Eveline Passet und Raimund Petschner:
Ein Dorf im neuen Russland
Jasnaja Poljana und das Erbe Tolstojs
Jasnaja Poljana - jenes Dorf und Gut in der russischen Region Tula, wo Lew Tolstoj geboren wurde und den größten Teil seines Lebens verbracht hat - existiert noch heute und ist, hundert Jahre nach dem Tod des Autors, ein Ort, an dem vieles probiert wird. Da soll zum einen (unter Leitung eines Ururenkels des Schriftstellers) das literarische, philosophische und religiöse Erbe Tolstojs in die Gegenwart verlängert werden, zum anderen ist daran gedacht, Kulturtourismus, Kulturwirtschaft systematisch zu betreiben und Jasnaja Poljana mit seinem Museum zum Motor der Regionalentwicklung zu machen. Chemiekombinat und Stahlwerk in unmittelbarer Nähe zwingen dazu, zwischen handfesten Interessen und moralisch-spirituellen Zielen in der Tradition Tolstojs die Spannung auszuhalten, auszubalancieren. Daneben gilt es wie überall den Alltag zu leben, in Schule, Kindergarten, Wohnblock, Datscha, Krankenhaus und Geschäft.
Wie bewegt sich Jasnaja Poljana - oder: wie wird es bewegt - zwischen Geist und Macht?
Hat Kultur dort eine Chance, etwas anderes zu sein als ein Standortfaktor, nämlich: unmittelbar Einfluß zu nehmen auf die Selbstreflexion und Selbsterziehung von Menschen, wie es vermutlich im Sinne Tolstojs gewesen wäre?
Jasnaja Poljana und das Erbe Tolstojs
Jasnaja Poljana - jenes Dorf und Gut in der russischen Region Tula, wo Lew Tolstoj geboren wurde und den größten Teil seines Lebens verbracht hat - existiert noch heute und ist, hundert Jahre nach dem Tod des Autors, ein Ort, an dem vieles probiert wird. Da soll zum einen (unter Leitung eines Ururenkels des Schriftstellers) das literarische, philosophische und religiöse Erbe Tolstojs in die Gegenwart verlängert werden, zum anderen ist daran gedacht, Kulturtourismus, Kulturwirtschaft systematisch zu betreiben und Jasnaja Poljana mit seinem Museum zum Motor der Regionalentwicklung zu machen. Chemiekombinat und Stahlwerk in unmittelbarer Nähe zwingen dazu, zwischen handfesten Interessen und moralisch-spirituellen Zielen in der Tradition Tolstojs die Spannung auszuhalten, auszubalancieren. Daneben gilt es wie überall den Alltag zu leben, in Schule, Kindergarten, Wohnblock, Datscha, Krankenhaus und Geschäft.
Wie bewegt sich Jasnaja Poljana - oder: wie wird es bewegt - zwischen Geist und Macht?
Hat Kultur dort eine Chance, etwas anderes zu sein als ein Standortfaktor, nämlich: unmittelbar Einfluß zu nehmen auf die Selbstreflexion und Selbsterziehung von Menschen, wie es vermutlich im Sinne Tolstojs gewesen wäre?
- Ursendung: Deutschlandfunk, 21.08.2009, 20 Uhr 10
Redaktion: Sabine Küchler, Regie: Anna Panknin
Die Collage von Raimund Petschner entstand unter Verwendung herumliegender ärztlicher Unterlagen aus den 1960er Jahren, entdeckt in einem aufgelassenen Ambulatorium in Krapivna (40 km von Jasnaja Poljana). Die Räume des Ambulatoriums sollen, wenn alles gut geht, in absehbarer Zukunft restauriert und für kulturelle und soziale Zwecke genutzt werden. Das Museum von Jasnaja ist an dem Projekt beteiligt. Krapivna ist übrigens der Ort, wo Tolstoj als Friedensrichter - als Berater und Schlichter in Angelegenheiten der Landverteilung nach der Aufhebung der Leibeigenschaft 1861 - gewirkt hat.