Literaturnobelpreis für Herta Müller
Grenzgänger-Roman von Herta Müller: „Atemschaukel“
Inhalt
Rumänien am Ende des Krieges. Die deutsche Bevölkerung lebt in Angst. „Es war 3 Uhr in der Nacht zum 15. Januar 1945, als die Patrouille mich holte. Die Kälte zog an, es waren -15° C.“ So beginnt der junge Mann seinen Bericht. Fünf Jahre liegen vor ihm, von denen er noch nichts weiß. Fünf Jahre, nach denen er als ein anderer zurückkehrt. Müller erzählt von einer Erfahrung, die den Überlebenden für sein Leben prägt. In vielen Gesprächen hat sie den Stoff gesammelt, den sie nun zu einem großen Roman geformt hat.
Die Grenzgänger-Recherche
Die rumäniendeutschen Schriftsteller Ernest Wichner, Herta Müller und Oskar Pastior unternahmen 2004 eine Recherchereise in die Ukraine. Sie suchten das Lager auf, in welches der junge Pastior als Angehöriger der deutschen Minderheit in Rumänien zum sogenannten Wiederaufbau in die damalige Sowjetunion verschleppt worden war. Ursprünglich sollte ein gemeinsames Werk von Herta Müller und Oskar Pastior entstehen, die Autorin schreibt: „ Als Oskar Pastior 2006 so plötzlich starb, hatte ich vier Hefte voller handschriftlicher Notizen, dazu Textentwürfe für einige Kapitel. [...] Erst nach einem Jahr konnte ich mich durchringen, das Wir zu verabschieden und allein einen Roman zu schreiben. Doch ohne Oskar Pastiors Details aus dem Lageralltag hätte ich es nicht gekonnt.“
Die Autorin
Herta Müller wurde 1953 im Banat (Rumänien) geboren. Nach einem Publikationsverbot und Regressionen durch den rumänischen Geheimdienst Securitate konnte sie 1987 nach Deutschland ausreisen, wo sie seither in Berlin lebt. Sie hat viele Erzählungen und Romane über die seelischen Folgen des Leidens in der Diktatur geschrieben. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem 1994 mit dem Kleist-Preis, 2005 mit dem Berliner Literaturpreis und 2006 mit dem Walter Hasenclever-Literaturpreis der Stadt Aachen.