Pressemitteilung
Demographie-Studie zur Personalpolitik in der öffentlichen Verwaltung
Stuttgart, 1. September 2009 - Die deutsche Bevölkerung schrumpft und altert.
Für den Arbeitsmarkt bedeutet dies: Die Zahl nachrückender Fachkräfte sinkt, das Durchschnittsalter der Mitarbeiter steigt. Diese Entwicklung stellt auch die öffentliche Verwaltung, Deutschlands größten Arbeitgeber, vor große Herausforderungen. Die Robert Bosch Stiftung hat deshalb bei der Prognos AG eine Studie in Auftrag gegeben, um eine Diskussion über notwendige zukunftsorientierte Entscheidungen anzustoßen.
Der Bericht „Demographieorientierte Personalpolitik in der öffentlichen Verwaltung“ macht mit einer Altersstrukturanalyse den Handlungsbedarf transparent. Infolge von Einstellungsstopps und Stellenkürzungen ist das Durchschnittsalter im gesamten öffentlichen Dienst in den letzten zehn Jahren von 41,8 Jahren auf über 44 Jahre angestiegen. Rund ein Drittel der Mitarbeiter ist älter als 50 Jahre und wird in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen. Die Personalstruktur in der öffentlichen Verwaltung wird in naher Zukunft weiter altern, der Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs steigen. Dieser steigende Bedarf trifft jedoch auf einen Arbeitsmarkt, auf dem das Angebot junger, qualifizierter Arbeitskräfte zu einem knappen Gut wird und der Wettbewerb mit privaten Arbeitgebern sich deutlich verschärft. Insbesondere die Laufbahngruppe des höheren Dienstes wird künftig bei der Rekrutierung von Nachwuchskräften vom Fachkräftemangel betroffen sein.
Aufgabe des Personalmanagements wird es daher sein, mit älter werdenden Belegschaften trotz Arbeitsverdichtung und komplexeren Prozessen
leistungsfähig zu bleiben und außerdem ein attraktiver Arbeitgeber für qualifizierten Nachwuchs zu werden. Dafür bedarf es in der öffentlichen Verwaltung eines Paradigmenwechsels – von einer passiven Personalverwaltung zu einem professionellen Personalmanagement.
Zielführend wird dabei nicht die bloße Umsetzung von Einzelmaßnahmen, sondern nur ein ganzheitlicher Ansatz sein, der die einzelnen Elemente in einer kohärenten Strategie miteinander verbindet.
Die wichtigsten Elemente einer demographieorientierten Personalpolitik:
- Strategisches Personalmanagement: Das Personal als wesentlichen Erfolgsfaktor für die Leistungsfähigkeit der Verwaltung begreifen, der strategisch geplant und gesteuert werden muss.
- Dienstrecht und Vergütungspolitik: Die Möglichkeiten zur Reform des Dienstrechts und zur Einführung einer leistungsorientierten Vergütung nutzen und damit Motivation, Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.
- Personalmarketing: Mit internem und externem Personalmarketing neue Bewerbergruppen für die Verwaltung interessieren und bestehendes Personal binden.
- Arbeitsorganisation: Mit flexiblen Formen von Arbeitszeit und -ort altersgerechte und motivierende Arbeitsbedingungen schaffen.
- Gesundheitsmanagement: Mit präventivem Gesundheitsmanagement die Leistungsfähigkeit des Personals bis ins hohe Alter sichern.
- Personalentwicklung: Durch individuelle Beurteilung und maßgeschneiderte Weiterbildungskonzepte in jeder Altersstufe Entwicklungsperspektiven schaffen und Leistungsfähigkeit sichern.
- Organisationskultur und Personalführung: Führungskräfte zu Promotoren einer demographieorientierten Personalpolitik machen und ihre Führungskompetenz verbessern.
Die öffentlichen Arbeitgeber sollten die Entwicklung ihrer Altersstruktur als Anstoß und die erfolgreichen Beispiele aus der Praxis als Ansporn nutzen, um ihr Personalmanagement auf die demographischen Herausforderungen einzustellen. Bei einer aktiven Gestaltung der Personalpolitik eröffnen sich dem öffentlichen Dienst neue Chancen im Kampf um die „besten Köpfe“.
„Alter und Demographie“ ist ein Schwerpunkt-Thema der Robert Bosch Stiftung, die zahlreiche Projekte in diesem Bereich fördert. Die jetzt vorliegende Studie erscheint als zweite Veröffentlichung in der Reihe „Alter und Demographie“. Im Juni 2009 erschien die vom Institut für Demoskopie Allensbach erstellte Studie „Altersbilder von Journalisten“.
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