Grenzgänger

Andrzej Klamt:

1964 wurde Andrzej Klamt in Polen geboren, wo er seine Kindheit verbrachte und schließlich im Alter von 15 Jahren in die Bundesrepublik Deutschland aussiedelte. Während er von 1985 bis 1990 Filmwissenschaft und Slavistik in Frankfurt am Main studierte, wurde er Mitglied der Filmgruppe „halbtotal“. Das letzte Studienjahr verbrachte er in der UdSSR. Heute lebt Klamt als freier Autor, Regisseur und Produzent in Wiesbaden.

Für „Die geteilte Klasse“ erhielt er den Spezialpreis des 9. Neiße Filmfestival im sächsisch-polnisch-tschechischen Dreiländereck.
Die geteilte Klasse (Podzielona Klasa)

Der Filmemacher macht sich auf die Suche nach seinen ehemaligen Klassenkameraden, die gemeinsam mit ihm 1971 im oberschlesischen Bytom in die Schule Nr. 5 eingeschult wurden. Vor dem Zweiten Weltkrieg hieß die Stadt Beuthen. Nach dem Krieg flohen die meisten deutschen Einwohner nach Westen oder wurden vertrieben. Doch viele blieben auch da und unterschrieben eine Loyalitätserklärung gegenüber dem polnischen Staat und wurden „Polen für 20 Zloty“ genannt, soviel kostete das Formular. Obwohl viele Klassenkameraden deutsche Nachnamen trugen, wurde die Nationalitätenfrage in den 70er Jahren totgeschwiegen. Nach und nach ‚verschwinden’ Klassenkameraden von einem Tag auf den anderen, und es heißt, sie seien nach Deutschland gegangen. Schließlich ist die Hälfte der Klasse weg. Die Lebensläufe der Ehemaligen hüben und drüben spiegeln die spannenden und oft verworrenen vierzig letzten Jahre mitteleuropäischer Geschichte und ergeben ein spannendes Mosaik von Haltungen, Gefühlen und Ansichten.

Buch und Regie: Andrzej Klamt
Kamera: Tomasz Michałowski
Schnitt: Justin Peach
Musik: Stoppok
Produktion: halbtotal.film.de & The Film.pl 
D/PL 2011, 79 Min.
ABCHASIEN - Ein Land in der Schwebe

Seit dem Zerfall der Sowjetunion geriet der Kaukasus zum Spielball geopolitischer Interessen. Besonders stark ist hier das Engagement der USA hervorzuheben. Die kleine, von keinem Land der Welt anerkannte, Republik Abchasien spielt dabei eine besondere Rolle. Abchasien war in der Sowjetzeit ein Teil von Georgien und wegen seiner landschaftlichen Reize das Ferienparadies des Landes. Doch Anfang der 90er spaltete sich Abchasien von Georgien ab, in einem mit großen Verlusten geführten Krieg. Fast 250.000 ethnische Georgier, die Hälfte der Bevölkerung Abchasiens, flüchteten oder wurden vertrieben.

Seit 1994 überwachen eine 2.000 Mann starke russische Friedenstruppe und eine UNO Beobachtermission den brüchigen Waffenstillstand von 1994. Die russische Politik hat aber den abchasisch-georgischen Konflikt instrumentalisiert und hofft mit Hilfe von Abchasien das zur NATO strebende Georgien an sich zu binden bzw. zu destabilisieren. Die Dokumentation stellt den deutschen Zuschauern zum ersten Mal in dieser Ausführlichkeit ein in Europa kaum bekanntes Land vor. Der Film zeigt die betörend schönen subtropischen Landschaften Abchasiens, besucht Menschen, die noch nach traditioneller kaukasischer Art in Bergdörfern wohnen, schildert aber zugleich auch die verfahrene politische Lage des Landes.

Buch und Regie: Andrzej Klamt
Kamera: Maciej Zemojcin
Schnitt: Armin Riegel, Arnold Gralinski
Musik: Alex Sonntag
D 2008, 30 Min.

Eine Produktion der halbtotal film mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung.

Bildergalerie – Die geteilte Klasse

Klamt reiste im Spätsommer und Herbst 2008 zweimal nach Oberschlesien/Polen, um seine zerstreuten ehemaligen Klassenkameraden zu finden. Andere Klassenkameraden besuchte er in Deutschland, sie hatten meist im Ruhrgebiet eine neue Heimat gefunden. „Die Recherche verlangte neben der auf mich zukommenden Fleißarbeit auch ein detektivisches Gespür.“ Durch die Erfahrung der gemeinsamen Schulzeit entstand eine besondere Vertrautheit und gelangen oft sehr persönliche Interviews, die auch unbequeme Fragen ansprachen.

Bildergalerie – ABCHASIEN