Applaus für sprachgewandte Hauptschüler

Preisverleihung „Wir reden mit!“ in der Robert Bosch Stiftung

„Um bestimmt mitreden zu können und aktiver Teil einer Gemeinschaft zu sein, muss man nicht nur die Sprache beherrschen, sondern auch auf sich und seine Fähigkeiten vertrauen können" - davon ist Dieter Berg, Geschäftsführer der Robert Bosch Stiftung, überzeugt. Er begrüßte am 24. Juli 2009 die Gäste der dritten Preisverleihung von „Wir reden mit! Für ein besseres Zusammenleben an der Hauptschule“.

Sich in der Schule und im Leben zu behaupten, fällt besonders schwer, wenn Deutsch nicht die Muttersprache ist. Man wolle Hauptschulen deshalb darin unterstützen, „die sprachlichen und sozialen Kompetenzen ihrer Schüler besonders zu fördern und zu stärken.“ Mit der Preisverleihung könne man zeigen, „was die Schulklassen leisten und möglichst viele zum Mitmachen und Nachahmen bewegen“, so Dieter Berg.

16 Projekte an Hauptschulen wurden im Rahmen des Wettbewerbs in Baden-Württemberg gefördert, drei davon als „Gewinner der Gewinner“ ausgewählt. Georg Wacker, Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, betonte, dass die vielfältigen und kreativen Projekte erst durch das „große Engagement der Lehrkräfte, Theaterpädagogen, Schulsozialarbeiter und vieler anderer möglich werden.“ Sie seien in der Lage, „die Schüler mitzureißen und bei der Entwicklung einer starken Persönlichkeit zu unterstützen.“

Wir sind die Wawuschel

Wie gut es gelingen kann, Schüler zu außerordentlichen Leistungen zu motivieren, bewiesen Fünftklässler der Haupt- und Werkrealschule in Geisingen. Sie hatten mit ihrem Theaterstück über die Wawuschel nach Irina Korschunow den mit 500 Euro dotierten ersten Preis gewonnen. Begleitet wurde das Schauspielprojekt durch Wortschatzerweiterung mit Lernsoftware, Sprachspiele sowie Theater- und Büchereibesuche. Außerdem wurden die Eltern und das lokale Umfeld in das Projekt eingebunden.

Begeistert zeigte sich das Publikum nicht nur über die selbstgestrickten, leuchtend grünen Puschelperücken, sondern vor allem über die Tatsache, dass zwei Drittel der Schüler ein halbes Jahr vor Erarbeitung des Theaterstückes noch kein Deutsch konnten. Ihre Lehrerin Marianne Engbers berichtete: „Das Selbstbewusstsein hat sich verändert. Nach den Aufführungen hatten die Kinder eine ganz andere Präsenz im Unterricht. Auch das Sprachverständnis hat sich verbessert. Viele Kollegen, die die Kinder auf der Bühne sahen, waren ganz überrascht, was sie geleistet hatten und wie souverän sie auftraten.“

Gestatten – mein Name ist Klischee

Den zweiten Platz belegten Schüler der 7. Klasse an der Albert-Schweitzer-Schule Rheinstetten mit ihrer selbst entwickelten Szenencollage „Hauptschüler – alle blöd oder was?“ Mit den Figuren Gerechtigkeit, Wahrheit und Klischee im Bildzeitungs-Regenmantel sowie anhand von Klassenzimmer-Szenen führten sie Vorurteile, mit denen sich Hauptschüler häufig konfrontiert sehen, ironisch verzerrt ad absurdum.

Ein dreiviertel Jahr Proben mit Sozial- und Theaterpädagogen lag hinter den Preisträgern, in den Unterricht integrierte Gruppenübungen zu Körpersprache und Kommunikation sowie erfolgreiche Aufführungen bei der Karlsruher Schultheaterwoche. Die Teilnehmerinnen Rojda und Nanja erzählten stolz: „Wir sind nicht mehr so schüchtern, sondern offener und selbstbewusster. Unsere Klassengemeinschaft ist viel enger geworden, es gibt keine Außenseiter mehr. Wir wurden früher selber gemobbt und es war schwer, Freunde zu finden. Auch deshalb wollten wir beweisen, dass nicht alle Hauptschüler dumm sind.“

Zipp Zapp Cat

Dass junge Menschen neben sprachlichen auch erstaunliche mediale Kompetenzen entwickeln können, zeigten die dritten Preisträger aus der fünften Klasse der Helene-Fernau-Horn-Schule, einer Sprachheilschule in Stuttgart. Sie hatten zusammen mit der Medienwerkstatt Stuttgart einen Trickfilm mit Knet-Figuren produziert, der das Publikum zum Lachen brachte und die Vielfältigkeit der Sprachförderung anschaulich machte: Von der Fußball-Sendung über die Straßenschlägerei bis zur kuriosen Versicherungs-Werbung – drei Monate hatten die Schüler als Team an ihrem Animationsfilm gearbeitet, ein Drehbuch entwickelt, sich mit der Tricktechnik der Bluebox vertraut gemacht und den Charakteren ihre Stimmen geliehen.

Michail, Cristiano, André und Christian erklärten in der anschließenden Projektausstellung: „Es macht Spaß, die Knetfiguren zu bauen und zu bewegen. Es dauert lange, aber wenn man weiß, wie es geht, ist es nicht schwierig. Man braucht eben Phantasie, um sich die Figuren auszudenken.“

(Lena Hoche, Juli 2009)

Bilder von der Preisverleihung

Foto: Robert Thiele
Die Schüler der Albert-Schweitzer-Schule Rheinstetten mit "Hauptschüler - alle blöd oder was?"
Foto: Robert Thiele
Die Schüler der Albert-Schweitzer-Schule Rheinstetten mit "Hauptschüler - alle blöd oder was?"
Foto: Robert Thiele
Die Schüler der Albert-Schweitzer-Schule Rheinstetten mit "Hauptschüler - alle blöd oder was?"
Foto: Robert Thiele
Die Schüler der Albert-Schweitzer-Schule Rheinstetten mit "Hauptschüler - alle blöd oder was?"
Foto: Robert Thiele
Die Schüler der Albert-Schweitzer-Schule Rheinstetten mit "Hauptschüler - alle blöd oder was?"
Foto: Robert Thiele
Vorführung des Trickfilms "Zipp Zapp Cat" der Helene-Fernau-Horn-Schule
Foto: Robert Thiele
Moderator Timo Brunke im Gespräch mit Schülern der Helene-Fernau-Horn-Schule
Foto: Robert Thiele
Die 5. Klasse der Haupt- und Werkrealschule in Geisingen mit dem Siegerprojekt "Die Wawuschels"
Foto: Robert Thiele
Die 5. Klasse der Haupt- und Werkrealschule in Geisingen mit dem Siegerprojekt "Die Wawuschels"
Foto: Robert Thiele
Die 5. Klasse der Haupt- und Werkrealschule in Geisingen mit dem Siegerprojekt "Die Wawuschels"
Foto: Robert Thiele
Die 5. Klasse der Haupt- und Werkrealschule in Geisingen mit dem Siegerprojekt "Die Wawuschels"
Foto: Robert Thiele
Georg Wacker, Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, gratulierte den diesjährigen Preisträgern