentrum im Projekt Lernort Stadion engagiert, bestätigt: „Fußball kann sich Politikfreiheit nur bis zu einem gewissen Punkt leisten. Dann muss er eintreten für die Werte der Demokratie.“

Als Politiker und Kapitän des FC Bundestag erlebt Marcus Weinberg (CDU) ganz praktisch, wie das gemeinsame Fußballspiel von Bundestagsabgeordneten über Fraktionsgrenzen hinweg verbindet und gleichzeitig einem guten Zweck dient. Timm Beichelt, Professor für Europastudien an der Europa-Universität Viadrina, betonte die zentrale Identifikationskraft und Vorbildfunktion des Fußballs.

Zu Gast im Publikum war auch eine Gruppe Jugendlicher, die bereits zum vierten Mal eine Projektwoche im Berliner Lernzentrum @ Hertha BSC besuchen durfte. Ausgerüstet mit Videokamera und Aufnahmegeräten übten sie sich in Interviewsituationen und erzählten begeistert, wie die Projekttage rund um das Stadion ihr Selbstbewusstsein stärken. „Die Lernerfahrungen verbessern den Zusammenhalt der Schüler und schaffen Vertrauen“, meint auch Lehrer Rainer Pätzold. Für seine Arbeit bedeutet das eine große Unterstützung: „Die Klasse wird zu meinem Wohnzimmer.“

Die Podiumsdiskussion fand im Rahmen des 5. Runden Tischs im Projekt „Lernort Stadion“ statt, der jährlichen Weiterbildungs- und Netzwerkveranstaltung aller zwölf Projektstandorte.

Bildergalerie

Fotos: Tobias Bohm
v.l.n.r.: Marcus Weinberg (MdB, CDU), Ingo Schiller, Johannes Böing, Prof. Timm Beichelt, Dagmar Freitag (MdB, SPD), Shelly Kupferberg (Moderatorin)
„Sport ist auch politisch ..." (Dagmar Freitag, SPD)
Prof. Timm Beichelt über die zentrale Identifikationskraft und Vorbildfunktion des Fußballs
Johannes Böing beschreibt das besondere Erlebnis Fußballstadion
v.l.n.r.: Marcus Weinberg (MdB, CDU), Ingo Schiller und Johannes Böing
Blick in die Runde
Gespräch mit Publikum
Lernzentrenvertreter

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Melanie Dense
Telefon 0711 46084-821
Franziska Kegler
Telefon 0711 46084-973
Die Projektidee

Die Fußballbegeisterung von Jugendlichen für Bildungsangebote nutzen - das ist die Idee des Lernorts Fußballstadion, ausgehend vom englischen Vorbild der „Study Support Center“. Seit 2010 fördert die Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit der Bundesliga-Stiftung Lernzentren zur politischen Bildung. Mit dabei sind die Standorte Dortmund, Bochum, Bremen, Berlin, Bielefeld, Gelsenkirchen, Frankfurt, Dresden, Rostock, Braunschweig, Nürnberg und Kaiserslautern/Saarbrücken.

Zielgruppe der Lernzentren sind Schülerinnen und Schüler, v.a. von Hauptschulen der Jahrgangsstufen sieben bis zehn, sowie fußballbegeisterte Jugendliche und junge Erwachsene aus der Fanszene. Der Reiz des Stadions soll besonders die Jugendlichen ansprechen, die von traditionellen Bildungsangeboten nur selten erreicht werden.

Audio-Slideshow: Die Lernzentren in NRW
Fotos: Theodor Barth, Musik: Soccer meets Learning Bochum

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  • Mit dem Projekt Lernort Stadion wird die Faszination des Fußballs genutzt, um Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund für politische Bildungsthemen zu interessieren und ihre sozialen Kompetenzen zu stärken.
  • Über niedrigschwellige, handlungs- und lebensweltorientierte Angebote werden bildungsferne und sozial benachteiligte Jugendliche erreicht.
  • Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf politischer Bildung: In Workshops und Projekttagen setzen sich die Teilnehmer mit Themen wie Gewalt, Rassismus, Homophobie, Diskriminierung und Vorurteilshandeln, aber auch ihren persönlichen Rechten, Integrations- und Partizipationsmöglichkeiten auseinander.
  • Die Arbeit in den Lernzentren sensibilisiert die teilnehmenden Jugendlichen für gesellschaftspolitische Fragestellungen und unterstützt sie dabei, Verantwortung für sich und in der Gesellschaft wahrzunehmen.
Besuch im Dortmunder Stadion

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Die Bundesliga-Stiftung

Seit Mai 2010 ist die Bundesliga-Stiftung Kooperationspartner der Robert Bosch Stiftung im Projekt „Lernort Stadion“.

Die Stiftung mit Sitz in Frankfurt a. M. wurde 2009 vom Ligaverband e.V. und der DFL Deutsche Fußball Liga ins Leben gerufen. Sie nimmt die gesellschaftliche Verantwortung des Profifußballs wahr und nutzt die große Kraft des Fußballs, um bessere Chancen für Kinder, Menschen mit Behinderung und Sportler anderer Sportarten zu schaffen sowie Integration und Gewaltprävention zu fördern.

„Die Bundesliga hat eine enorme Anziehungskraft. Diese nutzen wir, um gerade Jugendliche und junge Erwachsene aus sozialschwachen Familien zu außerschulischen Bildungsangeboten zu motivieren. Einen besonderen Fokus legen wir dabei auf die Einbindung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund“, erklärt Tom Bender, Vorstandsvorsitzender der Bundesliga-Stiftung.

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